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Telemedizin in der Notfallmedizin: S2e-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Einführung von Telenotarzt-Systemen (TNA) wird zur effektiveren Ressourcennutzung empfohlen.
  • Eine geeignete technische Verbindung mit parallelem Zugang zu mehreren Mobilfunknetzen sollte vorgehalten werden.
  • Vitaldaten (EKG, SpO2, NIBD) und Videoübertragungen können technisch sicher übermittelt werden und sollten zur Verfügung stehen.
  • Der TNA sollte zur Überbrückung eingesetzt werden, wenn ein Notarzt vor Ort nicht zeitgerecht verfügbar ist.
  • Telenotfallmedizin unterstützt bei Entscheidungen zur Patientenbeförderung, Sekundärtransporten und der Zielklinik-Auswahl.
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Hintergrund

Die S2e-Leitlinie "Telemedizin in der prähospitalen Notfallmedizin" definiert evidenzbasierte Empfehlungen für den Einsatz von Telenotarzt-Systemen (TNA). Ziel ist die Sicherung der notfallmedizinischen Versorgung, ein effizienterer Ressourceneinsatz konventioneller Notärzte und die Steigerung der Leitlinienadhärenz. Der Telenotarzt fungiert als ärztliche Ressource, die das Rettungsteam vor Ort in Echtzeit unterstützt.

Technische Voraussetzungen und Datenübertragung

Die Telenotfallmedizin erfordert eine verlässliche technische Infrastruktur. Jeder Anwender muss im Rahmen der Sorgfaltspflicht situativ prüfen, ob die Übertragungsqualität für eine sichere Telekonsultation ausreicht (GPP).

Maßnahme / TechnologieEmpfehlungsgradBemerkung
Technische VerbindungB (Sollte)Eine geeignete technische Verbindung muss verfügbar sein.
Netz-RedundanzB (Sollte)Paralleler Zugang zu mehreren Mobilfunknetzen zur Erhöhung der Verfügbarkeit.
VitaldatenübertragungB (Sollte)Sichere Übertragung von HF, SpO2, EKG und NIBD; sollte bei TNA-Nutzung erfolgen.
VideoübertragungB (Sollte)Technisch sicher anwendbar; sollte zur Verfügung stehen.
Notfall-Sonografie0 (Kann)Vor Ort durchgeführte Sonografie kann per Video übertragen werden.

Systemstruktur und TNA-Einsatz

Der Einsatz der Telenotfallmedizin dient der gezielten Steuerung von Ressourcen und der Überbrückung arztfreier Intervalle.

EinsatzszenarioEmpfehlungsgradZielsetzung / Bemerkung
RessourcennutzungB (Sollte)Einführung eines TNA-Systems, um Arzt-besetzte Rettungsmittel zielgerichteter einzusetzen.
Notarzt-ÜberbrückungB (Sollte)TNA-Nutzung, wenn das Rettungsteam ärztliche Unterstützung benötigt, aber kein Notarzt zeitgerecht verfügbar ist.
PatientensicherheitB (Sollte)Konsultation zur Verbesserung von Sicherheit und Leitlinienadhärenz bei Bedarf des Teams vor Ort.
TransportentscheidungGPPKonsultation bei Unterstützungsbedarf zur Entscheidung über eine mögliche Patientenbeförderung.
Zielklinik & Voranmeldung0 (Kann)Entscheidungsfindung für zielgerichtete Weiterversorgung und strukturierte Voranmeldung.
Ohne Vitalbedrohung0 (Kann)Einsatz des TNA ohne Einschränkung der Diagnose- und Versorgungsqualität möglich.

Sekundär- und Spezialtransporte

Auch außerhalb der Primärrettung bietet die Telenotfallmedizin erhebliche Vorteile zur Ressourcenschonung und Prozessoptimierung.

  • Sekundäreinsätze (Verlegungen): TNA-Systeme können bei der Dispositionsentscheidung unterstützen. In differenzierten Situationen können telenotärztlich begleitete Sekundäreinsätze durchgeführt werden, um die Ressource Notarzt zu schonen (Empfehlungsgrad 0).
  • Offshore-Bereich: Zur Entscheidung über einen medizinisch begründeten Transport in unzugänglichen Bereichen sollte bei Verfügbarkeit eine telenotfallmedizinische Unterstützung in Anspruch genommen werden (Empfehlungsgrad B).

💡Praxis-Tipp

Prüfen Sie vor und während der Telekonsultation stets eigenverantwortlich die Übertragungsqualität. Nutzen Sie bei unzureichender Videoqualität primär die kontinuierliche Vitaldatenübertragung und verbale Kommunikation, um die Patientensicherheit zu gewährleisten.

Häufig gestellte Fragen

Ein TNA sollte konsultiert werden, um die Patientensicherheit und Leitlinienadhärenz zu verbessern, insbesondere wenn ein physischer Notarzt nicht zeitgerecht verfügbar ist oder Entscheidungen zur Transportnotwendigkeit anstehen.
Die Übertragung von Herzfrequenz, SpO2, 12-Kanal-EKG und nicht-invasivem Blutdruck (NIBD) ist technisch sicher möglich und sollte bei einer Konsultation erfolgen.
Ja, TNA-Systeme können bei der Dispositionsentscheidung unterstützen und in differenzierten Situationen Sekundäreinsätze begleiten, um die Ressource Notarzt zu schonen.
Ja, es ist technisch sicher möglich, eine vor Ort durchgeführte Notfall-Sonografie per Video zu übertragen. Diese Möglichkeit kann bei Systemverfügbarkeit genutzt werden.

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