ClariMedClariMed

Langzeit-Sauerstofftherapie (LTOT): Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die LTOT ist bei chronischer Hypoxämie indiziert und soll mindestens 15 Stunden pro Tag angewendet werden.
  • Bei COPD liegt die Indikation bei einem PaO2 ≤ 55 mmHg oder bei 56-60 mmHg mit Cor pulmonale bzw. Polyglobulie.
  • Die alleinige Messung der SpO2 reicht zur Indikationsstellung nicht aus; eine Blutgasanalyse (BGA) ist zwingend erforderlich.
  • Bei palliativer Dyspnoe ohne Hypoxämie sind Opioide der Sauerstoffgabe überlegen.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Unter einer Langzeit-Sauerstofftherapie (LTOT) versteht man die Applikation von Sauerstoff für ≥ 15 Stunden/Tag bei Patienten mit chronischer Hypoxämie. Ziel ist es, Letalität und Morbidität zu senken sowie die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit zu verbessern. Die Therapie erfordert eine exakte Indikationsstellung mittels Blutgasanalyse (BGA).

Diagnostik

Die alleinige Messung der peripheren Sauerstoffsättigung (SpO2) reicht zur Indikationsstellung nicht aus. Eine SpO2 ≤ 92% in Ruhe sollte jedoch Anlass zur Durchführung einer BGA sein.

  • Zeitpunkt: Die Objektivierung der chronischen Hypoxämie soll in einer stabilen Krankheitsphase (mindestens 3 Wochen) und zu mindestens 2 Messzeitpunkten erfolgen.
  • Methode: Arterielle BGA oder kapilläre BGA am hyperämisierten Ohrläppchen.
  • Achtung: Die kapilläre BGA kann den PaO2 unterschätzen (im Mittel um 6 mmHg). Bei unklaren Befunden ist eine arterielle BGA vorzuziehen.

Indikationen bei COPD

Die Indikation zur LTOT bei COPD richtet sich nach dem arteriellen Sauerstoffpartialdruck (PaO2) in Ruhe:

SchweregradPaO2 in RuheZusatzkriterienIndikation zur LTOT
Schwere Hypoxämie≤ 55 mmHgKeineJa
Schwere Hypoxämie + Hyperkapnie≤ 55 mmHgPaCO2 > 50 mmHgNIV prüfen, ggf. + LTOT
Moderate Hypoxämie56 - 60 mmHgCor pulmonale und/oder Polyglobulie (Hk ≥ 55%)Ja
Mäßige Hypoxämie56 - 65 mmHgKeineNein

Anwendungsdauer

Die Mindestdauer der LTOT soll 15 Stunden/Tag betragen. Der Hauptanteil der Sauerstoffapplikation kann während der Nacht erfolgen. Eine reine Korrektur von ausschließlich nächtlichen Hypoxien (ohne Tageshypoxämie) hat bei COPD keinen nachweisbaren Effekt auf die Letalität.

Mobile Sauerstofftherapie (AOT)

Eine mobile Sauerstofftherapie (Ambulatory Oxygen Therapy) kommt zum Einsatz, um die prognostisch wichtige Nutzungsdauer von ≥ 15 Stunden/Tag bei mobilen Patienten zu erreichen.

Bei einer rein belastungsinduzierten Hypoxämie (SpO2-Abfall um ≥ 2% auf ≤ 90%) kann eine AOT getestet werden. Ein signifikanter Nutzen liegt vor, wenn mindestens 2 der folgenden 3 Kriterien erfüllt sind:

  • Sauerstoffsättigung von zumindest 90% unter Belastung
  • Zunahme der Leistungsfähigkeit (z. B. Gehstrecke +10%)
  • Linderung der Dyspnoe (Borg-Skala Verbesserung um mindestens 1 Punkt)

Weitere Krankheitsbilder

ErkrankungEmpfehlung zur LTOT
Interstitielle LungenerkrankungenIndikation analog zur COPD. Reine Nachttherapie wird nicht empfohlen.
Zystische FibroseIndikation analog zur COPD. Reine Nachttherapie wird nicht empfohlen.
Chronische HerzinsuffizienzKeine LTOT bei normaler Sauerstoffsättigung. Bei zentraler Schlafapnoe kann eine nächtliche Gabe erwogen werden.
Pulmonale HypertonieLTOT sollte erwogen werden, wenn der PaO2 < 60 mmHg beträgt.

Palliativmedizin

Palliative Patienten mit Dyspnoe sollten bei fehlender Hypoxämie primär nicht mit Sauerstoff behandelt werden. Opioide sind in der Linderung der Dyspnoe effektiver. Sauerstoff sollte hier nur als Ultima Ratio zur Symptomlinderung eingesetzt werden.

Systeme für die LTOT

Für die häusliche und mobile Versorgung stehen verschiedene Systeme zur Verfügung. Vor der Verordnung von Demand-Ventilen (gepulste Abgabe) soll die Eignung des Patienten in Ruhe und unter Belastung zwingend getestet werden.

SystemEigenschaftenBemerkung
Stationäre KonzentratorenKontinuierlicher Fluss, strombetriebenAktionsradius durch Schlauchlänge (max. 15m) begrenzt
Mobile KonzentratorenLeicht, Akkubetrieb, meist Demand-ModusTestung der Triggerfunktion unter Belastung zwingend
FlüssigsauerstoffHohe Kapazität, hohe Flussraten möglichSpontane Verdampfungsrate beachten
DruckflaschenBegrenzte Speichermenge (200 bar)Logistisch aufwendiger, oft als Backup

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei der Indikationsstellung zur LTOT niemals allein auf die Pulsoxymetrie. Eine kapilläre BGA kann den PaO2 unterschätzen; führen Sie bei unklaren Befunden oder Diskrepanzen zur SpO2 eine arterielle BGA durch.

Häufig gestellte Fragen

Bei einem PaO2 ≤ 55 mmHg in Ruhe oder bei 56-60 mmHg, wenn zusätzlich ein Cor pulmonale (mit/ohne Rechtsherzinsuffizienz) oder eine Polyglobulie (Hämatokrit ≥ 55%) vorliegt.
Die Mindestdauer der LTOT soll 15 Stunden pro Tag betragen, wobei der Hauptanteil der Applikation nachts erfolgen kann.
Nein. Eine SpO2 ≤ 92% ist ein Screening-Parameter, die Indikation muss aber zwingend durch eine Blutgasanalyse (BGA) in einer stabilen Phase (mindestens 3 Wochen) gesichert werden.
Nein, palliative Patienten mit Dyspnoe sollten bei fehlender Hypoxämie primär nicht mit Sauerstoff behandelt werden. Opioide sind hier zur Symptomlinderung effektiver.
Da mobile Konzentratoren Sauerstoff meist nur gepulst (Demand-Modus) abgeben, muss vor der Verordnung zwingend getestet werden, ob das System den Patienten in Ruhe und unter Belastung ausreichend oxygeniert.

Verwandte Leitlinien