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Herpes Zoster & Postzosterneuralgie: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die klinische Diagnose ist meist ausreichend; bei atypischen Verläufen ist die VZV-PCR der Goldstandard.
  • Eine antivirale Systemtherapie ist indiziert bei Patienten ab 50 Jahren, Zoster im Kopf-Hals-Bereich und bei Immunsuppression.
  • Bei komplizierten Verläufen (z. B. Zoster ophthalmicus oder oticus) wird intravenöses Aciclovir empfohlen.
  • Ein HIV-Test wird bei Zoster-Patienten unter 50 Jahren empfohlen; eine generelle Tumorsuche jedoch nicht.
  • Es muss zwingend zwischen nozizeptivem und neuropathischem Schmerz unterschieden werden.
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Hintergrund

Der Herpes Zoster (Gürtelrose) entsteht durch die Reaktivierung des Varicella-Zoster-Virus (VZV), welches in sensorischen Ganglien persistiert. Die Inzidenz steigt ab dem 50. Lebensjahr aufgrund der nachlassenden zellulären Immunität (Immunseneszenz) stark an. Typisch ist ein unilaterales, auf ein Dermatom begrenztes Exanthem mit gruppierten Bläschen, das häufig von starken Schmerzen begleitet wird.

Diagnostik

Bei einem klassischen klinischen Bild kann auf eine Laborbestätigung verzichtet werden. In allen anderen Fällen (z. B. fehlende Prodromalphase, multisegmentaler Befall, atypische Lokalisation) wird eine labordiagnostische Absicherung empfohlen.

Diagnostik-MethodeStellenwertBemerkung
Klinische DiagnoseStandardBei typischem unilateralem, dermatomalem Befund ausreichend.
VZV-PCRGoldstandardAus Abstrichmaterial, Liquor, Kammerwasser, Serum oder Plasma. Höchste Sensitivität und Spezifität.
AntigennachweisNicht empfohlenGeringe Sensitivität/Spezifität im Vergleich zur PCR.
AntikörperdiagnostikEingeschränktNicht für die Akutdiagnostik geeignet. Hilfreich bei Zoster sine herpete (IgG-, IgA-, IgM-Anstieg).

Zusatzdiagnostik:

  • HIV-Test: Wird bei Zoster-Patienten unter 50 Jahren dringend empfohlen.
  • Tumorsuche: Eine Tumorsuche aufgrund eines klinisch typisch verlaufenden Zoster wird nicht empfohlen.

Indikationen zur antiviralen Therapie

Die antivirale Systemtherapie sollte idealerweise innerhalb von 72 Stunden nach Symptombeginn eingeleitet werden. Ein späterer Beginn wird empfohlen, solange neue Bläschen entstehen, bei Zoster ophthalmicus/oticus, bei Immunsuppression oder bei Zeichen einer Dissemination.

Patientengruppe / BefundEmpfohlene Therapie
Alter ≥ 50 JahreOrale Systemtherapie
Zoster im Kopf-Hals-BereichOrale oder i.v. Systemtherapie (i.v. insb. bei Älteren)
Mittelschwerer bis schwerer SchmerzOrale Systemtherapie
ImmunsuppressionIntravenöse Systemtherapie
Hämorrhagische/nekrotische LäsionenIntravenöse Systemtherapie
Multisegmentaler Befall / DisseminationIntravenöse Systemtherapie
Zoster ophthalmicus / oticusIntravenöse Systemtherapie + fachärztliche Mitbehandlung

Hinweis: Bei Patienten < 50 Jahren mit unkompliziertem Zoster an Stamm/Extremitäten kann eine Therapie erwogen werden.

Medikamentöse Therapieoptionen

Für die orale Therapie wird eine gemeinsame Entscheidungsfindung ("shared decision making") unter Berücksichtigung von Einnahmefrequenz, Nierenfunktion und Interaktionen empfohlen.

WirkstoffDosierung (Erwachsene)EinnahmeBemerkung
Brivudin125 mg1 x tgl. (7 Tage)Kontraindiziert bei Immunsuppression und 5-Fluoropyrimidin-Therapie!
Valaciclovir1000 mg3 x tgl. (7 Tage)Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz.
Famciclovir500 mg3 x tgl. (7-10 Tage)Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz.
Aciclovir (oral)800 mg5 x tgl. (7 Tage)Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz.
Aciclovir (i.v.)8-10 mg/kg KG3 x tgl. (7-10 Tage)Standard bei komplizierten Verläufen und Immunsuppression.

Besondere klinische Situationen

Zoster ophthalmicus

Befall des 1. Trigeminusastes (Hutchinson-Zeichen an der Nasenspitze). Hohes Risiko für Augenbeteiligung (Keratitis, Uveitis, akute retinale Nekrose).

  • Maßnahme: Sofortige i.v.-Therapie mit Aciclovir.
  • Konsil: Zwingende augenärztliche Mitbehandlung.

Zoster oticus (Ramsay-Hunt-Syndrom)

Befall der Hirnnerven VII und VIII mit Ohrenschmerzen, Hörminderung, Schwindel und Fazialisparese.

  • Maßnahme: Kombinationstherapie aus i.v. Aciclovir und systemischen Kortikosteroiden.
  • Konsil: HNO-ärztliche und neurologische Mitbehandlung.

Schwangerschaft und Kinder

  • Schwangere: Antivirale Therapie (Aciclovir) nur bei kompliziertem Verlauf. Bei unkompliziertem Verlauf wird keine Therapie empfohlen.
  • Kinder: Systemtherapie nur bei Vorliegen von Risikofaktoren für einen komplizierten Verlauf.

Schmerztherapie

Die Schmerzbehandlung ist essenziell, um einer Postzosterneuralgie (PZN) vorzubeugen. Es muss grundsätzlich zwischen zwei Schmerzarten unterschieden werden:

SchmerzartUrsacheCharakteristik
Nozizeptiver SchmerzLokale Entzündungsreaktion ("Wundschmerz")Akut, durch Gewebeschädigung an der Haut.
Neuropathischer SchmerzAxonale Virusausbreitung, NervenentzündungBrennend, bohrend, einschießende Attacken, Allodynie.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Zoster-Patienten unter 50 Jahren routinemäßig einen HIV-Test durch. Bei Zoster ophthalmicus (Hutchinson-Zeichen) oder oticus ist eine sofortige i.v.-Therapie mit Aciclovir sowie eine fachärztliche Mitbeurteilung zwingend erforderlich.

Häufig gestellte Fragen

Idealerweise innerhalb von 72 Stunden nach Symptombeginn. Ein späterer Beginn ist indiziert, solange neue Bläschen entstehen oder Komplikationen vorliegen.
Alle Patienten ab 50 Jahren, bei Zoster im Kopf-Hals-Bereich, bei Immunsuppression sowie bei schweren oder komplizierten Verläufen.
Bei einem klinisch typischen Bild kann darauf verzichtet werden. Bei atypischen Verläufen ist die VZV-PCR aus einem Abstrich der Goldstandard.
Nein, eine Tumorsuche aufgrund eines klinisch typisch verlaufenden Zoster wird nicht empfohlen.

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