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Fraktursonografie: S2e-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Fraktursonografie kann bei bestimmten Indikationen das Röntgen ersetzen und die Strahlenbelastung reduzieren (ALARA-Prinzip).
  • Bei distalen Unterarmfrakturen (Kinder <12 Jahre) ist Ultraschall die Standarddiagnostik; Röntgen erfolgt nur bei geplanter OP.
  • Am Ellenbogen (Kinder <12 Jahre) dient Ultraschall als First-Line-Diagnostik zum Nachweis eines Gelenkergusses (Fettpolsterzeichen).
  • Erwachsene mit Verdacht auf Rippenfrakturen sollen primär sonografisch untersucht werden.
  • Voraussetzungen sind ein hochauflösender Linearschallkopf, spezifisches Training und eine standardisierte Dokumentation.
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Hintergrund

Die Fraktursonografie hat sich in den letzten 20 Jahren substanziell entwickelt und dient der Frakturdiagnostik, der Kontrolle der Frakturheilung sowie der Beurteilung von Bandinstabilitäten. Besonders im Wachstumsalter ist es ein zentrales Ziel, die Strahlenbelastung nach dem ALARA-Prinzip ("as low as reasonably achievable") zu reduzieren. Die Ultraschallbildgebung stellt stets nur die kortikale Knochenoberfläche dar. Intraossäre Prozesse oder pathologische Frakturen können sonografisch nicht sicher nachgewiesen werden.

Voraussetzungen für die Fraktursonografie

Um eine hohe diagnostische Güte zu erreichen und das Röntgen sicher ersetzen zu können, müssen laut Leitlinie folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Verfügbarkeit von Ultraschallgeräten mindestens mittlerer Qualität mit hochauflösendem Linearschallkopf
  • Absolvieren eines spezifischen Trainings (z.B. Kurs der DEGUM oder Hospitation)
  • Standardisierte Dokumentation (Nachprüfbarkeit der Einstellungen)
  • Untersuchung von Röhrenknochen aus mindestens 3, idealerweise 4 Richtungen

Pädiatrische Frakturen (Wachstumsalter)

Die Sonografie spielt besonders bei Kindern eine überragende Rolle. Bei polytraumatisierten oder instabilen Patienten darf die Sonografie jedoch nicht zu einer Zeitverzögerung der primären Schnittbilddiagnostik führen.

RegionAltersgruppeEmpfehlung / VorgehenEmpfehlungsgrad
Schädelkalotte< 18 JahreStandarddiagnostik bei fehlenden neurologischen Symptomen. Bei V.a. Kindesmisshandlung: Röntgen!A (bzw. EK bei Misshandlung)
KlavikulaKindesalterSonografische Diagnostik empfohlen, wenn Bildgebung für notwendig erachtet wird.B
Proximaler Humerus< 12 JahreErstdiagnostik. Bei Frakturnachweis: Röntgen zum Ausschluss pathologischer Fraktur. Bei unauffälligem US: Abwarten, Röntgen erst nach 5 Tagen bei persistierenden Beschwerden.B (Nachweis) / A (Röntgen)
Ellenbogen< 12 JahreFirst-Line-Diagnostik zum qualitativen Nachweis eines Gelenkergusses (Fettpolsterzeichen). Bei Erguss: Röntgen obligat.A
Distaler Unterarm< 12 JahreStandarddiagnostik. Röntgenkontrolle nur bei geplanter operativer Therapie notwendig.A

Hand und Handgelenk

IndikationVorgehen laut LeitlinieEmpfehlungsgrad
SkaphoidfrakturBei unauffälligem Röntgen als Screening-Methode. Positiver US -> CT. Negativer US -> MRT.B
Triquetrale Flake-FrakturSonografie zum Ausschluss vor weiterführender Diagnostik (CT/MRT) bei dorsoulnaren Schmerzen.EK
Subkapitale Fraktur 5. StrahlPrimäres Diagnostikum zur korrekten Bestimmung des palmaren Dislokationswinkels nach radiologischer Verifizierung.A
Palmare PlattePrimäre sonografische Untersuchung bei V.a. knöchernen Ausriss, da Röntgen dies nicht immer sicher ausschließt.B

Thorax (Erwachsene)

RegionVorgehen laut LeitlinieEmpfehlungsgrad
RippenfrakturUltraschall soll vor Röntgen erfolgen. Bei Serienfraktur (ab 3 Rippen) Pneumothorax ausschließen.A
SternumfrakturBei hämodynamisch stabilen Patienten als Bildgebung (z.B. im Rahmen eFAST). Bei Frakturnachweis zwingend weitere Bildgebung.B (Diagnostik) / A (weitere Bildgebung)

💡Praxis-Tipp

Bei Kindern unter 12 Jahren mit Ellenbogentrauma dient der Ultraschall primär der Suche nach einem Gelenkerguss (Fettpolsterzeichen). Findet sich kein Erguss, ist eine Fraktur unwahrscheinlich und eine Röntgenaufnahme kann zunächst entfallen.

Häufig gestellte Fragen

Ja, bei Kindern bis 12 Jahre soll die Sonografie als Standarddiagnostik angewendet werden. Ein Röntgenbild ist nur bei geplanter operativer Therapie notwendig.
Bei Kindern unter 18 Jahren ohne neurologische Symptome soll die Sonografie genutzt werden. Bei Verdacht auf Kindesmisshandlung ist jedoch zwingend ein Röntgenbild anzufertigen.
Bei unauffälligem Röntgenbild sollte der Ultraschall als Screening eingesetzt werden. Bei positivem Befund folgt ein CT zur OP-Planung, bei negativem Befund ein MRT.
Ja, beim Erwachsenen soll die Ultraschalluntersuchung bei Verdacht auf Rippenfrakturen vor dem Röntgen erfolgen, da sie eine höhere Sensitivität aufweist.
Nein, die Ultraschallbildgebung stellt nur die kortikale Knochenoberfläche dar. Bei Verdacht auf eine pathologische Fraktur muss immer eine zusätzliche Bildgebung (Röntgen) erfolgen.

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