Blutdruckziele bei Herz-Kreislauf-Erkrankung: Therapie
Hintergrund
Bluthochdruck ist ein wesentlicher Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei Personen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird in der Praxis oft diskutiert, ob niedrigere Blutdruckziele vorteilhaft sind.
Ein systematischer Cochrane Review aus dem Jahr 2022 untersucht diese Fragestellung. Er vergleicht Standard-Blutdruckziele (140-160/90-100 mmHg) mit niedrigeren Zielwerten (≤ 135/85 mmHg) bei Erwachsenen mit Hypertonie und kardiovaskulärer Vorerkrankung.
Die Analyse umfasst sieben randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 9595 Teilnehmenden. Die mittlere Nachbeobachtungszeit lag bei 3,7 Jahren.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse folgende zentrale Ergebnisse:
Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse
Laut Review gibt es wahrscheinlich keinen oder nur einen geringen Unterschied in der Gesamtmortalität zwischen den beiden Zielwert-Gruppen (moderate Evidenz). Auch bei der kardiovaskulären Mortalität zeigt sich kein signifikanter Vorteil für die niedrigeren Blutdruckziele.
Zudem wird berichtet, dass es bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen sowie den gesamten kardiovaskulären Ereignissen kaum Unterschiede gibt (niedrige Evidenz). Ein gesundheitlicher Nettonutzen durch die strengere Blutdruckeinstellung lässt sich demnach nicht belegen.
Unerwünschte Wirkungen und Therapieabbruch
Die Auswertung der Studien deutet darauf hin, dass niedrigere Blutdruckziele mit Nachteilen verbunden sein können:
-
Es werden mehr blutdrucksenkende Medikamente benötigt, um die strengeren Ziele zu erreichen.
-
Die Standard-Zielwerte werden in der Praxis häufiger erfolgreich erreicht als die niedrigeren Zielwerte.
-
Es kommt in der Gruppe mit niedrigeren Zielwerten wahrscheinlich häufiger zu Studienabbrüchen aufgrund von unerwünschten Nebenwirkungen (sehr niedrige Evidenz).
Zielwerte im Vergleich
Der Review vergleicht die folgenden Blutdruckziele hinsichtlich ihrer klinischen Endpunkte:
| Strategie | Systolischer Zielwert | Diastolischer Zielwert | Klinischer Zusatznutzen |
|---|---|---|---|
| Standard-Zielwert | 140 bis 160 mmHg | 90 bis 100 mmHg | Referenz |
| Niedrigerer Zielwert | ≤ 135 mmHg | ≤ 85 mmHg | Nicht belegt |
Zusammenfassend reicht die aktuelle Evidenz laut Review nicht aus, um bei Personen mit Hypertonie und etablierter Herz-Kreislauf-Erkrankung niedrigere Blutdruckziele von 135/85 mmHg oder weniger zu rechtfertigen.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Review bietet eine aggressive Blutdrucksenkung auf unter 135/85 mmHg bei kardiovaskulär vorerkrankten Personen keinen nachweisbaren Überlebensvorteil. Stattdessen wird darauf hingewiesen, dass eine solche Strategie zu mehr Medikamentenbedarf und häufigeren Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen führen kann. Es wird daher nahegelegt, die Standard-Zielwerte von 140-160/90-100 mmHg nicht routinemäßig zu unterschreiten.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt, dass ein niedrigeres Blutdruckziel (≤ 135/85 mmHg) im Vergleich zum Standardziel keinen signifikanten Vorteil bei der Gesamt- oder kardiovaskulären Mortalität bietet. Auch die Rate an kardiovaskulären Ereignissen wird dadurch nicht relevant gesenkt.
Laut der Meta-Analyse führt eine intensivere Blutdrucksenkung zu einem erhöhten Bedarf an Antihypertensiva. Zudem brechen Patienten die Therapie in der Gruppe mit niedrigeren Zielwerten häufiger aufgrund von unerwünschten Nebenwirkungen ab.
Die aktuelle Evidenz rechtfertigt laut Review keine strengeren Zielwerte als die Standardziele von 140-160 mmHg systolisch und 90-100 mmHg diastolisch. Ein Nettonutzen für Werte unter 135/85 mmHg konnte bei Patienten mit etablierter Herz-Kreislauf-Erkrankung nicht belegt werden.
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Quelle: Cochrane Review: Blood pressure targets for the treatment of people with hypertension and cardiovascular disease (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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