Prävention des Zervixkarzinoms: S3-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Persistierende Infektionen mit High-Risk-HPV (v.a. Typ 16 und 18) sind die Hauptursache für das Zervixkarzinom.
- •Die zytologische Befundung soll nach der Münchner Nomenklatur III erfolgen.
- •Die klassische 3-stufige Einteilung (CIN 1-3) soll beibehalten werden, um Übertherapien bei CIN 2 zu vermeiden.
- •Die p16-Immunhistochemie ist nur zur differentialdiagnostischen Abgrenzung gegenüber reaktiven Veränderungen indiziert.
Hintergrund
Das Zervixkarzinom ist weltweit die dritthäufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Deutschland erkranken jährlich ca. 4.600 Frauen, wobei die Inzidenz ab dem 30. Lebensjahr deutlich ansteigt und in der Altersgruppe der 40- bis 44-Jährigen ihren Höhepunkt erreicht. Nahezu alle invasiven Zervixkarzinome (99,7 %) sind mit einer Infektion durch Humane Papillomviren (HPV) assoziiert.
Virologie und Pathogenese
Eine persistierende Infektion mit High-Risk-HPV (HR-HPV) in der Transformationszone der Zervix ist der notwendige Risikofaktor für die Entwicklung zervikaler intraepithelialer Neoplasien (CIN) und des Zervixkarzinoms.
| HPV-Klassifikation | Häufige Genotypen | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| High-Risk (Klasse 1) | 16, 18, 31, 33, 45, 52, 58 | Verursachen ca. 70 % aller Zervixkarzinome (v.a. 16 und 18) |
| Low-Risk | 6, 11 | Verursachen gutartige Kondylome |
Etwa 80-90 % der HPV-Infektionen heilen innerhalb von zwei Jahren spontan ab. Begünstigende Kofaktoren für eine Karzinogenese sind:
- Rauchen
- Junges Gebäralter
- Einnahme oraler Kontrazeptiva (> 5 Jahre)
- Koinfektionen (z.B. Chlamydien, Herpes-simplex)
- Immunsuppression
Zytologische Nomenklatur
Die bisherige zytologische Klassifikation (München II) soll auf die neue Münchner Nomenklatur III umgestellt werden (Expertenkonsens).
Wichtige Neuerungen umfassen die Neudefinition der Pap II-Gruppe sowie die Aufteilung des Pap IIID-Befundes:
| Befund (München III) | Bedeutung |
|---|---|
| Pap IIID1 | Leichte Dysplasie (CIN 1 / LSIL) |
| Pap IIID2 | Mäßig schwere Dysplasie (CIN 2 / HSIL) |
Zusätze verdeutlichen den Ursprung der Veränderungen (z.B. "p" für Plattenepithel, "g" für glandulär, "e" für Endometrium).
Pathologie und Klassifikation
Obwohl die WHO-Klassifikation (2014) eine zweistufige Einteilung in LSIL (Low-grade) und HSIL (High-grade) vorgibt, spricht die Leitlinie eine klare Empfehlung für den deutschsprachigen Raum aus:
Es soll weiterhin die klassische 3-stufige Einteilung in CIN 1, CIN 2 und CIN 3 verwendet werden. Die 2-stufige Einteilung nach WHO (LSIL/HSIL) soll in Parenthese oder Kommentar hinzugefügt werden (Expertenkonsens).
Gründe für die Beibehaltung der CIN-Klassifikation:
- Nur für CIN 3 ist ein signifikantes Progressionspotential zum invasiven Karzinom belegt.
- CIN 2 verläuft in über 50 % der Fälle spontan regredient.
- Die Subsumierung von CIN 2 unter HSIL verleitet zur Übertherapie (Konisation), was bei jungen Frauen zu einem erhöhten Frühgeburtsrisiko führt.
Diagnostik mit p16
Die p16-Immunhistochemie sollte nur zur differentialdiagnostischen Abgrenzung gegenüber reaktiven und regenerativen zervikalen Veränderungen eingesetzt werden, die eine intraepitheliale Neoplasie vortäuschen (Expertenkonsens).
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei jungen Frauen mit einer CIN 2 auf eine vorschnelle Konisation. Diese Läsionen heilen in über 50 % der Fälle spontan ab, während ein operativer Eingriff das Risiko für spätere Frühgeburten signifikant erhöht.