Akute Otitis Media: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie behandelt die akute Otitis Media (AOM), eine Infektion des Mittelohrs. Sie stellt nach oberen Atemwegsinfektionen die zweithäufigste pädiatrische Diagnose in der Notaufnahme dar.
Der Altersgipfel der Erkrankung liegt zwischen 6 und 24 Monaten. Etwa 80 Prozent aller Kinder durchleben bis zum Schulalter mindestens eine Episode einer Otitis Media mit Erguss.
Häufigste bakterielle Erreger sind Streptococcus pneumoniae, nicht-typisierbare Haemophilus influenzae und Moraxella catarrhalis. Zu den viralen Auslösern zählen unter anderem das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) und Influenzaviren.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:
Diagnostik
Die Diagnose wird primär klinisch anhand der Anamnese und der otoskopischen Befunde gestellt. Die Leitlinie empfiehlt die pneumatische Otoskopie als zuverlässigstes Instrument mit der höchsten Sensitivität und Spezifität.
Für die Diagnosestellung wird eine moderate bis starke Vorwölbung des Trommelfells oder eine neu aufgetretene Otorrhö gefordert. Alternativ genügt eine leichte Vorwölbung in Kombination mit akutem Ohrenschmerz oder Erythem.
Laboruntersuchungen oder bildgebende Verfahren sind im Regelfall nicht indiziert. Eine Bildgebung wird nur bei Verdacht auf intratemporale oder intrakranielle Komplikationen empfohlen.
Therapie
Die Behandlung zielt auf die Schmerzkontrolle und die Bekämpfung der bakteriellen Infektion ab. Zur Analgesie werden nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Paracetamol empfohlen.
Bei klinischen Zeichen einer eitrigen AOM wird eine sofortige antibiotische Therapie empfohlen. Das Konzept des abwartenden Beobachtens wird in den USA aufgrund möglicher Komplikationen nicht allgemein empfohlen.
Bei einer Trommelfellperforation wird die lokale Anwendung von ototoxikologisch unbedenklichen Ohrentropfen anstelle einer systemischen Antibiose empfohlen. Dies ermöglicht höhere lokale Wirkstoffkonzentrationen ohne systemische Nebenwirkungen.
Rezidivierende Infektionen
Bei vier oder mehr AOM-Episoden innerhalb von zwölf Monaten wird eine Überweisung zur Paukendrainage (Tympanostomie-Röhrchen) empfohlen. Dies ermöglicht die Belüftung des Mittelohrs und den Erhalt des normalen Hörvermögens.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende Dosierungsschemata für die antibiotische Therapie bei Kindern:
| Wirkstoff | Dosierung | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| Amoxicillin | Hochdosis für 10 Tage | Mittel der ersten Wahl |
| Amoxicillin-Clavulansäure | 90 mg/kg/Tag (Amoxicillin) + 6,4 mg/kg/Tag (Clavulansäure) in 2 Einzeldosen | Bei Therapieversagen von Amoxicillin |
| Azithromycin | 10 mg/kg als Einzeldosis | Bei Penicillinallergie |
| Clarithromycin | 15 mg/kg/Tag in 2 Einzeldosen | Bei Penicillinallergie |
| Cefdinir | 14 mg/kg/Tag in 1 oder 2 Einzeldosen | Bei Penicillinallergie |
| Cefpodoxim | 10 mg/kg/Tag als Einzeldosis | Bei Penicillinallergie |
| Cefuroxim | 30 mg/kg/Tag in 2 Einzeldosen | Bei Penicillinallergie |
| Ceftriaxon | 50 mg/kg/Tag für 3 Tage (i.v. oder i.m.) | Bei Erbrechen oder fehlender oraler Aufnahmemöglichkeit |
Kontraindikationen
Systemische Steroide und Antihistaminika haben laut Leitlinie keinen signifikanten Nutzen und werden nicht zur Therapie empfohlen.
Bei einer Trommelfellperforation wird vor der Verwendung potenziell ototoxischer Ohrentropfen gewarnt. Es wird betont, dass in diesen Fällen ausschließlich für das Mittelohr zugelassene Präparate wie Ofloxacin verwendet werden dürfen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit der Trommelfellbeurteilung bei einer Schwellung des äußeren Gehörgangs. Wenn eine Trommelfellperforation vorliegt, wird die Schwellung als reaktiv eingestuft und es dürfen ausschließlich für das Mittelohr zugelassene, nicht-ototoxische Tropfen verwendet werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie können bei einer Penicillinallergie Makrolide wie Azithromycin oder Clarithromycin eingesetzt werden. Alternativ werden Cephalosporine wie Cefdinir, Cefpodoxim oder Cefuroxim empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt die Einlage von Tympanostomie-Röhrchen bei Kindern, die vier oder mehr Episoden einer akuten Otitis Media in den vergangenen zwölf Monaten hatten. Dies dient der Belüftung des Mittelohrs und dem Erhalt des Hörvermögens.
Eine routinemäßige Bildgebung wird nicht empfohlen. Ein CT oder MRT ist laut Leitlinie nur indiziert, wenn intratemporale oder intrakranielle Komplikationen wie eine Mastoiditis vermutet werden.
Die Leitlinie empfiehlt eine hochdosierte Therapie mit Amoxicillin über einen Zeitraum von zehn Tagen.
Zur effektiven Schmerzkontrolle werden nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Paracetamol empfohlen. Diese können allein oder in Kombination verabreicht werden.
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Quelle: StatPearls: Acute Otitis Media (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.