Chronische Herzinsuffizienz: Diagnostik und Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2016 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SIGN (2016)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die SIGN-Leitlinie 147 befasst sich mit dem Management der chronischen Herzinsuffizienz. Der Fokus liegt dabei primär auf der Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HF-REF), definiert als linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) von 40 % oder weniger.

Die Erkrankung ist durch Phasen relativer Stabilität und akuter Dekompensationen gekennzeichnet. Zur Klassifikation der Symptomschwere wird standardmäßig die Einteilung der New York Heart Association (NYHA) herangezogen.

Ziel der Behandlung ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern, Symptome zu lindern und sowohl Hospitalisierungsraten als auch die Mortalität zu senken.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Alltag:

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Herzinsuffizienz wird zunächst die Bestimmung der natriuretischen Peptide (BNP oder NT-proBNP) oder ein EKG empfohlen. Diese Untersuchungen dienen laut Leitlinie der Entscheidung, ob eine Echokardiographie erforderlich ist.

Eine Echokardiographie wird empfohlen, wenn die natriuretischen Peptide erhöht sind oder das EKG auffällig ist. Die Untersuchung sollte die linksventrikuläre systolische Funktion, Klappenerkrankungen und den pulmonalarteriellen Druck beurteilen.

Medikamentöse Therapie

Die Leitlinie empfiehlt für alle Personen mit HF-REF (NYHA II-IV) eine Basistherapie:

  • Beginn mit einem Betablocker (Bisoprolol, Carvedilol oder Nebivolol), sobald der Zustand stabil ist (starke Empfehlung)

  • Gabe eines ACE-Hemmers für alle NYHA-Klassen (starke Empfehlung)

  • Einsatz eines Angiotensin-Rezeptor-Blockers (ARB) bei Unverträglichkeit von ACE-Hemmern

Bei anhaltenden Symptomen (NYHA II-IV, LVEF ≤ 35 %) trotz optimaler Therapie wird die zusätzliche Gabe eines Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA) empfohlen. Vor der Gabe müssen Nierenfunktion und Kaliumspiegel kontrolliert werden.

Als weitere Eskalationsstufen nennt die Leitlinie:

  • Sacubitril/Valsartan anstelle von ACE-Hemmern/ARBs bei anhaltenden Symptomen (NYHA II-III, LVEF ≤ 40 %)

  • Ivabradin bei Sinusrhythmus mit einer Herzfrequenz von ≥ 75 Schlägen/Minute trotz maximal tolerierter Betablocker-Dosis

  • Intravenöses Eisen bei nachgewiesenem Eisenmangel und einer LVEF ≤ 45 % (NYHA III) oder ≤ 40 % (NYHA II)

Apparative Therapie

Laut Leitlinie kommen implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) oder Systeme zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT-P/CRT-D) bei einer LVEF ≤ 35 % in Betracht. Die Indikation richtet sich nach der NYHA-Klasse, der QRS-Dauer und dem Vorliegen eines Linksschenkelblocks.

Nachsorge und Palliativversorgung

Es wird eine umfassende Entlassungsplanung mit multidisziplinärer Nachsorge empfohlen. Personen, die wegen einer Herzinsuffizienz hospitalisiert wurden, sollten von einer spezialisierten Pflegekraft nachbetreut werden.

Bei fortgeschrittener Erkrankung mit refraktären Symptomen wird ein frühzeitiger palliativmedizinischer Ansatz empfohlen. Dies schließt die vorausschauende Versorgungsplanung und die Diskussion über eine mögliche Deaktivierung von ICD-Systemen ein.

Dosierung

Die Leitlinie gibt folgende Start- und Zieldosierungen für die medikamentöse Therapie der HF-REF an:

ACE-Hemmer

WirkstoffStartdosisZieldosis
Captopril6,25 mg 3-mal täglich50 mg 3-mal täglich
Enalapril2,5 mg 2-mal täglich10–20 mg 2-mal täglich
Lisinopril2,5 mg 1-mal täglich20 mg 1-mal täglich
Ramipril2,5 mg 1-mal täglich5 mg 2-mal täglich

Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB)

WirkstoffStartdosisZieldosis
Candesartan4 oder 8 mg 1-mal täglich32 mg 1-mal täglich
Valsartan40 mg 2-mal täglich160 mg 2-mal täglich

Betablocker

WirkstoffStartdosisZieldosis
Bisoprolol1,25 mg 1-mal täglich10 mg 1-mal täglich
Carvedilol3,125 mg 2-mal täglich25–50 mg 2-mal täglich
Nebivolol1,25 mg 1-mal täglich10 mg 1-mal täglich

Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA)

WirkstoffStartdosisZieldosis
Spironolacton25 mg 1-mal täglich oder jeden 2. Tag25–50 mg 1-mal täglich
Eplerenon25 mg 1-mal täglich50 mg 1-mal täglich

Kontraindikationen

  • Dreifachtherapie: Die gleichzeitige Anwendung eines ACE-Hemmers, eines ARB und eines MRA wird aufgrund des hohen Risikos für Hyperkaliämie und Nierenfunktionsstörungen nicht empfohlen.

  • Sacubitril/Valsartan: Bei einer Umstellung von einem ACE-Hemmer auf Sacubitril/Valsartan muss der ACE-Hemmer 36 Stunden vor Beginn abgesetzt werden, um das Risiko eines Angioödems zu minimieren.

  • MRA: Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten sind kontraindiziert bei einer Nierenfunktionseinschränkung (CKD-Stadium ≥ 4-5) oder einem erhöhten Serumkaliumspiegel (> 5,0 mmol/l).

  • Adaptive Servoventilation: Diese Beatmungsform sollte bei Personen mit zentraler Schlafapnoe und HF-REF nicht angewendet werden.

  • Antidepressiva: Bei Vorliegen einer Depression sollten laut Leitlinie keine trizyklischen Antidepressiva eingesetzt werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein kritischer Punkt in der medikamentösen Einstellung ist die Vermeidung einer Dreifachblockade des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (ACE-Hemmer, ARB und MRA gleichzeitig), da dies das Risiko für schwere Hyperkaliämien und Nierenversagen drastisch erhöht. Zudem betont die Leitlinie, dass bei einer Umstellung von einem ACE-Hemmer auf Sacubitril/Valsartan zwingend ein behandlungsfreies Intervall von 36 Stunden eingehalten werden muss, um lebensbedrohliche Angioödeme zu verhindern.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine Echokardiographie empfohlen, wenn die natriuretischen Peptide (BNP oder NT-proBNP) erhöht sind oder das EKG Auffälligkeiten zeigt. Bei normalen Werten in beiden Tests ist eine Herzinsuffizienz unwahrscheinlich.

Die Leitlinie empfiehlt primär den Einsatz von Bisoprolol, Carvedilol oder Nebivolol. Diese Wirkstoffe haben in Studien eine Reduktion der Mortalität bei HF-REF gezeigt.

Ivabradin wird empfohlen bei Personen mit HF-REF (LVEF ≤ 35 %), die trotz maximal tolerierter Betablocker-Dosis einen Sinusrhythmus mit einer Herzfrequenz von ≥ 75 Schlägen pro Minute aufweisen. Voraussetzung ist zudem eine vorangegangene Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz in den letzten 12 Monaten.

Es wird die intravenöse Gabe von Eisen (z. B. Eisencarboxymaltose) empfohlen, wenn ein nachgewiesener Eisenmangel und eine Anämie (Hb 9,5–13,5 g/dl) vorliegen. Von der Gabe von Erythropoetin rät die Leitlinie explizit ab.

Vor dem Start von Sacubitril/Valsartan muss ein zuvor verabreichter ACE-Hemmer für mindestens 36 Stunden pausiert werden. Dies wird empfohlen, um das Risiko für ein Angioödem zu minimieren.

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Quelle: SIGN 147: Management of Chronic Heart Failure (SIGN, 2016). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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