ClariMedClariMed
Infectious Diseases Society of America (IDSA)2024InfektiologieSurgeryGastroenterologie

Intraabdominelle Infektionen: SIS/IDSA Leitlinie 2024

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Infectious Diseases Society of America (IDSA) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Scoring-Systeme wie SOFA, APACHE II und WSES sind valide Prädiktoren für die Mortalität bei Erwachsenen mit intraabdominellen Infektionen.
  • Bei Verdacht auf Appendizitis zeigt die CT bei Erwachsenen die höchste diagnostische Sicherheit, während bei Schwangeren die MRT dem Ultraschall deutlich überlegen ist.
  • Blutkulturen führen bei Erwachsenen in ca. 51,5 % der positiven Fälle zu einer relevanten Therapieanpassung, sind bei Kindern mit Appendizitis jedoch kaum von Nutzen.
  • Intraabdominelle Flüssigkeitskulturen verbessern das Überleben bei komplizierten Infektionen, haben aber bei unkomplizierter Appendizitis keine therapeutische Konsequenz.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die SIS/IDSA-Leitlinie (2024) bewertet die Evidenz diagnostischer Maßnahmen bei intraabdominellen Infektionen. Der Fokus liegt auf der Validität von Scoring-Systemen zur Mortalitätsabschätzung, der Genauigkeit bildgebender Verfahren bei verschiedenen Patientengruppen sowie dem klinischen Nutzen von Blut- und intraabdominellen Flüssigkeitskulturen.

Scoring-Systeme zur Mortalitätsabschätzung

Verschiedene Scoring-Systeme wurden bei Erwachsenen als Prädiktoren für die In-Hospital-Mortalität evaluiert. Alle untersuchten Scores zeigen eine signifikante Assoziation mit der Sterblichkeit:

Scoring-SystemZielpopulationAussagekraft (Mortalität)
APACHE IIErwachseneOR pro Punkt: 1,07
SAPS IIErwachseneOR pro Punkt: 1,06
SOFAErwachseneOR pro Punkt: 1,30
ASAErwachseneOR pro Punkt: 1,76
WSESErwachseneOR pro Punkt: 1,78

Bildgebende Diagnostik

Die Leitlinie vergleicht die Sensitivität und Spezifität verschiedener initialer Bildgebungsmodalitäten im Abgleich mit pathologischen Befunden.

Akute Appendizitis

Die diagnostische Güte variiert stark je nach Patientenpopulation und gewählter Modalität. Besonders beim Ultraschall (US) sinkt die Sensitivität deutlich, wenn unklare (äquivoke) Befunde in die Bewertung einbezogen werden.

PopulationInitiale BildgebungSensitivität (Median)Spezifität (Median)
ErwachseneUltraschall (alle Ergebnisse)0,680,96
CT0,970,94
MRT0,960,97
KinderUltraschall (alle Ergebnisse)0,820,94
CT0,960,96
MRT0,980,97
SchwangereUltraschall (alle Ergebnisse)0,261,00
MRT0,930,96

Weitere intraabdominelle Pathologien (Erwachsene)

VerdachtsdiagnoseInitiale BildgebungSensitivitätSpezifität
Akute CholezystitisUltraschall0,730,83
CT0,730,94
HIDA-Scan0,890,67
Akute DivertikulitisCT0,960,99
MRT0,940,88
Intraabdomineller AbszessCT1,00-
Ultraschall (bei Crohn)0,950,98

Mikrobiologische Diagnostik

Blutkulturen

  • Erwachsene: Bei etwa 23 von 100 Patienten mit abgenommenen Blutkulturen liegt eine echte Bakteriämie vor. In 51,5 % dieser positiven Fälle kommt es zu einer relevanten Änderung der antimikrobiellen Therapie.
  • Kinder (Verdacht auf Appendizitis): Die Ausbeute ist extrem gering. Die Rate an echten positiven Kulturen liegt bei nur 0,34 %, und es wurden keine daraus resultierenden Therapieänderungen dokumentiert.

Intraabdominelle Flüssigkeitskulturen

Der Nutzen von intraabdominellen Abstrichen hängt stark vom Schweregrad der Infektion ab:

  • Komplizierte intraabdominelle Infektion (Erwachsene): Die Abnahme einer Kultur ist mit einem verbesserten Überleben (OR 0,85) und einer häufigeren Therapieeskalation an Tag 5 assoziiert.
  • Komplizierte Appendizitis: Etwa 45 % der Kulturen sind positiv, was jedoch nur in ca. 9,1 % der Fälle zu einer Therapieänderung führt.
  • Unkomplizierte Appendizitis: Obwohl auch hier ca. 45 % der Kulturen positiv ausfallen, resultieren daraus in 0 % der Fälle relevante Therapieänderungen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei unkomplizierter Appendizitis auf intraabdominelle Flüssigkeitsabstriche, da diese laut Evidenz zu keiner relevanten Therapieänderung führen. Bei Schwangeren mit Verdacht auf Appendizitis sollte großzügig eine MRT erwogen werden, da der Ultraschall in der Praxis oft eine sehr geringe Sensitivität (26 %) aufweist.

Häufig gestellte Fragen

Die MRT zeigt eine hohe Sensitivität (93 %) und Spezifität (96 %). Der Ultraschall weist hingegen eine sehr geringe Sensitivität (26 %) auf, wenn unklare Befunde mitberücksichtigt werden.
Nein, die Leitlinie zeigt, dass positive Kulturen bei unkomplizierter Appendizitis zu 0 % zu einer relevanten Therapieänderung führen.
Bei Erwachsenen führen positive Blutkulturen in etwa 51,5 % der Fälle zu einer relevanten Änderung der antimikrobiellen Therapie.
Systeme wie SOFA, APACHE II, SAPS II, ASA und WSES sind alle als valide Prädiktoren für die Mortalität bei Erwachsenen bestätigt worden.

Verwandte Leitlinien