Unterschenkelorthesen bei Wadenmuskelschwäche: Cochrane
Hintergrund
Neuromuskuläre Erkrankungen verursachen häufig eine Schwäche der Wadenmuskulatur. Da diese Muskeln für ein sicheres Gehen essenziell sind, führt eine Schwäche zu Instabilität und einem erhöhten Energieaufwand.
Dies resultiert im klinischen Alltag oft in Stürzen, vorzeitiger Ermüdung und einer eingeschränkten Mobilität. Die Standardtherapie zur Verbesserung des Gangbildes ist die Versorgung mit Unterschenkelorthesen (AFOs).
Ein aktueller Cochrane Review untersucht die Wirksamkeit verschiedener Orthesen-Materialien im Vergleich zum Gehen mit herkömmlichen Schuhen. Die eingeschlossenen Studien weisen jedoch insgesamt eine niedrige bis sehr niedrige Evidenzqualität auf.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende Erkenntnisse zur Wirksamkeit von Unterschenkelorthesen:
Materialabhängige Wirkungen
Die Leitlinie betont, dass die Effekte stark vom verwendeten Material abhängen. Es wird folgende vergleichende Übersicht der Wirkungen im Vergleich zu herkömmlichen Schuhen präsentiert (Evidenzgrad niedrig):
| Orthesen-Material | Gehgeschwindigkeit | Energieaufwand (objektiv) | Zufriedenheit |
|---|---|---|---|
| Carbon | Erhöht | Reduziert | Erhöht |
| Leder | Erhöht | Keine Daten | Keine Daten |
| Polypropylen | Kein Effekt | Keine Daten | Keine Daten |
| Elastische Materialien | Kein Effekt | Keine Daten | Keine Daten |
Unsichere Endpunkte
Für mehrere klinisch relevante Parameter reicht die aktuelle Datenlage laut Leitlinie nicht aus, um verlässliche Aussagen zu treffen. Dies betrifft insbesondere:
-
Die subjektiv empfundene Anstrengung beim Gehen
-
Die Auswirkungen auf das Gleichgewicht
-
Die tatsächliche Nutzungsdauer der Orthesen im Alltag
Implikationen für die Praxis
Die Leitlinie weist darauf hin, dass Carbon-Orthesen derzeit die vielversprechendsten Ergebnisse zur Reduktion des Gehaufwands zeigen. Aufgrund der Heterogenität der Studien wird jedoch eine individuelle Anpassung und Erprobung im klinischen Alltag hervorgehoben.
Kontraindikationen
Der Review berichtet über mögliche unerwünschte Ereignisse bei der Nutzung von Unterschenkelorthesen. Zu den am häufigsten dokumentierten Problemen zählen:
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Druckstellen und Hautprobleme
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Knie- oder Hüftschmerzen
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Seltene Sturzereignisse während der Nutzung
Die Leitlinie betont jedoch, dass aufgrund der niedrigen Evidenzqualität keine sicheren Schlussfolgerungen zu unerwünschten Wirkungen im Vergleich zum Gehen ohne Orthese gezogen werden können.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie weisen Unterschenkelorthesen aus Carbon die beste Evidenz für eine Reduktion des Energieaufwands und eine Erhöhung der Gehgeschwindigkeit auf. Es wird darauf hingewiesen, dass Orthesen aus Polypropylen oder elastischen Materialien die Gehgeschwindigkeit im Vergleich zu normalen Schuhen oft nicht verbessern. Die individuelle Materialwahl ist daher ein entscheidender Faktor für den Therapieerfolg.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review zeigen Carbon-Orthesen die besten Ergebnisse. Sie können den Energieaufwand reduzieren und die Gehgeschwindigkeit sowie die Zufriedenheit erhöhen.
Die aktuelle Evidenz deutet darauf hin, dass Orthesen aus Polypropylen die Gehgeschwindigkeit im Vergleich zu normalen Schuhen nicht signifikant verbessern. Die Datenlage hierzu ist jedoch von niedriger Qualität.
Als häufigste unerwünschte Ereignisse werden Druckstellen sowie Knie- und Hüftschmerzen berichtet. Die Leitlinie merkt an, dass die genaue Häufigkeit aufgrund fehlender Vergleichsdaten unklar ist.
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Quelle: Cochrane Review: Ankle-foot orthoses for improving walking in adults with calf muscle weakness due to neuromuscular disorders (Cochrane, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.