Telemedizin in der Notfallmedizin: S2e-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Einführung von Telenotarzt-Systemen (TNA) wird zur effektiveren Ressourcennutzung empfohlen.
- •Eine geeignete technische Verbindung mit parallelem Zugang zu mehreren Mobilfunknetzen sollte vorgehalten werden.
- •Vitaldaten (EKG, SpO2, NIBD) und Videoübertragungen können technisch sicher übermittelt werden und sollten zur Verfügung stehen.
- •Der TNA sollte zur Überbrückung eingesetzt werden, wenn ein Notarzt vor Ort nicht zeitgerecht verfügbar ist.
- •Telenotfallmedizin unterstützt bei Entscheidungen zur Patientenbeförderung, Sekundärtransporten und der Zielklinik-Auswahl.
Hintergrund
Die S2e-Leitlinie "Telemedizin in der prähospitalen Notfallmedizin" definiert evidenzbasierte Empfehlungen für den Einsatz von Telenotarzt-Systemen (TNA). Ziel ist die Sicherung der notfallmedizinischen Versorgung, ein effizienterer Ressourceneinsatz konventioneller Notärzte und die Steigerung der Leitlinienadhärenz. Der Telenotarzt fungiert als ärztliche Ressource, die das Rettungsteam vor Ort in Echtzeit unterstützt.
Technische Voraussetzungen und Datenübertragung
Die Telenotfallmedizin erfordert eine verlässliche technische Infrastruktur. Jeder Anwender muss im Rahmen der Sorgfaltspflicht situativ prüfen, ob die Übertragungsqualität für eine sichere Telekonsultation ausreicht (GPP).
| Maßnahme / Technologie | Empfehlungsgrad | Bemerkung |
|---|---|---|
| Technische Verbindung | B (Sollte) | Eine geeignete technische Verbindung muss verfügbar sein. |
| Netz-Redundanz | B (Sollte) | Paralleler Zugang zu mehreren Mobilfunknetzen zur Erhöhung der Verfügbarkeit. |
| Vitaldatenübertragung | B (Sollte) | Sichere Übertragung von HF, SpO2, EKG und NIBD; sollte bei TNA-Nutzung erfolgen. |
| Videoübertragung | B (Sollte) | Technisch sicher anwendbar; sollte zur Verfügung stehen. |
| Notfall-Sonografie | 0 (Kann) | Vor Ort durchgeführte Sonografie kann per Video übertragen werden. |
Systemstruktur und TNA-Einsatz
Der Einsatz der Telenotfallmedizin dient der gezielten Steuerung von Ressourcen und der Überbrückung arztfreier Intervalle.
| Einsatzszenario | Empfehlungsgrad | Zielsetzung / Bemerkung |
|---|---|---|
| Ressourcennutzung | B (Sollte) | Einführung eines TNA-Systems, um Arzt-besetzte Rettungsmittel zielgerichteter einzusetzen. |
| Notarzt-Überbrückung | B (Sollte) | TNA-Nutzung, wenn das Rettungsteam ärztliche Unterstützung benötigt, aber kein Notarzt zeitgerecht verfügbar ist. |
| Patientensicherheit | B (Sollte) | Konsultation zur Verbesserung von Sicherheit und Leitlinienadhärenz bei Bedarf des Teams vor Ort. |
| Transportentscheidung | GPP | Konsultation bei Unterstützungsbedarf zur Entscheidung über eine mögliche Patientenbeförderung. |
| Zielklinik & Voranmeldung | 0 (Kann) | Entscheidungsfindung für zielgerichtete Weiterversorgung und strukturierte Voranmeldung. |
| Ohne Vitalbedrohung | 0 (Kann) | Einsatz des TNA ohne Einschränkung der Diagnose- und Versorgungsqualität möglich. |
Sekundär- und Spezialtransporte
Auch außerhalb der Primärrettung bietet die Telenotfallmedizin erhebliche Vorteile zur Ressourcenschonung und Prozessoptimierung.
- Sekundäreinsätze (Verlegungen): TNA-Systeme können bei der Dispositionsentscheidung unterstützen. In differenzierten Situationen können telenotärztlich begleitete Sekundäreinsätze durchgeführt werden, um die Ressource Notarzt zu schonen (Empfehlungsgrad 0).
- Offshore-Bereich: Zur Entscheidung über einen medizinisch begründeten Transport in unzugänglichen Bereichen sollte bei Verfügbarkeit eine telenotfallmedizinische Unterstützung in Anspruch genommen werden (Empfehlungsgrad B).
💡Praxis-Tipp
Prüfen Sie vor und während der Telekonsultation stets eigenverantwortlich die Übertragungsqualität. Nutzen Sie bei unzureichender Videoqualität primär die kontinuierliche Vitaldatenübertragung und verbale Kommunikation, um die Patientensicherheit zu gewährleisten.