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Sinus pilonidalis: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Asymptomatische Befunde bedürfen keiner prophylaktischen Therapie.
  • Beim akuten Abszess erfolgt primär die Entdeckelung, die definitive Versorgung sekundär im entzündungsfreien Intervall.
  • Die Exzision mit primärem medianem Wundverschluss (Mittelliniennaht) ist obsolet und soll nicht mehr durchgeführt werden.
  • Plastische, asymmetrische Verfahren (Limberg, Karydakis) sind der offenen Wundbehandlung überlegen.
  • Eine perioperative Single-Shot-Antibiotikaprophylaxe wird nicht empfohlen.
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Hintergrund

Der Sinus pilonidalis (Steißbeinfistel) ist eine erworbene Erkrankung, bei der scharfe, steife Haarfragmente in das subkutane Fettgewebe der Rima ani (Gesäßspalte) eindringen. Dies führt zu einer Fremdkörperreaktion und chronischen oder akuten Entzündungen. Die Erkrankung tritt vorwiegend bei Männern unterhalb des 40. Lebensjahres auf.

Klinische Einteilung und Primärstrategie

Die Leitlinie unterscheidet drei klinische Erscheinungsformen, aus denen sich die grundsätzliche Therapie ableitet:

StadiumKlinikTherapieempfehlung
AsymptomatischBlande Pori (Pits) ohne ExsudationKeine Therapie (keine prophylaktische Behandlung)
Akuter AbszessSchwellung, Schmerz, RötungZweizeitiges Vorgehen: Primäre Inzision/Entdeckelung zur Drainage. Definitive Versorgung erst nach Abklingen der Entzündung.
ChronischIntermittierende serös-eitrige SekretionElektive Operation (minimal-invasiv oder plastisch)

Operationsverfahren im Vergleich

Die Wahl des Operationsverfahrens beim chronischen Sinus pilonidalis hängt vom Befund ab. Die traditionelle Exzision mit primärer Mittelliniennaht ist aufgrund hoher Komplikationsraten obsolet.

VerfahrenPrinzipBewertung / Empfehlung
Pit-PickingMinimal-invasive Exzision der Pori (Pits)Empfehlungsgrad B: Bei lokal limitierten Befunden in Erwägung ziehen.
SinusektomieMinimal-invasive Exkoriation der FistelgängeEmpfehlungsgrad 0: Kann in Erwägung gezogen werden.
Offene WundbehandlungKomplette Exzision, sekundäre WundheilungEinfach durchführbar, aber Nachteile bei Heilungsdauer und Arbeitsunfähigkeit im Vergleich zu plastischen Verfahren.
MittelliniennahtExzision und primärer medianer VerschlussEmpfehlungsgrad B: Soll wegen erhöhter Rezidiv- und Dehiszenzrate nicht durchgeführt werden.
Karydakis-PlastikAsymmetrische Exzision und LappenplastikEmpfehlungsgrad B: Als plastisches Verfahren in Erwägung ziehen.
Limberg-PlastikRautenexzision und subkutaner LappenEmpfehlungsgrad B: Modifizierte Version (ohne tiefe Kreuzung der Mittellinie) in Erwägung ziehen.
Cleft-liftModifikation nach Bascom (dünner Lappen)Empfehlungsgrad 0: Kann erwogen werden, aber schwer erlernbar.

Weitere Therapieverfahren

  • Phenol-Instillation: In Deutschland wegen Toxizität nicht zugelassen (Starker Konsens).
  • Laserbasierte Verfahren / Endoskopie (EPSiT): Mangels Evidenz derzeit keine Empfehlung.
  • Fibrin-Instillation / Stammzellen: Mangels Evidenz keine Empfehlung.

Perioperatives Management

  • Antibiotikaprophylaxe: Es soll keine perioperative Single-Shot-Antibiotikaprophylaxe erfolgen (Empfehlungsgrad A).
  • Lokale Antibiotika: Die intraoperative lokale Applikation (z.B. Gentamycin) kann bei adipösen Patienten oder Lappenplastiken Wundinfekte reduzieren, eine generelle Empfehlung besteht aber nicht (Empfehlungsgrad 0).
  • Anästhesie: Minimal-invasive Verfahren können meist in Lokalanästhesie erfolgen. Größere Exzisionen und plastische Verfahren erfolgen in Allgemein- oder Regionalanästhesie (beide gleichwertig).

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei der operativen Versorgung eines Sinus pilonidalis auf die primäre Mittelliniennaht, da diese mit hohen Rezidiv- und Dehiszenzraten einhergeht. Bevorzugen Sie stattdessen asymmetrische plastische Verfahren (z.B. Karydakis, modifizierte Limberg-Plastik) oder bei kleinen Befunden das Pit-Picking.

Häufig gestellte Fragen

Nein, ein blander Sinus pilonidalis ohne Exsudation bedarf keiner prophylaktischen Therapie.
Primär erfolgt die Abszessentdeckelung zur Drainage. Die definitive plastische oder minimal-invasive Versorgung sollte erst nach Abklingen der akuten Entzündung erfolgen.
Nein. Die Exzision mit primärem Verschluss in der Mittellinie geht mit deutlich schlechteren Ergebnissen (Rezidive, Wunddehiszenzen) einher und sollte nicht mehr durchgeführt werden.
Laut Leitlinie soll keine perioperative Single-Shot-Antibiotikaprophylaxe erfolgen (Empfehlungsgrad A).

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