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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Schlafmedizin in der Kardiologie: DGK-Leitlinie 2021

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Klassische Fragebögen (z. B. Epworth) sind zum Ausschluss einer SBAS bei kardiologischen Patienten nicht validiert und werden nicht empfohlen.
  • Die ambulante Polygraphie (PG) ist die diagnostische Standarduntersuchung in der Kardiologie.
  • Bei symptomatischer HFrEF (LVEF ≤45 %) mit prädominanter zentraler Schlafapnoe (ZSA) ist die adaptive Servoventilation (ASV) aufgrund erhöhter Mortalität kontraindiziert.
  • CPAP ist die Standardtherapie der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) und senkt bei arterieller Hypertonie signifikant den Blutdruck.
  • Bei Vorhofflimmern mindert eine unbehandelte SBAS die Erfolgsraten von medikamentöser Therapie, Kardioversion und Ablation.
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Hintergrund

Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS) weisen bei kardiologischen Patienten eine hohe Prävalenz auf und wirken sich negativ auf das kardiovaskuläre System aus. Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Subtypen:

  • Obstruktive Schlafapnoe (OSA): Gekennzeichnet durch inspiratorische Flusslimitationen, Schnarchen und paradoxe Atemexkursionen gegen verschlossene Atemwege.
  • Zentrale Schlafapnoe (ZSA): Meist mit Cheyne-Stokes-Atmung (CSR). Es fehlen Atmungsversuche aufgrund eines mangelnden Atemantriebs.

Der Schweregrad wird über den Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) definiert:

SchweregradAHI (Ereignisse/h)
Leichtgradig≥ 5
Mittelgradig≥ 15
Schwergradig≥ 30

Diagnostik

Die schlafmedizinische Anamnese mittels klassischer Fragebögen (z. B. Epworth Sleepiness Scale, Berlin Questionnaire) ist für kardiologische Patienten nicht validiert. Sie wird zum Ausschluss einer SBAS nicht empfohlen (Empfehlungsgrad III, Evidenzgrad B), da kardiologische Symptome die typische Tagesschläfrigkeit oft überlagern.

LevelDiagnostik-VerfahrenStellenwert
IÜberwachte Polysomnographie (PSG) im SchlaflaborGoldstandard, indiziert bei unklaren PG-Befunden
IIPSG in häuslicher UmgebungAlternative zu Level I
IIIAmbulante Polygraphie (PG)Standarduntersuchung in der Kardiologie
IV1- bis 3-Kanal-MesssystemeScreening, für kardiovaskuläre Patienten oft nicht ausreichend evaluiert

Hinweis: Wearables (z. B. Smartwatches) sind derzeit noch nicht für die Diagnostik von SBAS validiert.

SBAS bei kardiovaskulären Erkrankungen

Die Indikation zur Polygraphie und anschließenden Therapie richtet sich stark nach der vorliegenden kardialen Grunderkrankung:

ErkrankungDiagnostik (Polygraphie)Therapie-Empfehlung
Arterielle HypertonieBei typischen Symptomen, Non-Dipping oder therapierefraktärem Blutdruck (I, B)CPAP bei symptomatischer OSA (I, A) oder schwerer asymptomatischer OSA (IIa, B)
Pulmonale Hypertonie (PH)Bei stabiler PH und OSA-Symptomen (I, B)CPAP/NIV bei OSA/OHS (IIa, B)
Koronare HerzkrankheitBei typischen OSA-Symptomen (IIa, B)CPAP im Rahmen des Risikomanagements erwägen (IIb, B)
SchlaganfallBei typischen Symptomen, Non-Dipping oder therapierefraktärer Hypertonie (I, B)CPAP bei symptomatischer OSA (I, A)
VorhofflimmernAls Teil des Risikofaktorenmanagements (I, B)CPAP bei OSA zur Reduktion von Rezidiven/Symptomen erwägen (IIb, C)
HFrEF (LVEF ≤45%)Bei symptomatischer HFrEF erwägen (IIa, B)CPAP bei OSA erwägen (IIa, B). ASV bei prädominanter ZSA kontraindiziert (III, B)
HFpEFBei symptomatischer HFpEF erwägen (IIa, C)CPAP bei OSA (IIa, C) oder ASV bei ZSA (IIb, C) erwägen

Therapieoptionen

Die Wahl der Therapie hängt vom SBAS-Typ und den Komorbiditäten ab. Eine rein medikamentöse Therapie der ZSA wird nicht empfohlen (III, C).

TherapieformIndikationEmpfehlungsgrad
CPAP-TherapieStandardtherapie der symptomatischen OSAI, A
Adaptive Servoventilation (ASV)Normo-/hypokapnische ZSA (ohne HFrEF)I, A
UnterkieferprotrusionsschienenLeichtgradige, symptomatische OSA (Alternative zu CPAP)IIa, A
GewichtsreduktionErgänzend zur OSA-BehandlungIIa, B
Phrenicus-Stimulation (unilateral)Behandlung der ZSAIIa, B
Hypoglossus-Stimulation (unilateral)Behandlung der OSAIIa, B
Kardiale Resynchronisation (CRT)Behandlung der ZSA bei HerzinsuffizienzIIa, B

Wichtiger Warnhinweis: Die ASV-Therapie darf bei Patienten mit symptomatischer HFrEF (LVEF ≤45 %) und prädominanter ZSA aufgrund einer nachgewiesenen erhöhten kardiovaskulären und Gesamtmortalität nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad III, Evidenzgrad B).

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei kardiologischen Patienten auf klassische Schlafapnoe-Fragebögen zum Ausschluss einer SBAS. Setzen Sie bei entsprechendem Risikoprofil (z. B. therapierefraktäre Hypertonie, Vorhofflimmern) großzügig die ambulante Polygraphie (PG) ein.

Häufig gestellte Fragen

Symptome der Herzinsuffizienz (wie Fatigue) überlagern oft typische OSA-Symptome wie Tagesschläfrigkeit. Daher sind Fragebögen wie die Epworth Sleepiness Scale hier nicht validiert und werden zum Ausschluss nicht empfohlen.
Bei Patienten mit symptomatischer HFrEF (LVEF ≤45 %) und prädominanter zentraler Schlafapnoe (ZSA) darf keine ASV-Therapie erfolgen, da dies in Studien (SERVE-HF) mit einer erhöhten Mortalität assoziiert war.
Eine unbehandelte SBAS mindert die Wahrscheinlichkeit eines medikamentösen Therapieerfolgs und erhöht die Rezidivrate nach einer elektrischen Kardioversion oder Katheterablation deutlich.
Eine schwergradige schlafbezogene Atmungsstörung liegt bei einem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) von ≥ 30 Ereignissen pro Stunde vor.

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