Chronischer Pruritus: Stufendiagnostik und Therapie
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie definiert den chronischen Pruritus als ein Jucken, das länger als sechs Wochen anhält. In diesem Stadium verliert das Symptom seine eigentliche Warnfunktion und erlangt einen eigenständigen Krankheitswert, der auch nach Abheilung der auslösenden Ursache bestehen bleiben kann.
In der Allgemeinbevölkerung liegt die Prävalenz bei etwa 13,5 bis 16,8 Prozent. Die Erkrankung geht häufig mit einer erheblichen Einschränkung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität einher, was sich unter anderem in Schlafstörungen, Angstzuständen und depressiven Verstimmungen äußern kann.
Die Klassifikation erfolgt gemäß dem International Forum for the Study of Itch (IFSI) primär nach dem klinischen Phänotyp. Unterschieden wird zwischen Pruritus auf primär läsionaler Haut, auf primär nicht-läsionaler Haut sowie Pruritus mit schweren sekundären Kratzläsionen, wie beispielsweise bei der chronischen Prurigo.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist die alleinige Verordnung von topischen Glukokortikosteroiden bei chronischem Pruritus ohne entzündliche Hautveränderungen nicht zielführend und wird nicht empfohlen. Es wird betont, dass die antipruritische Wirkung von Steroiden primär auf ihrer antiinflammatorischen Eigenschaft beruht, weshalb bei intakter Haut Basistherapeutika oder spezifische Wirkstoffe wie Polidocanol bevorzugt werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt als Basisdiagnostik unter anderem ein Blutbild, Entzündungsparameter (BSG, CRP), Leber- und Nierenwerte sowie den Nüchternblutzucker und TSH. Bei Auffälligkeiten sollte eine gezielte weiterführende Diagnostik erfolgen.
Der Einsatz von nicht-sedierenden Antihistaminika kann laut Leitlinie als symptomatischer Versuch erwogen werden. Bei unzureichendem Ansprechen wird eine Höherdosierung auf bis zur vierfachen Standarddosis beschrieben.
Als Therapie der ersten Wahl wird bei Hämodialysepatienten die intravenöse Gabe von Difelikefalin empfohlen. Alternativ nennt die Leitlinie den Einsatz von Gabapentin oder Pregabalin unter strenger Dosisanpassung an die Nierenfunktion.
Die chronische Prurigo ist ein Krankheitsbild mit stark juckenden, knotigen Hautläsionen, die durch ständiges Kratzen entstehen. Zur systemischen Therapie der moderaten bis schweren Form wird laut Leitlinie der Antikörper Dupilumab empfohlen.
Die Leitlinie rät von einem routinemäßigen Einsatz ab. Systemische Glukokortikosteroide sollten nur in absoluten Ausnahmefällen als Kurzzeittherapie bei schwerstem Pruritus und hohem Leidensdruck erwogen werden.
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Quelle: Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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