Adipositas bei Bipolarer Störung: Cochrane Review
Hintergrund
Die bipolare Störung ist eine schwere psychische Erkrankung, die weltweit etwa 60 Millionen Menschen betrifft. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung weisen Betroffene eine signifikant höhere Prävalenz für komorbide Adipositas auf. Etwa 68 % der behandlungssuchenden Patienten sind übergewichtig oder adipös.
Adipositas trägt maßgeblich zu weiteren körperlichen Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus, Hypertonie und dem metabolischen Syndrom bei. Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen die häufigste Ursache für einen vorzeitigen Tod bei bipolarer Störung dar und treten oft ein Jahrzehnt früher auf als in der Allgemeinbevölkerung.
Die Ursachen für die Gewichtszunahme sind multifaktoriell. Sie umfassen krankheitsbedingte Faktoren, Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie sowie Lebensstilfaktoren wie Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und Substanzmissbrauch.
Empfehlungen
Der vorliegende Cochrane Review untersuchte die Evidenzlage zu verschiedenen Interventionen zur Gewichtsreduktion bei Patienten mit bipolarer Störung.
Untersuchte Interventionen
Die Autoren suchten nach randomisiert-kontrollierten Studien (RCTs) zu folgenden Ansätzen:
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Nicht-pharmakologische Interventionen (Diät, Bewegung, Verhaltenstherapie)
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Pharmakologische Interventionen (Gewichtsverlustmedikamente, Medikamentenumstellung)
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Chirurgische Eingriffe (z. B. Magenbypass, Magenband)
Ergebnisse und Evidenzlücke
Laut dem Review erfüllte keine einzige der identifizierten Studien die methodischen Einschlusskriterien. Es konnten folglich keine Daten zur Wirksamkeit der genannten Interventionen bei dieser spezifischen Patientengruppe extrahiert werden.
Schlussfolgerungen für die Forschung
Aufgrund der fehlenden Evidenz können derzeit keine spezifischen Empfehlungen zur Behandlung von Adipositas bei bipolarer Störung abgeleitet werden. Der Review betont die dringende Notwendigkeit für zukünftige RCTs, die sich ausschließlich auf Populationen mit bipolarer Störung und komorbider Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m²) konzentrieren.
💡Praxis-Tipp
Da spezifische, evidenzbasierte Leitlinienempfehlungen für diese Patientengruppe laut dem Review derzeit fehlen, wird in der klinischen Praxis ein besonderes Augenmerk auf die Prävention der Gewichtszunahme gelegt. Es wird hervorgehoben, dass die metabolischen Nebenwirkungen der psychotropen Medikation bei der Therapieplanung stets berücksichtigt werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review sind etwa 68 % der behandlungssuchenden Patienten mit einer bipolaren Störung übergewichtig oder adipös. Die Prävalenz ist damit signifikant höher als in der Allgemeinbevölkerung.
Der Review konnte diese Frage nicht beantworten, da keine der untersuchten Studien die methodischen Einschlusskriterien erfüllte. Es fehlt derzeit an spezifischer Evidenz für diese Patientengruppe.
Die hohe Rate an komorbider Adipositas begünstigt Folgeerkrankungen wie Diabetes und das metabolische Syndrom. Der Review weist darauf hin, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Hauptursache für einen vorzeitigen Tod bei diesen Patienten darstellen.
Die Gewichtszunahme ist laut Review multifaktoriell bedingt. Dazu zählen krankheitsassoziierte Faktoren, Nebenwirkungen der psychiatrischen Medikation sowie Lebensstilfaktoren wie Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung.
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Quelle: Cochrane Review: Interventions for the management of obesity in people with bipolar disorder (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.