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Urtikaria: Leitlinie zu Diagnostik und Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Urtikaria wird nach Dauer in akut (≤ 6 Wochen) und chronisch (> 6 Wochen) sowie nach Auslösern in spontan und induzierbar eingeteilt.
  • Bei akuter Urtikaria wird keine routinemäßige Labordiagnostik empfohlen.
  • Therapie der ersten Wahl sind moderne, nicht-sedierende H1-Antihistaminika der 2. Generation.
  • Bei unzureichendem Ansprechen wird eine Dosissteigerung der H1-Antihistaminika auf das bis zu 4-fache empfohlen (Off-Label).
  • Omalizumab ist die Add-on-Therapie der Wahl, wenn hochdosierte Antihistaminika nicht ausreichen.
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Hintergrund

Die Urtikaria ist eine vornehmlich durch Mastzellen gesteuerte Erkrankung, die durch das Auftreten von Quaddeln und/oder Angioödemen gekennzeichnet ist. Die Lebenszeitprävalenz liegt bei nahezu 20 %. Die Erkrankung kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken.

Klassifikation

Die Urtikaria wird primär anhand ihrer Dauer und der Relevanz auslösender Faktoren eingeteilt.

Einteilung nach Dauer:

  • Akute Urtikaria: Auftreten von Quaddeln/Angioödemen für ≤ 6 Wochen.
  • Chronische Urtikaria (CU): Auftreten für > 6 Wochen.

Einteilung nach Auslösern (Chronische Urtikaria):

UnterformCharakteristikBeispiele
Chronische spontane Urtikaria (CSU)Spontane Ausbildung ohne definierten AuslöserBekannte Ursachen (z.B. Autoimmunität Typ I/IIb) oder unbekannte Ursachen
Chronische induzierbare Urtikaria (CIndU)Spezifischer, definierter Auslöser vorhandenSymptomatischer Dermographismus, Kälteurtikaria, Druckurtikaria, Lichturtikaria, cholinergische Urtikaria

Diagnostik

Die Diagnostik basiert auf einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung. Die apparative und laborchemische Diagnostik richtet sich nach der Urtikariaform.

  • Akute Urtikaria: Es wird stark nicht empfohlen, grundsätzlich diagnostische Routinemaßnahmen durchzuführen, da die Erkrankung meist selbstlimitierend ist.
  • Chronische spontane Urtikaria (CSU): Es wird empfohlen, Basisuntersuchungen durchzuführen. Dazu gehören ein Differentialblutbild sowie CRP und/oder BSG. In der fachärztlichen Versorgung sollten zusätzlich Gesamt-IgE und IgG-Anti-TPO bestimmt werden.
  • Chronische induzierbare Urtikaria (CIndU): Es wird empfohlen, spezifische Provokationstests und Schwellenmessungen durchzuführen.

Scoring-Systeme zur Verlaufskontrolle

Zur objektiven Beurteilung von Krankheitsaktivität und -kontrolle sollten validierte Fragebögen eingesetzt werden:

ScoreZielgruppeAnwendung
UAS7 (Urtikaria-Aktivitäts-Score)CSU-Patienten mit QuaddelnErfasst Quaddeln und Juckreiz über 7 aufeinanderfolgende Tage (Maximalwert 42)
AAS (Angioödem-Aktivitäts-Score)CSU-Patienten mit AngioödemenErfasst Schwellungen und deren Auswirkungen
UCT (Urtikaria-Kontroll-Test)Alle CU-PatientenMisst die Krankheitskontrolle (Cut-off: ≥ 12 Punkte = gut kontrolliert)

Therapie

Das übergeordnete Ziel der Behandlung ist die vollständige Kontrolle der Urtikaria (UAS7 = 0) und eine Normalisierung der Lebensqualität. Medikamente, die im Verdacht stehen, die Erkrankung zu aggravieren (z.B. NSAR), sollten abgesetzt werden.

Stufenschema der medikamentösen Therapie

StufeTherapieEmpfehlungsgrad & Bemerkung
1. WahlH1-Antihistaminika der 2. Generation (Standarddosis)Starke Empfehlung. Kontinuierliche Einnahme wird empfohlen.
2. WahlH1-Antihistaminika der 2. Generation (bis zu 4-fache Dosis)Konsens. Off-Label-Use bei unzureichendem Ansprechen auf die Standarddosis.
3. WahlOmalizumab (Add-on)Starke Empfehlung. Bei Therapieversagen der hochdosierten Antihistaminika.
4. WahlCiclosporin A (Add-on)Schwache Empfehlung. Off-Label-Use bei schweren, refraktären Verläufen.

Wichtige klinische Hinweise zur medikamentösen Therapie:

  • Keine Kombinationen: Die gleichzeitige Anwendung verschiedener H1-Antihistaminika wird nicht empfohlen.
  • Keine alten Antihistaminika: Sedierende H1-Antihistaminika der 1. Generation sollen aufgrund von Nebenwirkungen nicht routinemäßig eingesetzt werden.
  • Systemische Glukokortikoide: Ein langfristiger Einsatz wird stark nicht empfohlen. Eine Kurzzeitbehandlung (max. 10 Tage) kann lediglich bei akuten Exazerbationen erwogen werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie standardisierte Fragebögen wie den UAS7 oder den UCT (Urtikaria-Kontroll-Test) in der Praxis. Sie dauern nur wenige Minuten, objektivieren die Krankheitsaktivität und liefern eine solide Begründung für Therapieeskalationen (z.B. Off-Label-Dosissteigerung von Antihistaminika oder Omalizumab-Verordnung).

Häufig gestellte Fragen

Bei der akuten spontanen Urtikaria (Dauer ≤ 6 Wochen) wird grundsätzlich keine Routinediagnostik empfohlen, da sie meist selbstlimitierend ist. Ausnahmen bestehen nur bei gezieltem Verdacht aus der Anamnese (z.B. IgE-vermittelte Allergie).
Empfohlen werden moderne, nicht-sedierende H1-Antihistaminika der 2. Generation (z.B. Cetirizin, Loratadin, Bilastin, Desloratadin) als Therapie der ersten Wahl. Antihistaminika der 1. Generation sollten vermieden werden.
Ja. Bei unzureichendem Ansprechen auf die Standarddosis wird eine Dosissteigerung auf das bis zu 4-fache empfohlen. Dies stellt jedoch einen Off-Label-Use dar, worüber der Patient aufgeklärt werden muss.
In diesem Fall wird die zusätzliche Gabe von Omalizumab (Anti-IgE) empfohlen. Die Standarddosis beträgt 300 mg alle vier Wochen.
Ein langfristiger Einsatz systemischer Glukokortikoide wird stark nicht empfohlen. Sie sollten maximal als Kurzzeittherapie (bis zu 10 Tage) bei akuten Exazerbationen eingesetzt werden.

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