ClariMedClariMed

Akute Appendizitis: Leitlinie zur Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die laparoskopische Appendektomie ist der Standard in der operativen Therapie der akuten Appendizitis bei Erwachsenen.
  • Die Sonographie ist das bildgebende Verfahren der ersten Wahl zur Abklärung.
  • Eine unkomplizierte Appendizitis kann primär antibiotisch behandelt werden, die chirurgische Therapie ist jedoch effektiver.
  • Bei Nachweis eines Appendicoliths oder bei freier Perforation ist eine primäre Appendektomie zwingend indiziert.
  • Schwangere sollten wegen der Abortgefahr dringlich (laparoskopisch) appendektomiert werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die akute Appendizitis ist eine der häufigsten Ursachen für ein akutes Abdomen. Der Paradigmenwechsel in der Behandlung sorgt aktuell für intensive Diskussionen, insbesondere bezüglich konservativer Therapiemodelle. Für die Therapieentscheidung ist die prätherapeutische Differenzierung zwischen einer unkomplizierten und komplizierten Appendizitis essenziell.

MerkmalUnkompliziertKompliziert
Inflammation++
Gangrän-+
Phlegmone-+
Abszess-+
Flüssigkeit-+
Perforation-+

Diagnostik und Scoring

Die Diagnostik basiert auf Anamnese, klinischer Untersuchung, Labor (Leukozyten, CRP) und Temperaturmessung. Eine orientierende Urinanalyse sowie ein Schwangerschaftstest bei fruchtbaren Frauen sind obligat.

Zur klinischen Einschätzung können Scores herangezogen werden. Der Alvarado Score und der AIR Score (Appendicitis Inflammatory Response) sind die am besten evaluierten Systeme zur Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer Appendizitis:

ParameterAlvarado ScoreAIR Score
Symptome
Übelkeit / Erbrechen11
Appetitlosigkeit1-
Schmerz rechter Unterbauch21
Schmerzwanderung1-
Klinische Zeichen
Abwehrspannung1leicht: 1, mittel: 2, hoch: 3
Temperatur> 37.5 °C: 1> 38.5 °C: 1
Labor
Leukozyten (x 10^9/l)> 10.0: 210.0-14.9: 1, ≥ 15.0: 2
Polymorphkernige GranulozytenLinksverschiebung: 170-84 %: 1, ≥ 85 %: 2
CRP-10-49 mg/l: 1, > 50 mg/l: 2

Bildgebung

Vor jeder invasiven Behandlung sollte eine Bildgebung erfolgen.

  • Sonographie: Bildgebung der ersten Wahl zur Abklärung.
  • MRT: Bei jungen Patienten und Schwangeren der CT vorzuziehen, um Strahlenbelastung zu vermeiden.
  • CT: Höchste Sensitivität und Spezifität. Ein Low-Dose-CT ist eine gute Alternative mit reduzierter Strahlendosis.

Operative Therapie

Die laparoskopische Appendektomie stellt bei Erwachsenen den Standard dar. Sie bietet Vorteile wie eine geringere Wundinfektionsrate, weniger Schmerzen und einen kürzeren Krankenhausaufenthalt.

Bei einer explorativen Laparoskopie gilt:

  • Bei makroskopisch unauffälliger Appendix und fehlender Differentialdiagnose sollte eine Appendektomie durchgeführt werden.
  • Wird eine andere Diagnose gefunden, die die Symptome erklärt, wird diese behandelt und auf die Appendektomie verzichtet.

Konservative vs. Operative Strategien

Die Wahl der Therapie und der Operationszeitpunkt hängen von der Klassifikation und dem Patientenrisiko ab:

Stufe / BefundTherapie der WahlBemerkung / Zeitpunkt
UnkompliziertLaparoskopische AppendektomieAufschub um 12-24h unter Antibiose möglich.
Unkompliziert (Alter ≥ 65 o. Komorbiditäten)Laparoskopische AppendektomieOperation innerhalb von 12h.
Unkompliziert mit AppendicolithLaparoskopische AppendektomiePrimär operativ (hohes Versagensrisiko bei Antibiose).
Unkompliziert (konservativer Versuch)Antibiotika primärMöglich, aber OP ist effektiver. Bei Versagen: zeitnahe OP.
Kompliziert (freie Perforation)AppendektomieUnverzüglich durchführen.
Kompliziert (Phlegmone)Konservativ oder OPKonservativ nur bei stabilen Patienten ohne Risikofaktoren.
Kompliziert (Abszess)Drainage + AntibiotikaIntervall-Appendektomie nicht routinemäßig, nur bei Symptompersistenz.

Antibiotikatherapie

Eine Antibiotikatherapie soll sofort nach Diagnosesicherung eingeleitet werden.

IndikationSchemaBemerkung
Unkomplizierte AppendizitisPerioperativer Single-ShotPostoperativ nur in begründeten Fällen fortführen.
Komplizierte AppendizitisPerioperative GabePostoperativ fortführen bei Peritonitis, Abszess oder Perforation.

Besondere Patientengruppen

  • Schwangerschaft: Wegen der Abortgefahr soll eine dringliche Appendektomie durchgeführt werden (laparoskopisch sicher möglich).
  • Adipositas: Die laparoskopische Appendektomie zeigt signifikant weniger Wundinfektionen und wird eindeutig empfohlen.
  • Immunsuppression: Häufig atypischer Verlauf. Frühzeitige Bildgebung und frühzeitige Appendektomie sind indiziert.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei unauffälliger Appendix im Rahmen einer explorativen Laparoskopie eine Appendektomie durch, sofern keine andere Ursache für die Beschwerden gefunden wird. Findet sich eine andere Ursache, belassen Sie die Appendix.

Häufig gestellte Fragen

Ja, bei einer unkomplizierten Appendizitis kann primär antibiotisch behandelt werden. Die chirurgische Therapie ist jedoch insgesamt effektiver. Bei Nachweis eines Appendicoliths sollte immer primär operiert werden.
Die Sonographie ist die Bildgebung der ersten Wahl. Bei jungen Patienten und Schwangeren sollte zudem das MRT einem CT vorgezogen werden, um Strahlenbelastung zu vermeiden.
Bei unkomplizierter Appendizitis kann die Operation unter Antibiose um 12-24 Stunden aufgeschoben werden. Bei Patienten über 65 Jahren oder mit Komorbiditäten sollte sie jedoch innerhalb von 12 Stunden erfolgen.
Nein, bei einem Abszess kann primär eine interventionelle Drainagetherapie in Kombination mit Antibiotika erfolgen. Eine Intervall-Appendektomie wird danach nur bei persistierenden Symptomen empfohlen.
Bei unkomplizierter Appendizitis reicht ein perioperativer Single-Shot. Bei komplizierter Appendizitis (Peritonitis, Abszess, Perforation) muss die Antibiose postoperativ fortgeführt werden.

Verwandte Leitlinien