Lamotrigin bei refraktären Anfällen: Cochrane Review
Hintergrund
Generalisierte tonisch-klonische Anfälle erfordern eine effektive Kontrolle, um das Verletzungs- und Sterblichkeitsrisiko zu senken und die Lebensqualität zu verbessern.
Während die meisten Betroffenen mit einer Monotherapie anfallsfrei werden, entwickeln etwa 30 % eine Pharmakoresistenz. In diesen Fällen ist eine Kombinationstherapie mit weiteren Antiepileptika erforderlich.
Dieser Cochrane Review aus dem Jahr 2020 untersucht die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Lamotrigin als Add-on-Therapie bei medikamentenresistenten primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen.
Empfehlungen
Die Autoren des Reviews betonen, dass die aktuelle Evidenzlage unzureichend für eine klare klinische Empfehlung ist. Es bedarf weiterer Studien mit größeren Kohorten und längeren Beobachtungszeiträumen.
Wirksamkeit der Add-on-Therapie
Dennoch zeigen die analysierten Daten folgende Tendenzen auf:
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Die Wahrscheinlichkeit für eine Reduktion der Anfallsfrequenz um mindestens 50 % ist unter Lamotrigin im Vergleich zu Placebo fast doppelt so hoch (Evidenz von niedriger Qualität).
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Bezüglich der kompletten Anfallsfreiheit liefern die Daten keine eindeutigen Ergebnisse (Evidenz von sehr niedriger Qualität).
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Auch hinsichtlich der Lebensqualität konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt werden.
Verträglichkeit und Nebenwirkungen
Die Auswertung der unerwünschten Ereignisse und Therapieabbrüche ergab laut Review keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Lamotrigin und Placebo.
Folgende Nebenwirkungen wurden in den Studien erfasst, wobei die Evidenzqualität als niedrig bis sehr niedrig eingestuft wurde:
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Ataxie und Schwindel
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Fatigue und Somnolenz
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Übelkeit
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Hautausschlag (Rash)
Übersicht der klinischen Endpunkte
| Klinischer Endpunkt | Relatives Risiko (RR) vs. Placebo | Evidenzqualität (GRADE) |
|---|---|---|
| ≥ 50 % Reduktion der Anfallsfrequenz | 1,88 (95 % CI: 1,43–2,45) | Niedrig |
| Komplette Anfallsfreiheit | 1,55 (95 % CI: 0,89–2,72) | Sehr niedrig |
| Therapieabbruch | 1,20 (95 % CI: 0,72–1,99) | Sehr niedrig |
| Nebenwirkung: Somnolenz | 3,73 (99 % CI: 0,36–38,90) | Niedrig |
💡Praxis-Tipp
Laut dem Cochrane Review ist bei der Verordnung von Lamotrigin als Add-on-Therapie zu berücksichtigen, dass die Evidenz für eine klinische Wirksamkeit stark limitiert ist. Zwar besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine Halbierung der Anfallsfrequenz, jedoch kann eine komplette Anfallsfreiheit auf Basis der aktuellen Datenlage nicht verlässlich prognostiziert werden.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt, dass Lamotrigin die Anfallsfrequenz mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit um mindestens 50 % reduzieren kann. Die Evidenz hierfür wird jedoch als niedrig eingestuft.
Die aktuellen Studiendaten liefern keine eindeutigen Beweise dafür, dass Lamotrigin als Add-on-Therapie die Rate der kompletten Anfallsfreiheit signifikant erhöht. Die Evidenzqualität für diesen Endpunkt ist sehr niedrig.
In den untersuchten Studien wurden unter anderem Hautausschlag (Rash), Fatigue, Somnolenz, Ataxie und Schwindel berichtet. Die statistische Auswertung ergab jedoch keine eindeutigen Unterschiede im Vergleich zur Placebo-Gruppe.
Die Autoren des Reviews schlussfolgern, dass die derzeitige Informationslage unzureichend ist, um die klinische Praxis verlässlich anzuleiten. Es werden weitere groß angelegte Langzeitstudien gefordert.
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Quelle: Cochrane Review: Lamotrigine add-on therapy for drug-resistant generalised tonic-clonic seizures (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.