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Analkarzinom-Screening bei HIV: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein Screening wird für MSM und trans Frauen mit HIV ab 35 Jahren sowie für alle Menschen mit HIV ab 45 Jahren empfohlen.
  • Das Basis-Screening umfasst Inspektion, digital-rektale Untersuchung (DRU) und anale Zytologie.
  • Die hochauflösende Anoskopie (HRA) ist der Goldstandard zur Abklärung auffälliger Befunde.
  • Hochgradige anale Dysplasien (AIN 2 p16-positiv und AIN 3) sollen therapiert werden, um das Karzinomrisiko zu senken.
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Hintergrund

Das Analkarzinom tritt bei Menschen mit HIV überproportional häufig auf und wird in fast 100 % der Fälle durch persistierende Infektionen mit High-Risk Humanen Papillomaviren (HR-HPV), vor allem HPV-16, verursacht. Die Tumorentwicklung verläuft über Vorläuferläsionen, die als anale intraepitheliale Neoplasien (AIN) bezeichnet werden. Ein starker Konsens besteht darüber, dass die Therapie hochgradiger analer Dysplasien die Inzidenz von Analkarzinomen signifikant reduziert.

Screening-Population und Intervalle

Ein regelmäßiges Analkarzinom-Screening wird für spezifische Risikogruppen empfohlen. Das Screening sollte, sofern keine Läsionen vorliegen, zumindest alle 24 Monate erfolgen.

ZielgruppeAlter / KriteriumEmpfehlungsgrad
MSM mit HIVab 35. LebensjahrStarker Konsens
trans Frauen mit HIVab 35. LebensjahrStarker Konsens
Alle Menschen mit HIVab 45. LebensjahrStarker Konsens
Menschen mit HIVCD4-Nadir <200/µlStarker Konsens
Menschen mit HIVHochgradige zervikale/vulväre/penile DysplasienStarker Konsens
Menschen ohne HIV (MSM, trans Frauen)ab 45. LebensjahrStarker Konsens

Diagnostik und Screening-Ablauf

Das Screening basiert auf einem Stufenschema. Ein Analkarzinom-Screening soll eine Inspektion, eine digital-rektale Untersuchung (DRU) und eine anale Zytologie beinhalten.

  • Analzytologie: Abnahme als erste Maßnahme (vor DRU/Gleitmittel). Nicht durchführen bei rezeptivem Analverkehr oder Spülung in den letzten 24h.
  • Digital-rektale Untersuchung (DRU): Soll immer zu Beginn einer hochauflösenden Anoskopie erfolgen, um Läsionen zu tasten und den Sphinkter zu dehnen.
  • Hochauflösende Anoskopie (HRA): Ist der Goldstandard zur Diagnose analer Dysplasien. Indiziert bei auffälligem Tastbefund oder Zytologie-Ergebnissen ab ASC-US.

Klassifikation analer Dysplasien

Die Beurteilung erfolgt zytologisch (Bethesda) und histopathologisch (AIN).

Zytologie (Bethesda)Histopathologiep16-FärbungDysplasiegrad
NILMNormalNegativKeine
LSILAIN 1NegativNiedriggradig (LGAIN)
LSILAIN 2NegativNiedriggradig (LGAIN)
HSILAIN 2Positiv ("en bloc")Hochgradig (HGAIN)
HSILAIN 3PositivHochgradig (HGAIN)

Therapie hochgradiger Dysplasien

Hochgradige anale Dysplasien (p16-positive AIN 2 und AIN 3) sollen therapiert werden, um das Karzinomrisiko zu senken. Niedriggradige Dysplasien erfordern nicht zwingend eine Therapie zur Karzinomprävention.

TherapieverfahrenAnwendungVorteileNachteile
ElektrokaustikIntra- und perianalGünstig, hohe Verfügbarkeit, effektivRauchentwicklung, Lokalanästhesie nötig
Trichloressigsäure (85%)Intra- und perianalKein Rauch, wenig Schmerz, kein BlutungsrisikoLimitierte Wirksamkeit bei dicken Läsionen
Operative AbtragungIntra- und perianalHistologische Aufarbeitung der gesamten Läsion möglichHoher Aufwand, Komplikationsrisiko, Narbenbildung
CO2-LaserIntra- und perianalSehr gezielt, wenig Schmerz/BlutungTeuer, Rauchentwicklung

Nach stattgehabter Therapie soll eine regelmäßige Verlaufskontrolle erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie die anale Zytologie immer als erste intraanale Maßnahme durch, um Kontaminationen durch Gleitmittel oder Blut zu vermeiden. Verzichten Sie auf den Abstrich, wenn in den letzten 24 Stunden rezeptiver Analverkehr oder Einläufe stattfanden.

Häufig gestellte Fragen

MSM und trans Frauen mit HIV ab 35 Jahren, alle anderen Menschen mit HIV ab 45 Jahren, sowie Personen mit CD4-Nadir <200/µl.
Bei einem auffälligen Tastbefund oder einem Zytologie-Befund ab ASC-US.
Bevorzugt mittels Elektrokaustik, Trichloressigsäure (85%) oder operativer Abtragung.
Eine Therapie ist zur reinen Karzinomprävention nicht zwingend erforderlich, kann aber bei klinisch sichtbaren oder störenden Läsionen (z.B. Kondylomen) sinnvoll sein.

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