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Cochlea-Implantat Versorgung: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die audiologische CI-Indikation bei postlingual Ertaubten besteht bei einem Einsilberverstehen von ≤ 60 % (bei 65 dB SPL) mit Hörgerät.
  • Bei Säuglingen mit gesicherter beidseitiger Taubheit sollte die CI-Versorgung bereits im ersten Lebensjahr erfolgen.
  • Auch bei einseitiger Taubheit (SSD) oder asymmetrischem Hörverlust (AHL) wird eine CI-Versorgung empfohlen.
  • Als präoperative Antibiotikaprophylaxe ist die einmalige Gabe eines liquorgängigen Antibiotikums obligatorisch.
  • Die Basistherapie (Erstanpassung) beginnt zwischen dem 1. postoperativen Tag und 6 Wochen nach der Operation.
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Hintergrund

Das Cochlea-Implantat (CI) ermöglicht durch elektrische Reizung des Hörnervs eine Hörempfindung bei hochgradiger Schallempfindungsschwerhörigkeit oder Taubheit. Ziel der Versorgung ist bei Erwachsenen die Wiederherstellung des Gehörs und bei Kindern das Anstoßen der Hörentwicklung für den Lautspracherwerb, wenn konventionelle Hörsysteme nicht mehr ausreichen.

Präoperative Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt interdisziplinär und unterscheidet sich je nach Alter des Patienten.

BereichErwachseneKinder
AudiometrieTon- und Sprachaudiometrie (Freiburger Einsilber), Sprachaudiometrie im Störgeräusch (z.B. HSM, Oldenburger)Reflex-, Reaktions- oder Spielaudiometrie, altersgerechte Sprachaudiometrie
Objektive TestsImpedanzaudiometrie, OAE, BERA, ggf. PromontoriumstestImpedanzaudiometrie, OAE, frequenzspezifische BERA, ECochG
BildgebungHochauflösendes Felsenbein-CT/DVT und MRT (< 1 mm Schichtdicke)Felsenbein-CT/DVT und MRT (in der Regel in Sedierung/Narkose)
ZusatzdiagnostikEvaluation der Lebensqualität, GleichgewichtsdiagnostikSprachentwicklungsdiagnostik (z.B. LittlEARS, SETK), psychomotorischer Status

Indikationen zur CI-Versorgung

Die Indikation wird für jedes Ohr getrennt ermittelt. Eine funktionstüchtige Hörbahn wird vorausgesetzt.

  • Postlingual ertaubte Patienten (Erwachsene/Kinder): Die audiologische Indikation ist erfüllt, wenn das monaurale Einsilberverstehen im freien Schallfeld bei 65 dB SPL mit Hörgerät ≤ 60 % beträgt (starker Konsens). Eine Versorgung ist auch nach langjähriger Ertaubung möglich.
  • Prälingual taube Erwachsene: Eine CI-Versorgung kann indiziert sein (starker Konsens).
  • Kinder (prä-/perilingual taub): Ab einem Hörverlust von > 70 dB HL soll die CI-Voraussetzung geprüft werden. Bei beidseitiger Indikation soll eine bilaterale Implantation erfolgen. Bei Säuglingen mit gesicherter beidseitiger Taubheit sollte die Versorgung im ersten Lebensjahr erfolgen (starker Konsens).
  • Einseitige Taubheit (SSD) / Asymmetrischer Hörverlust (AHL): Eine CI-Versorgung sollte empfohlen werden. Bei SSD mit Tinnitus kann sie zur Tinnitussuppression empfohlen werden (Konsens).

Kontraindikationen

ArtKriterien
AbsolutFehlende Cochlea oder fehlender Hörnerv, fehlende Fähigkeit/Möglichkeit zur Teilnahme an Rehabilitation und Nachsorge
RelativMittelohrinfektionen (nach Sanierung Implantation möglich), schwere Begleiterkrankungen, fehlender Nachweis des Hörnervs in der Bildgebung

Hinweis: Bei Erwachsenen gibt es keine altersbezogenen Grenzen für eine CI-Versorgung.

Perioperatives Management

Die Implantation erfolgt stationär in spezialisierten HNO-Hauptabteilungen.

  • Antibiotikaprophylaxe: Es soll mindestens die einmalige Gabe eines liquorgängigen Antibiotikums vor der Operation (z.B. 30-60 Min. vorher) erfolgen (starker Konsens).
  • Steroidtherapie: Eine prä-, intra- und postoperative systemische oder intratympanale Steroidtherapie kann erwogen werden (starker Konsens), um den Hörerhalt zu fördern.

Basis- und Folgetherapie (Rehabilitation)

Die postoperative Phase ist entscheidend für den Hörerfolg und gliedert sich in zwei Hauptphasen:

PhaseZeitraumKerninhalte
Basistherapie (Erstanpassung)1. postoperativer Tag bis 6 Wochen post-opWundkontrolle, Ersteinstellung des CI-Prozessors, initiale Hör-Sprach-Therapie, technische Einweisung
Folgetherapie (Rehabilitation)Erwachsene: ca. 40 Tage über 6-24 Monate. Kinder: bis zum 18. Lebensjahr (min. 60 Tage)Schrittweise Optimierung der Prozessoreinstellung, intensive Hör-Sprach-Therapie, audiometrische Kontrollen

Die lebenslange Nachsorge sichert im Anschluss die Funktion des Systems und die soziale Teilhabe.

💡Praxis-Tipp

Prüfen Sie bei postlingual ertaubten Patienten stets das Einsilberverstehen: Liegt dieses mit optimal angepasstem Hörgerät bei 65 dB SPL bei ≤ 60 %, besteht eine audiologische CI-Indikation – unabhängig von der Dauer der Ertaubung.

Häufig gestellte Fragen

Die audiologische Indikation ist erfüllt, wenn das monaurale Einsilberverstehen im freien Schallfeld bei 65 dB SPL mit Hörgerät bei ≤ 60 % liegt.
Bei gesicherter beidseitiger Taubheit sollte die CI-Versorgung bereits im ersten Lebensjahr (ab dem 6. Lebensmonat) erfolgen.
Ja, die Leitlinie empfiehlt die CI-Versorgung bei einseitiger Taubheit (SSD) oder asymmetrischem Hörverlust, auch zur Tinnitussuppression.
Es soll mindestens eine einmalige präoperative Gabe eines liquorgängigen Antibiotikums (z.B. 30-60 Minuten vor OP-Beginn) erfolgen.
Nein, es gibt keine altersbezogenen Grenzen, solange die Bedingungen für eine erfolgreiche Teilnahme an der Rehabilitation und Nachsorge gegeben sind.

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