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Chronisch mesotympanale Otitis media: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Leitsymptome der CMOM sind Schallleitungsschwerhörigkeit und intermittierende Otorrhoe ohne begleitende Otalgie.
  • Die Diagnose erfordert zwingend eine ohrmikroskopische Untersuchung durch einen HNO-Facharzt zur Darstellung des zentralen Trommelfelldefekts.
  • Tonschwellenaudiometrie und Stimmgabelprüfungen sind obligate diagnostische Basisuntersuchungen.
  • Die Therapie umfasst konservative Maßnahmen (Gehörgangsreinigung, topische Medikamente) und chirurgische Sanierungen (Trommelfellrekonstruktion).
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Hintergrund

Die chronisch mesotympanale Otitis media (CMOM) ist definiert durch einen persistierenden zentralen Trommelfelldefekt als Folge einer chronisch anhaltenden oder wiederkehrenden Entzündung der Mittelohrschleimhaut. Ein "zentraler" Defekt zeichnet sich dadurch aus, dass er die knöcherne Begrenzung des Trommelfells nicht erreicht; der Anulus fibrosus bleibt erhalten. Die Pathogenese ist nicht vollständig geklärt, jedoch gelten Tubenfunktionsstörungen (Mangelbelüftung) als wichtigster Faktor.

Klinik und Leitsymptome

Die Erkrankung präsentiert sich klassischerweise durch eine spezifische Symptomkonstellation. Ohrenschmerzen (Otalgie) sind untypisch und deuten auf andere Pathologien hin.

SymptomAusprägung / Bemerkung
SchwerhörigkeitSchallleitungsschwerhörigkeit (Ausmaß abhängig von Defektgröße und Ossikelstatus)
SekretionHäufig intermittierende Otorrhoe (wässrig-schleimig oder eitrig)
OtalgieNicht vorhanden (Schmerzfreiheit ist typisch)

Empfehlung: Bei persistierender oder intermittierender Otorrhoe mit Schwerhörigkeit ohne Otalgie soll eine HNO-fachärztliche Untersuchung erfolgen.

Diagnostik

Die Diagnose der CMOM soll durch einen HNO-Facharzt oder Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie mittels binokularmikroskopischer Untersuchung gestellt werden. Nicht-HNO-Ärzte sollen Patienten bei otoskopischem Verdacht oder eingeschränkter Beurteilbarkeit zwingend überweisen.

Obligate Diagnostik

  • Ohrmikroskopie: Zur Darstellung des zentralen Trommelfelldefekts in der Pars tensa.
  • Stimmgabelprüfung: Weber lateralisiert ins erkrankte Ohr, Rinne ist negativ (Mittelohrschwerhörigkeit).
  • Tonschwellenaudiometrie: Zeigt eine Schallleitungsschwerhörigkeit (bei intakter Gehörknöchelchenkette meist 15-20 dB).

Fakultative Diagnostik

UntersuchungIndikation / Bemerkung
Valsalva-TestNur ein positiver Test ist verwertbar (Durchblasegeräusch).
CT / DVTBei mangelhafter Beurteilbarkeit oder Verdacht auf Komplikationen (z.B. Labyrinthitis).
MikrobiologieBei Otorrhoe, die sich durch lokale Maßnahmen nicht bessert (für Antibiogramm).
SchmeckprüfungVor operativer Therapie zur forensischen Absicherung (Gefährdung der Chorda tympani).

Differenzialdiagnosen

Zur Abgrenzung der CMOM müssen unter anderem folgende Erkrankungen bedacht werden:

  • Chronische epitympanale Otitis media (Cholesteatom)
  • Adhäsivprozess des Mittelohres
  • Traumatische Trommelfellperforation
  • Otitis externa chronica oder necroticans

Therapie

Konservative Therapie

Die konservative Therapie zielt auf ein trockenes Ohr ab, hat aber keinen sicheren Effekt auf die Heilung der Schleimhautverhältnisse oder den Trommelfellverschluss.

  • Lokale Maßnahmen: Gehörgangsreinigung (mikroskopisch) und topische Medikamentenapplikation.
  • Systemische Maßnahmen: Antibiose und Kortikoidgaben (Ototoxizität beachten!).
  • Verhalten: Das Ohr ist konsequent trocken zu halten.
  • Hörrehabilitation: Apparative Hörsysteme (oft schwierig durch Sekretion, alternativ Knochenleitungs-Hörsysteme).

Operative Therapie

Bei Versagen der konservativen Therapie, persistierender Otorrhoe, persistierendem Defekt oder Schwerhörigkeit ist eine chirurgische Sanierung indiziert. Ziel ist die Wiederherstellung der Mittelohrfunktion und die Vermeidung von Komplikationen.

OperationsschrittDetails / Materialien
ZugangEndaural, retroaurikulär oder transmeatal (mikroskopisch oder endoskopisch).
TrommelfellrekonstruktionMeist Underlay-Technik. Autologes Material: Faszie (M. temporalis), Perichondrium, Knorpel. Erfolgsquote >90%.
GehörknöchelchenersatzBei destruierter Kette. Autogene Ossikel oder alloplastische Prothesen (Titan, Nitinol, Hydroxylapatit) als PORP oder TORP.

Nachbehandlung: In der Frühphase erfolgen Wundkontrollen, Prüfung der Fazialisfunktion, Ausschluss von Nystagmus und die Weber-Prüfung. Die Gehörgangstamponade wird in der Regel nach bis zu drei Wochen entfernt. Atmosphärische Druckschwankungen (Flugreisen) sollten frühpostoperativ vermieden werden.

💡Praxis-Tipp

Überweisen Sie Patienten mit schmerzloser Otorrhoe und Schwerhörigkeit immer an einen HNO-Arzt. Die exakte Diagnose und Abgrenzung zum gefährlicheren Cholesteatom erfordert zwingend eine ohrmikroskopische Untersuchung.

Häufig gestellte Fragen

Bei der CMOM liegt ein zentraler Trommelfelldefekt vor, der die knöcherne Begrenzung nicht erreicht (Anulus fibrosus intakt). Das Cholesteatom (chronische epitympanale Otitis media) zeigt typischerweise randständige Defekte.
Nein, Ohrenschmerzen (Otalgie) sind untypisch für die CMOM. Treten Schmerzen auf, deutet dies auf andere Erkrankungen oder Komplikationen hin.
Typisch ist eine Schallleitungsschwerhörigkeit. Bei einem Trommelfelldefekt mit intakter Gehörknöchelchenkette liegt der Hörverlust meist bei 15-20 dB.
Eine chirurgische Therapie ist indiziert bei Versagen der konservativen Therapie, persistierender Otorrhoe, anhaltendem Trommelfelldefekt und/oder bestehender Mittelohrschwerhörigkeit.

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