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Seromukotympanum (Paukenerguss): S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei Kindern ohne Risikofaktoren wird zunächst ein konservatives Abwarten von 3 Monaten empfohlen.
  • Systemische Steroide, Antibiotika und Antihistaminika sollen nicht zur primären Behandlung eingesetzt werden.
  • Bei persistierendem Erguss (> 3 Monate) mit Hörproblemen ist eine Parazentese mit oder ohne Paukenröhrcheneinlage indiziert.
  • Bei Erwachsenen mit einseitigem, persistierendem Paukenerguss muss zwingend ein Nasenrachen-Tumor ausgeschlossen werden.
  • Bei liegenden Paukenröhrchen ist ein genereller Wasserschutz (Ohrstöpsel) beim Schwimmen nicht erforderlich.
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Hintergrund

Das Seromukotympanum (Paukenerguss) ist definiert als nicht-eitrige Flüssigkeit im Mittelohr hinter einem intakten, reizlosen Trommelfell. Es ist eine der häufigsten Erkrankungen im Kindesalter (Prävalenz im 2. Lebensjahr ca. 20 %). Eine anhaltende Tubenfunktionsstörung führt zu einem Unterdruck und einer Schleimhautmetaplasie. Die Folge ist eine Schallleitungsschwerhörigkeit (durchschnittlich 20-30 dB), die bei längerer Persistenz zu Sprachentwicklungsstörungen führen kann.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für eine Tubenbelüftungsstörung sind vielfältig.

Altersgruppe / PatientengruppeHäufige Ursachen & Risikofaktoren
KinderAdenoide Vegetationen, rezidivierende Infekte, kurze/unreife Tube, Passivrauchen, Kita-Besuch
ErwachseneChronische Sinusitis, Septumdeviation, Allergien, Nasenrachenkarzinom (Ausschlussdiagnostik!)
Spezielle RisikogruppenLippen-Kiefer-Gaumenspalten, Down-Syndrom (Prävalenz 60-85 %), Zilienfunktionsstörungen

Diagnostik

Die Diagnostik stützt sich auf Anamnese, Klinik und apparative Untersuchungen:

  • Otoskopie/Mikroskopie: Retrahiertes Trommelfell, gelblich/klare Flüssigkeit, teils Luftbläschen.
  • Tympanometrie: Wichtigste Funktionsuntersuchung bei unklarem Befund.
  • Audiometrie: Tonaudiogramm (meist ab dem 4. Lebensjahr möglich).
Tympanogramm-TypBefundWahrscheinlichkeit für Paukenerguss
Typ BFlache Kurve85-100 %
Typ CNach links verschoben (-100 bis -199 mm H2O)ca. 17 %
Typ C (stark)Nach links verschoben (< -200 mm H2O)bis zu 55 %

Kernaussage: Beim Erwachsenen mit persistierendem Paukenerguss ohne erkennbare Ursache soll zwingend eine weiterführende Diagnostik des Nasenrachens zum Ausschluss eines Tumors erfolgen.

Konservative Therapie

Aufgrund der hohen Spontanheilungsrate steht zunächst das Abwarten im Vordergrund.

  • Watchful Waiting: Bei Kindern ohne Risikofaktoren sollte zunächst ca. 3 Monate abgewartet werden.
  • Tubenbelüftung: Valsalva-Manöver oder nasales Aufblasen eines Luftballons können unterstützend wirken.
  • Medikamente: Systemische Steroide, Antibiotika oder Antihistaminika sollen nicht zur Behandlung eines isolierten Paukenergusses verwendet werden. Topische Steroide sind nur bei begleitender allergischer Rhinitis sinnvoll.

Operative Therapie

Persistiert der Erguss über 3 Monate und bestehen Hörprobleme, ist eine operative Intervention indiziert. Bei Risikokindern (z. B. Spaltbildungen, Down-Syndrom, bestehende Sprachentwicklungsstörung) erfolgt die Indikation großzügiger und frühzeitiger.

Stufe / AlterEmpfohlene TherapieBemerkung
Kinder < 4 JahreParazentese + PaukenröhrchenAdenotomie nur bei spezifischen Beschwerden (z. B. Nasenatmungsbehinderung)
Kinder > 4 JahreAdenotomie + Parazentese (+ Paukenröhrchen)Kombination zeigt bessere Langzeitergebnisse bei adenoider Hyperplasie
ErwachseneParazentese / PaukenröhrchenGgf. Ballondilatation der Tuba Eustachii (Evidenz noch im Aufbau)

Bei hochviskösem Sekret oder Rezidiven ist die Einlage eines Paukenröhrchens der alleinigen Parazentese vorzuziehen.

Postoperative Betreuung und Komplikationen

  • Wasserschutz: Bei liegenden Paukenröhrchen kann beim normalen Schwimmen, Baden oder Duschen im Allgemeinen auf Ohrstöpsel verzichtet werden. Tauchen ist jedoch zu vermeiden.
  • Otorrhoe: Tritt eine unkomplizierte Otorrhoe auf, werden primär antibiotische Ohrentropfen (z. B. Ciprofloxacin) empfohlen.
  • Kontraindikation: Aminoglykosid-haltige Ohrentropfen sollen wegen potenzieller Ototoxizität bei liegendem Röhrchen nicht eingesetzt werden.

💡Praxis-Tipp

Verschreiben Sie bei einem unkomplizierten Paukenerguss keine Antibiotika oder systemischen Steroide. Denken Sie bei Erwachsenen mit neu aufgetretenem, persistierendem Paukenerguss immer an ein Nasenrachenkarzinom und schließen Sie dieses endoskopisch aus.

Häufig gestellte Fragen

Bei Kindern ohne Risikofaktoren (wie Fehlbildungen oder Sprachentwicklungsstörungen) sollte zunächst 3 Monate abgewartet werden, da die Spontanheilungsrate hoch ist.
Nein. Systemische Steroide, Antibiotika oder Antihistaminika sollen laut Leitlinie bei Kindern ohne zusätzliche Begleitsymptome nicht verwendet werden.
Ja. Beim normalen Schwimmen, Baden oder Duschen kann im Allgemeinen auf einen Gehörgangsschutz (Ohrstöpsel) verzichtet werden. Tauchen und Wasserspringen sollten jedoch vermieden werden.
Empfohlen werden Chinolon-haltige Ohrentropfen (z. B. Ciprofloxacin). Aminoglykosid-haltige Tropfen dürfen wegen ihrer Ototoxizität nicht eingesetzt werden.
Bei Kindern unter 4 Jahren wird sie nur bei entsprechenden Beschwerden (z. B. Nasenatmungsbehinderung) empfohlen. Bei älteren Kindern (> 4 Jahre) ist die Kombination aus Adenotomie und Parazentese/Paukenröhrchen den Einzeleingriffen überlegen.

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