CMV-Infektion in der Schwangerschaft: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Hygieneberatung (Vermeidung von Kontakt mit Speichel/Urin von Kleinkindern) ist die wichtigste Präventionsmaßnahme.
- •Bei CMV-Primärinfektion bis SSW 13+6 kann Valaciclovir (8 g/Tag) das materno-fetale Transmissionsrisiko signifikant senken.
- •Eine Amniozentese zur fetalen Diagnostik soll erst zwischen SSW 18 und 22 (frühestens 8 Wochen nach Infektion) erfolgen.
- •Bei nachgewiesener fetaler Infektion helfen detaillierter Ultraschall und fetales MRT (ab 30. SSW) zur Prognoseabschätzung.
- •Neugeborene müssen innerhalb der ersten 3 Lebenswochen (CMV-PCR im Urin) getestet werden, um eine konnatale Infektion zu beweisen.
Hintergrund
Die Zytomegalievirus (CMV)-Infektion ist in Mitteleuropa die häufigste infektionsbedingte Ursache für Embryo- und Fetopathien. Während postnatale Infektionen meist asymptomatisch verlaufen, kann eine konnatale CMV-Infektion (cCMV) zu schweren fetalen Erkrankungen führen. Die größte Gefahr für ein cCMV-Syndrom besteht bei einer CMV-Primärinfektion perikonzeptionell und im ersten Trimenon.
Prävention und Hygiene
Da es keine Impfung gibt, ist die Aufklärung über Hygienemaßnahmen essenziell. Die Hauptansteckungsquelle für Schwangere sind Kleinkinder unter drei Jahren.
- Kontaktvermeidung: Kein Kontakt mit Speichel und Urin von Kleinkindern.
- Nicht küssen: Kleinkinder nicht auf speichelbenetzte Gesichtspartien küssen.
- Kein Teilen: Keine Gegenstände (Besteck, Tassen, Schnuller) in den Mund nehmen, die mit kindlichem Speichel in Kontakt waren.
- Handhygiene: Gründliches Händewaschen (ca. 20 Sekunden) nach Windelwechseln, Füttern oder Naseputzen.
Diagnostik der Schwangeren
Eine CMV-Primärinfektion wird labordiagnostisch gesichert durch:
- CMV-IgG-Serokonversion (im Vergleich zu einer Referenzprobe)
- Positives CMV-IgM in Kombination mit niedriger CMV-IgG-Avidität
Transmissionsprophylaxe (bis SSW 13+6)
Bei einer nachgewiesenen Primärinfektion bis einschließlich SSW 13+6 kann eine antivirale Therapie zur Senkung der materno-fetalen Übertragungsrate eingesetzt werden. Ab SSW 14 wird keine generelle Prophylaxe mehr empfohlen.
| Medikament | Dosierung | Indikation | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Valaciclovir | 8 g/Tag (z.B. 4x2 g oder 8x1 g p.o.) | Primärinfektion ≤ SSW 13+6 | Off-label; regelmäßige Kontrolle von Nierenwerten und Blutbild soll erfolgen |
| CMV-Hyperimmunglobulin | 200 IU/kg KG alle 2 Wochen | Nur bei Valaciclovir-Kontraindikation | Individueller Heilversuch; kaum noch Evidenz |
Fetale Diagnostik (Amniozentese)
Im ersten Trimenon soll keine invasive Diagnostik erfolgen. Die Abklärung einer fetalen Infektion erfolgt mittels quantitativer CMV-DNA-Bestimmung (PCR) aus dem Fruchtwasser.
- Zeitpunkt: Zwischen SSW 18 und 22
- Voraussetzung: Mindestens 8 Wochen Abstand zur mütterlichen Primärinfektion
Management bei fetaler Infektion
Wird eine fetale Infektion nachgewiesen, soll die weitere Betreuung in einem spezialisierten Zentrum (DEGUM 2/3) erfolgen. Zur Prognoseabschätzung soll ab der 30. SSW ein detaillierter Ultraschall und ein fetales MRT angeboten werden.
Sonographische Auffälligkeiten (Auswahl)
| Kategorie | Schwere Auffälligkeiten | Milde Auffälligkeiten |
|---|---|---|
| Zerebral | Ventrikulomegalie ≥ 15 mm, Mikrozephalie, intrazerebrale Verkalkungen | Milde Ventrikulomegalie (10-15 mm), periventrikuläre Echogenitätserhöhung |
| Extrazerebral | Aszites, Hydrops fetalis, Plazentamegalie | Hyperechogener Darm, Hepatomegalie, Wachstumsretardierung |
Therapieoptionen bei infiziertem Fetus
| Fetaler Status | Therapie | Bemerkung |
|---|---|---|
| Asymptomatisch | Valaciclovir 8 g/Tag | Individueller Heilversuch zur Symptomprävention |
| Symptomatisch (ohne schwere ZNS-Befunde) | Valaciclovir 8 g/Tag | Individueller Heilversuch zur Progressionsprävention |
| Symptomatisch (mit schweren ZNS-Befunden) | Valganciclovir | Individueller Heilversuch; strenge mütterliche Blutbildkontrolle erforderlich |
Postnatale Diagnostik
Unabhängig von pränatalen Maßnahmen sollen Neugeborene von Müttern mit Primärinfektion getestet werden. Die Diagnostik (CMV-PCR im Urin) muss innerhalb der ersten 3 Lebenswochen erfolgen, um eine konnatale von einer postnatalen Infektion (z.B. durch Muttermilch) sicher unterscheiden zu können.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei einer CMV-Primärinfektion im ersten Trimenon keine invasive Diagnostik durch. Die Amniozentese hat erst zwischen der 18. und 22. SSW (mit mindestens 8 Wochen Abstand zur Infektion) eine ausreichende Aussagekraft zum Ausschluss einer fetalen Infektion.