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Tetanus: Leitlinie zur Diagnostik und Therapie (DGN/AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die sofortige chirurgische Wundsanierung und Identifizierung der Eintrittspforte sind essenziell, um die weitere Toxinproduktion zu stoppen.
  • Metronidazol i.v. ist das Antibiotikum der Wahl zur Eradikation von Clostridium tetani.
  • Zur Toxinneutralisierung erfolgt die i.m.-Gabe von humanem Tetanus-Immunglobulin (hTIG) zeitgleich mit einer aktiven Immunisierung.
  • Die symptomatische Therapie erfordert eine intensivmedizinische Betreuung mit hochdosierten Benzodiazepinen bei Spasmen und Dexmedetomidin bei autonomer Dysfunktion.
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Hintergrund

Tetanus wird durch das Neurotoxin Tetanospasmin verursacht, welches von Clostridium tetani unter anaeroben Bedingungen in kontaminierten Wunden gebildet wird. Das Toxin wandert retrograd axonal ins Rückenmark und hemmt dort die Ausschüttung inhibitorischer Transmitter (Glycin, GABA). Dies führt zu einer Enthemmung der α-Motoneurone und konsekutiv zu lebensbedrohlichen Muskelspasmen.

Klinik und Klassifikation

Die mittlere Inkubationszeit beträgt 8 Tage. Typisch ist eine von kranial absteigende Symptomatik mit Trismus (Kieferklemme), Risus sardonicus (Spasmus der mimischen Muskulatur) und Opisthotonus (Nacken- und Rückenmuskulatur). Auf äußere Reize können reflektorisch Spasmen ausgelöst werden.

Zur Dokumentation und Stadieneinteilung wird die Klassifikation nach Ablett verwendet:

GradAusprägungKlinik
Ileichtleichter bis mäßiger Trismus, keine Spasmen, keine oder leichte Dysphagie
IImäßigmäßiger Trismus, deutliche Rigidität, kurze Spasmen, Tachypnoe > 30, leichte Dysphagie
IIIschwerschwerer Trismus, generalisierte Tonuserhöhung, prolongierte Spasmen, Tachypnoe > 40, Tachykardie > 120/min, Apnoe-Anfälle
IVsehr schwerGrad III plus schwere autonome Dysregulation (kardiovaskulär mit Rhythmusstörungen oder Asystolie)

Diagnostik und Differenzialdiagnosen

Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. C. tetani lässt sich aus Wunden typischerweise nicht kultivieren. Im EMG zeigt sich eine kontinuierliche, nicht unterdrückbare Muskelaktivität. Wichtige Differenzialdiagnosen müssen ausgeschlossen werden:

DifferenzialdiagnoseMaßnahme/Diagnostik
Strychnin-VergiftungHarn und Serum auf Strychnin untersuchen (Miosis beachten!)
Akute dystone ReaktionBiperiden i.v. (nach Neuroleptika-Gabe)
Bakterielle MeningitisLumbalpunktion
Tonische epileptische AnfälleEEG
"Stiff Person"-SyndromAnti-GAD-Antikörper im Serum bestimmen

Therapie

Der generalisierte Tetanus erfordert immer die Aufnahme auf eine Intensivstation. Die Therapie beruht auf drei Säulen:

1. Wundsanierung

Die Eintrittspforte muss umgehend und gründlich chirurgisch saniert werden. Avitales Gewebe ist zu entfernen, da es das anaerobe Wachstum der Clostridien fördert.

2. Toxinneutralisierung und Immunisierung

  • Humanes Tetanus-Immunglobulin (hTIG): Einmalgabe von 500–10.000 IU i.m. zur Neutralisierung des ungebundenen Toxins. Zusätzlich sollten 200–1.000 IU zirkulär in die Wundränder injiziert werden.
  • Aktive Immunisierung: Simultan erfolgt die Gabe von Tetanus-Toxoid (TTX-Td) i.m. in eine andere Extremität, da eine durchgemachte Erkrankung keine Immunität hinterlässt.

3. Supportive und medikamentöse Therapie

IndikationWirkstoffBemerkung / Dosierung
AntibiotikatherapieMetronidazol500 mg i.v. alle 6h für 7–10 Tage zur Eradikation von C. tetani
SpasmolyseDiazepam / MidazolamSehr hohe Dosen oft erforderlich (Diazepam bis 500 mg/d)
Spasmolyse (Eskalation)Baclofen intrathekalÜber lumbalen Katheter, bei unzureichender i.v.-Therapie
Autonome DysfunktionDexmedetomidin0,2–1,4 µg/kg/h i.v., wirkt sympathikolytisch und sedierend
Autonome DysfunktionMagnesiumsulfat75 mg/kg i.v. Loading Dose, dann 1–3 g/h
Autonome DysfunktionClonidin0,2–0,4 mg/d i.v. als Perfusor

Atemwegsmanagement: Bei generalisiertem Tetanus mit Dysphagie (ab Stadium II) ist eine frühzeitige Tracheotomie zu erwägen, da oft eine mechanische Beatmung von mehr als einer Woche notwendig ist.

💡Praxis-Tipp

Vermeiden Sie Penicillin G zur antibiotischen Therapie bei Tetanus. Es ist ein zentral wirksamer GABA-Antagonist und kann theoretisch die Muskelspasmen verstärken. Bevorzugen Sie stattdessen Metronidazol i.v.

Häufig gestellte Fragen

Metronidazol (500 mg i.v. alle 6 Stunden für 7–10 Tage) ist das Antibiotikum der Wahl zur Eradikation von Clostridium tetani.
Durch die intramuskuläre Einmalgabe von humanem Tetanus-Immunglobulin (hTIG) in einer Dosis von 500 bis 10.000 IU. Zeitgleich muss eine aktive Immunisierung mit Tetanus-Toxoid in eine andere Extremität erfolgen.
Typisch ist eine von kranial absteigende Symptomatik mit Trismus (Kieferklemme), Risus sardonicus (Spasmus der mimischen Muskulatur) und Opisthotonus (Überstreckung der Nacken- und Rückenmuskulatur).
Zur Behandlung der Sympathikushyperaktivität eignen sich Dexmedetomidin i.v., Magnesiumsulfat, Clonidin sowie Labetalol oder Esmolol.

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