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Knochenersatzmaterialien in der Implantologie: AWMF-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Autologer Knochen gilt biologisch als Goldstandard, ist aber mit einer Entnahmemorbidität verbunden.
  • Bei einfachen Defekten (Sinuslift, Dehiszenzen) zeigen Knochenersatzmaterialien vergleichbare Erfolgsraten wie autologer Knochen.
  • Für komplexe Defekte (>3 mm) werden autologe Blöcke oder GBR-Techniken mit stabilen Barrieren empfohlen.
  • Systemische Risikofaktoren (Rauchen, Diabetes, Bisphosphonate) beeinflussen den Augmentationserfolg maßgeblich.
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Hintergrund

Die Atrophie des Kieferknochens kann durch Zahnverlust, Parodontitis oder natürliche Alterungsprozesse entstehen. Für eine erfolgreiche Implantation muss ein ausreichendes Knochen- und Weichteilangebot vorliegen. Ist dies nicht der Fall, sind augmentative Maßnahmen indiziert.

Vor jedem Eingriff soll eine spezifische Anamnese der Risikofaktoren erfolgen (Starker Konsens). Faktoren wie Nikotinabusus, schlecht eingestellter Diabetes, Parodontitis, Bestrahlung oder die Einnahme von Bisphosphonaten, SSRI und PPI können die Erfolgsaussichten reduzieren. Wenn möglich, sollen Maßnahmen zur Risikominderung vor der Augmentation durchgeführt werden.

Implantate in gut eingeheilten augmentierten Arealen zeigen bei systemisch nicht-kompromittierten Patienten keine schlechtere Langzeitüberlebensrate als im ortsständigen Knochen (Starker Konsens).

Defektklassifikation nach ITI

Die Wahl der Augmentationstechnik hängt maßgeblich von der Defektgeometrie ab. Je mehr der Defekt knöchern begrenzt ist, desto besser ist das biologische Regenerationspotential.

DefekttypEinzelzahnlückeAusgedehnte Lücke / Zahnloser Kiefer
1/4Dehiszenzdefekt, selbstbegrenzendMehrere Dehiszenzdefekte, selbstbegrenzend
2/4Horizontaler Defekt, nicht selbstbegrenzendScharfkantiger Alveolarkamm
3/4Kombinierter Defekt (horizontal und vertikal)Scharfkantiger Kamm mit vertikalem Defizit
4/4Durchgängiger DefektVollständige Alveolarkammatrophie

Einteilung der Biomaterialien

MaterialgruppeHerkunftEigenschaften & Bemerkungen
AutologPatient selbstGoldstandard, osteoinduktiv, immunologisch unbedenklich. Nachteil: Entnahmemorbidität.
AllogenGleiche Spezies (Mensch)Unbegrenzt verfügbar, keine Entnahmemorbidität. Strenge Aufbereitung nötig.
XenogenFremde Spezies (Rind, Schwein, Equin)Sehr geringe Resorption, gut als Resorptionsschutz geeignet.
AlloplastischSynthetisch (z.B. TCP, HA)Immunologisch unbedenklich, keine Entnahmemorbidität.

Augmentation einfacher Defekte

Einfache Defekte zeichnen sich durch ein hohes primäres Regenerationspotential aus. Materialwahl und Operationstechnik spielen hier eine geringere Rolle als bei komplexen Defekten.

  • Ridge Preservation: Wenn ein Alveolarkammerhalt nach Zahnverlust durchgeführt wird, sollte ein Ersatzmaterial eingesetzt werden (Starker Konsens). Bei Defekten der Alveolenwände verbessert eine Barrieremembran das Ergebnis.
  • Dehiszenzdefekte: Knochenersatzmaterial und Membran sollten zusammen eingesetzt werden (Starker Konsens). Es können alle zur Verfügung stehenden Knochenersatzmaterialien verwendet werden.
  • Sinusbodenelevation: Beim Sinuslift kann ein Knochenersatzmaterial verwendet werden (Starker Konsens). Alle Materialien und Techniken zeigen vergleichbare Erfolgsraten. Bei einem zweizeitigen Vorgehen ist ein Material mit Resorptionsstabilität von Vorteil.

Augmentation komplexer Defekte

Komplexe Defekte (Klasse 3/4 und 4/4) haben ein geringes primäres Regenerationspotential. Die komplexe vertikale Augmentation ist anspruchsvoller als die horizontale.

  • Defekte bis 3 mm: Es kann eine Kombination aus partikulärem Material und Membran verwendet werden (Starker Konsens). Die Implantation sollte sekundär (zweizeitig) erfolgen.
  • Defekte > 3 mm: Zur Regeneration können GBR-Techniken (Guided Bone Regeneration) oder stabile Platzhalter (z.B. Titangitter, titanverstärkte Membranen) verwendet werden (Starker Konsens).
  • Blocktransplantate: Xenogene und alloplastische Blocktransplantate sind dem autologen Knochenblock unterlegen (Starker Konsens). Für große Defekte gelten autologe Knochenblöcke (z.B. aus dem Beckenkamm oder intraoral) weiterhin als Goldstandard.

💡Praxis-Tipp

Klären Sie Patienten vor einer Augmentation detailliert über systemische Risikofaktoren (wie Rauchen oder Medikamenteneinnahme) auf. Bevorzugen Sie bei komplexen Defekten über 3 mm autologe Knochenblöcke oder formstabile Titangitter, da xenogene Blöcke hier unterlegen sind.

Häufig gestellte Fragen

Ja, Implantate in gut eingeheilten augmentierten Arealen zeigen bei systemisch gesunden Patienten keine schlechtere Langzeitüberlebensrate als in nativem Knochen.
Beim Sinuslift können alle verfügbaren Materialien (autolog, xenogen, allogen, synthetisch) mit vergleichbaren Erfolgsraten eingesetzt werden. Ein Ersatzmaterial wird stark empfohlen.
Bei periimplantären Dehiszenzdefekten und bei der Guided Bone Regeneration (GBR) sollten Knochenersatzmaterialien immer in Kombination mit einer Barrieremembran verwendet werden.
Nein, laut Leitlinie sind xenogene und alloplastische Blocktransplantate dem autologen Knochenblock unterlegen und weisen höhere Komplikationsraten auf.
Die Einnahme von Bisphosphonaten, selektiven Serotonin-Wiederaufnahmeinhibitoren (SSRI) und Protonenpumpeninhibitoren (PPI) geht laut Studienlage mit einer erhöhten Verlustrate einher.

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