Kontrakturen nach Schlaganfall: Cochrane Review
Hintergrund
Nach einem Schlaganfall entwickeln etwa 50 bis 60 Prozent der Betroffenen Kontrakturen. Diese sind durch einen reduzierten Bewegungsumfang und eine erhöhte Gelenksteifigkeit gekennzeichnet, die durch eine Verkürzung von Muskeln und Sehnen entstehen.
Kontrakturen können zu erheblichen funktionellen Einschränkungen, Schmerzen, Schlafstörungen sowie Hygiene- und kosmetischen Problemen führen. Es wird in der Literatur betont, dass Kontrakturen und Spastik als unterschiedliche, wenn auch oft zusammenhängende klinische Entitäten betrachtet werden sollten.
Zur Prävention und Behandlung kommen in der Rehabilitation häufig unterstützende Technologien zum Einsatz. Dazu zählen mechanische, elektrische oder elektromechanische Geräte wie Orthesen, Schienen oder die elektrische Stimulation, die eine Dehnung der betroffenen Gewebe bewirken sollen.
Empfehlungen
Der aktuelle Cochrane Review (2024) analysiert die Evidenz zum Einsatz unterstützender Technologien bei Kontrakturen nach einem Schlaganfall.
Wirksamkeit auf den Bewegungsumfang
Aufgrund der sehr niedrigen Evidenzqualität (GRADE: sehr niedrig) können laut Review keine sicheren Schlüsse über die Wirksamkeit gezogen werden. Es bleibt demnach unklar, ob unterstützende Technologien den passiven Bewegungsumfang (PROM) im Vergleich zur Routinebehandlung signifikant verbessern.
Die analysierten Studien untersuchten unter anderem folgende Interventionen:
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Elektrische Stimulation der Handgelenksextensoren
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Nicht-robotische Geräte mit elektrischer Stimulation für Schulter- und Ellenbogenbeuger
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Positionierung mittels Klappbrett oder Schienung
Unerwünschte Wirkungen
Der Review weist auf mögliche unerwünschte Wirkungen bei der Anwendung unterstützender Technologien hin. Es wird berichtet, dass bei der Nutzung von Daumenschienen Hautverletzungen auftreten können.
Zudem wurde in einer Studie Schmerz als unerwünschtes Ereignis bei der passiven Dehnung mittels eines Klappbretts dokumentiert.
Implikationen für die Praxis
Da die aktuelle Evidenzlage unzureichend ist, wird in der klinischen Praxis eine individuelle Abwägung empfohlen. Der Review betont, dass bei der Verordnung von Hilfsmitteln die verfügbaren Ressourcen, die Fähigkeiten des Personals sowie mögliche Komplikationen berücksichtigt werden sollten.
Zudem wird darauf hingewiesen, dass in der Rehabilitation Dehnungen idealerweise bis zum Endbereich der Beweglichkeit (End-Range-Stretch) appliziert werden sollten. Dies sollte für eine ausreichende Dauer geschehen, sofern es für die betroffene Person tolerierbar ist.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass Spastik und Kontrakturen in der klinischen Beurteilung strikt voneinander getrennt werden sollten. Während Spastik auf einer abnormen Muskelaktivität beruht, entstehen Kontrakturen durch strukturelle Veränderungen des Gewebes. Eine exakte Differenzierung ist entscheidend, um therapeutische Maßnahmen wie Dehnungen oder Schienungen zielgerichtet und ursachenadäquat einzusetzen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem aktuellen Cochrane Review ist die Evidenz hierfür sehr gering. Es lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit sagen, ob Orthesen oder andere unterstützende Technologien den Bewegungsumfang besser erhalten als eine herkömmliche Routinebehandlung.
Der Review berichtet von möglichen unerwünschten Ereignissen wie Hautverletzungen, die insbesondere bei der Verwendung von Daumenschienen beobachtet wurden. Zudem können bei der passiven Dehnung durch mechanische Hilfsmittel Schmerzen auftreten.
Eine Kontraktur entsteht durch strukturelle Verkürzungen von Muskeln, Sehnen und Bändern, oft bedingt durch Immobilität. Eine Spastik hingegen wird durch eine neurologisch bedingte, abnorme Muskelaktivität nach einer Schädigung des zentralen Nervensystems verursacht.
Die Autoren des Reviews weisen darauf hin, dass Dehnungen idealerweise bis zum Endbereich der Beweglichkeit (End-Range-Stretch) durchgeführt werden sollten. Die Dauer und Intensität müssen dabei stets an die individuelle Schmerztoleranz der betroffenen Person angepasst werden.
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Quelle: Cochrane Review: Assistive technologies, including orthotic devices, for the management of contractures in adults after a stroke (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.