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Sauerstoff in der Akuttherapie: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Sauerstoff ist ein Medikament und dient ausschließlich der Behandlung einer Hypoxämie, nicht der Linderung von Atemnot ohne Hypoxämie.
  • Die Pulsoximetrie (SpO2) ist das primäre Überwachungsinstrument und soll bei jeder Sauerstoffgabe verfügbar sein.
  • Arterielle Blutgasanalysen (BGA) sind bei kritisch Kranken, Beatmeten und Patienten mit Hyperkapnie-Risiko indiziert.
  • Venöse Blutgasanalysen eignen sich nicht zur Steuerung der Oxygenierung, können aber eine Hyperkapnie ausschließen (pvCO2 < 45 mmHg).
  • Hyperoxämie ist potenziell schädlich, bietet keinen klinischen Nutzen und ist mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert.
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Hintergrund

Sauerstoff ist ein Arzneimittel und wird in der Akutmedizin häufig unkritisch angewendet. Die vorliegende S3-Leitlinie definiert die Sauerstoffsättigung (SpO2/SaO2) als zentralen Zielparameter. Ein wesentliches Ziel ist es, sowohl die Hypoxämie adäquat zu behandeln als auch die potenziell schädliche Hyperoxämie zu vermeiden, welche mit erhöhter Sterblichkeit und Organtoxizität assoziiert ist.

Indikation und klinische Einschätzung

Sauerstoff soll verabreicht werden, um eine Hypoxämie zu behandeln (Empfehlungsgrad A). Sauerstoff soll nicht zur Behandlung von Atemnot ohne Vorliegen einer Hypoxämie eingesetzt werden.

Bei der Einschätzung von Patienten mit Atemnot sollen neben der Sauerstoffsättigung zwingend weitere Vitalparameter bestimmt werden:

  • Atemfrequenz (besonders wichtig, z. B. im NEWS2-Score)
  • Pulsfrequenz
  • Blutdruck
  • Temperatur
  • Bewusstseinslage

Überwachung mittels Pulsoximetrie

Die Pulsoximetrie (SpO2) soll in allen klinischen Situationen verfügbar sein, in denen Sauerstoff medizinisch verwendet wird (Empfehlungsgrad A). Sie dient der kontinuierlichen Überwachung, unterliegt jedoch gewissen Einschränkungen:

Limitationen der PulsoximetrieBemerkung
Falsch hohe WerteBei Kohlenmonoxid-Vergiftung (Raucher) oder Methämoglobinämie
Überschätzung der SättigungBei dunkler Hautfarbe, dunklem Nagellack oder Sichelzellkrisen
UngenauigkeitBesonders bei Werten < 80 % (Abweichungen zur arteriellen Messung)

Blutgasanalysen (BGA)

Die Leitlinie differenziert klar zwischen den verschiedenen Abnahmeorten für Blutgasanalysen zur Überwachung der Sauerstofftherapie.

Arterielle BGA

Eine routinemäßige Bestimmung bei stabilen Patienten ohne Hyperkapnie-Risiko sollte nicht erfolgen. Bei folgenden Patientengruppen sollte stationär eine arterielle BGA durchgeführt werden (Empfehlungsgrad B):

Indikation zur arteriellen BGABeispiele / Kriterien
Kritisch kranke PatientenSchock, metabolische Störungen
Beatmete PatientenInvasive und nicht-invasive Beatmung
Schwere HypoxämieO2-Bedarf > 6 L/min bzw. FiO2 > 0,4
Hyperkapnie-RisikoCOPD, schweres Asthma, Adipositas (BMI > 40 kg/m2)
Unzuverlässige PulsoximetrieSchlechtes Signal, Artefakte

Kapilläre und Venöse BGA

BGA-ArtIndikation / StellenwertEvidenz / Empfehlung
Kapillär (Ohrläppchen)Patienteneinschätzung bei stabilen Patienten außerhalb der Intensivstation.Empfehlung 0: Kann eingesetzt werden. Setzt gute Hyperämisierung voraus.
VenösNicht zur Überwachung der Oxygenierung geeignet (pO2 venös ist 13-37 mmHg niedriger).Empfehlungsgrad A: Soll nicht zur O2-Überwachung verwendet werden.
Venös (Sonderfall)Ausschluss einer Hyperkapnie.Kann bei einem pvCO2 < 45 mmHg eine arterielle Hyperkapnie sicher ausschließen.

Gefahren der Hyperoxämie

Eine Hyperoxämie (z. B. SpO2 > 96 % bei unkritischer O2-Gabe) bietet keinen klinischen Nutzen und ist potenziell gefährlich. Zu den Risiken zählen:

  • Erhöhte Krankenhaussterblichkeit bei verschiedenen Akuterkrankungen (Sepsis, Schlaganfall, Herzinfarkt).
  • Koronare und zerebrale Vasokonstriktion.
  • Resorptionsatelektasen und direkte Lungentoxizität.
  • Gefahr des hyperkapnischen Atemversagens bei COPD-Patienten durch Aufhebung der hypoxischen pulmonalen Vasokonstriktion.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie auf die Atemfrequenz als essenziellen Prognoseparameter. Bei Patienten mit dunkler Hautfarbe kann die Pulsoximetrie die Sättigung überschätzen – setzen Sie die Schwelle für eine arterielle BGA hier niedriger an.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Sauerstoff soll laut Leitlinie ausschließlich zur Behandlung einer Hypoxämie und nicht zur Linderung von Atemnot eingesetzt werden.
Bei kritisch Kranken, beatmeten Patienten, schwerer Hypoxämie (> 6 L O2/min), Patienten mit Hyperkapnie-Risiko (z. B. COPD, BMI > 40) oder unzuverlässigem SpO2-Signal.
Nein, venöse Blutgasanalysen eignen sich nicht zur Überwachung der Oxygenierung. Sie können lediglich zum Ausschluss einer Hyperkapnie (pvCO2 < 45 mmHg) verwendet werden.
Neben der Sauerstoffsättigung (SpO2) müssen Atemfrequenz, Pulsfrequenz, Blutdruck, Temperatur und die Bewusstseinslage bestimmt werden.

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