Anwesenheit von Angehörigen bei Reanimation: Cochrane Review
Hintergrund
Der Cochrane Review (2023) untersucht die Auswirkungen der Anwesenheit von Familienangehörigen während einer Wiederbelebung (Family Presence During Resuscitation, FPDR). Diese Praxis betrifft eine komplexe Dreiecksbeziehung zwischen dem kritisch kranken Menschen, seinen Angehörigen und dem medizinischen Personal.
Es besteht zunehmend der Wunsch von Familien, in akuten medizinischen Situationen zusammen zu bleiben und in Prozesse einbezogen zu werden. Gleichzeitig existieren in der Praxis Bedenken hinsichtlich möglicher Traumatisierungen der Familie, einer Verletzung der Privatsphäre und einer potenziellen Störung der medizinischen Abläufe.
Ziel des systematischen Reviews war es, die Effekte von FPDR auf posttraumatische Belastungsstörungen (PTSD), Angstzustände und Trauer bei Angehörigen zu evaluieren. Zudem wurden die Auswirkungen auf die Überlebensrate der Behandelten, die Dauer der Maßnahmen und den Stress des Personals analysiert.
Empfehlungen
Die Autoren des Reviews fassen die aktuelle Evidenzlage zur Anwesenheit von Angehörigen bei der Reanimation wie folgt zusammen:
Psychologische Auswirkungen auf Angehörige
Laut Review gibt es derzeit unzureichende Evidenz, um eindeutige Schlussfolgerungen über die psychologischen Effekte von FPDR zu ziehen. Die eingeschlossenen Studien deuten auf folgende Tendenzen hin, deren Vertrauenswürdigkeit jedoch als sehr niedrig eingestuft wird:
-
Eine mögliche Reduktion von PTSD-bezogenen Symptomen bei anwesenden Angehörigen.
-
Tendenziell geringere Raten von Angstzuständen und Depressionen.
-
Eine potenziell verminderte Ausprägung von komplizierter Trauer.
Auswirkungen auf den klinischen Ablauf
Der Review vergleicht die klinischen und prozessualen Endpunkte zwischen Gruppen mit und ohne anwesende Angehörige. Es wurden keine signifikanten negativen Auswirkungen auf die medizinische Versorgung oder das Personal festgestellt.
| Endpunkt | Effekt durch Anwesenheit von Angehörigen | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Überleben der Patienten | Kein statistischer Unterschied | Sehr niedrig |
| Dauer der Reanimation | Kein statistischer Unterschied | Niedrig |
| Stress des medizinischen Teams | Kein statistischer Unterschied | Sehr niedrig |
Implikationen für die Praxis
Aufgrund der sehr niedrigen Evidenzqualität und des hohen Bias-Risikos der vorliegenden Studien formuliert der Review keine definitive Empfehlung für oder gegen FPDR. Es wird betont, dass weitere gut konzipierte, randomisiert-kontrollierte Studien erforderlich sind, um verlässliche Leitlinien zu entwickeln.
💡Praxis-Tipp
Obwohl die Evidenz insgesamt sehr schwach ist, zeigt der Review, dass die Anwesenheit von Angehörigen bei einer Reanimation den subjektiven Stress des medizinischen Personals nicht signifikant erhöht. Es wird in der zitierten Literatur empfohlen, anwesenden Angehörigen nach Möglichkeit eine dedizierte Betreuungsperson zur Seite zu stellen, um den medizinischen Ablauf nicht zu stören und die Familie adäquat zu unterstützen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review konnte kein statistischer Unterschied in der Stressintensität des medizinischen Teams festgestellt werden. Die Evidenz für diese Aussage ist jedoch von sehr niedriger Qualität.
Die vorliegenden Daten deuten eher auf das Gegenteil hin, da in den Studien eine Reduktion von PTBS-Symptomen bei anwesenden Angehörigen beobachtet wurde. Der Review betont jedoch, dass die Datenlage zu schwach für eine abschließende und sichere Beurteilung ist.
Der Review fand keinen statistischen Unterschied hinsichtlich der Überlebensraten bis zur Krankenhausaufnahme oder bis zum Tag 28. Die medizinische Versorgung und die Dauer der Reanimation werden durch die Anwesenheit offenbar nicht negativ beeinflusst.
Es wird in der Begleitliteratur des Reviews darauf hingewiesen, dass Angehörige idealerweise von einer speziell dafür vorgesehenen Betreuungsperson begleitet werden sollten. Dies soll die Kommunikation erleichtern und das eigentliche Reanimationsteam entlasten.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Family presence during resuscitation (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.