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Arbeitsplatzbezogener Inhalationstest (AIT): AWMF-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der AIT dient der Diagnostik von arbeitsplatzbezogenem Asthma und exogen-allergischer Alveolitis (EAA).
  • Eine schwere Atemwegsobstruktion (FEV1 < 70 % vom Soll) ist eine relative Kontraindikation für die Durchführung.
  • Ein positiver Test liegt vor bei einem FEV1-Abfall von ≥ 20 % oder einer Verdopplung des spezifischen Atemwegswiderstands.
  • Die Expositionsdosis wird stufenweise gesteigert, mit mindestens 10-minütigen Pausen für Lungenfunktionsmessungen.
  • Notfallausrüstung zur Behandlung schwerer Asthmaanfälle oder Anaphylaxien muss zwingend in unmittelbarer Nähe bereitstehen.
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Hintergrund

Der arbeitsplatzbezogene Inhalationstest (AIT), international auch als "specific inhalation challenge" (SIC) bezeichnet, dient der Identifizierung von allergischem bzw. immunologischem Asthma sowie der exogen-allergischen Alveolitis (EAA) mit Arbeitsplatzbezug. Er ist ein aufwändiges Verfahren, bei dem Patienten unter kontrollierten Laborbedingungen gegenüber einem potenziell auslösenden Arbeitsstoff exponiert werden.

Indikationen und Kontraindikationen

Der AIT ist indiziert bei:

  • Unklaren arbeitsplatzbezogenen Atembeschwerden
  • Verdacht auf Berufskrankheiten (BK 4301, BK 1315, BK 4201)
  • Begründung von Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz (Individualprävention)

Kontraindikationen umfassen unter anderem:

  • Akute Atemwegsinfekte
  • Höhergradige Atemwegsobstruktion (FEV1 < 70 % des Sollmittelwertes)
  • Höhergradige restriktive Lungenerkrankungen oder Gasaustauschstörungen
  • Schwere kardiale Erkrankungen oder unkontrollierte Krampfleiden
  • Schwangerschaft
  • Einnahme von Betablockern oder Bronchodilatatoren am Untersuchungstag

Vorbereitung und Sicherheit

Vor dem Test müssen atemwegswirksame Medikamente (Bronchodilatatoren, Antihistaminika, ggf. inhalative Kortikosteroide) rechtzeitig abgesetzt werden. Da der AIT schwere Asthmaanfälle oder (selten) anaphylaktische Reaktionen auslösen kann, gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen:

  • Notfallinstrumente (Sauerstoff, BGA) und Notfallmedikamente (inkl. Adrenalin) müssen in unmittelbarer Nähe bereitstehen.
  • Die Anlage eines venösen Zugangs vor Testbeginn ist individuell zu prüfen.
  • Die Exposition sollte in einem geschlossenen, gut einsehbaren Expositionslabor stattfinden.

Testprotokolle

Je nach Spontanvariabilität der Lungenfunktion und erwarteter Reaktion kommen verschiedene Protokolle zum Einsatz:

ProtokollDauerIndikationBemerkung
A (Vereinfacht)2 TageGeringe Spontanvariabilität, nur Sofortreaktion erwartetKeine Spätmessung, kein Kontrolltag
B (Standard)2,5 TageGeringe Spontanvariabilität, Spätreaktion möglichInklusive Spätmessung
C (Ausnahmefall)3,5 TageHohe Spontanvariabilität, irritative Stimuli erwartetMit vorgeschaltetem Kontrolltag (Leerexposition)

Durchführung der Exposition

Die Exposition erfolgt schrittweise, um schwere Reaktionen zu vermeiden. Bevorzugt sollten kommerziell erhältliche Provokationslösungen verwendet werden, alternativ native Arbeitsstoffe vom Arbeitsplatz.

  • Dosissteigerung: Schrittweise Steigerung (Faktor 2 bis 4) der Konzentration oder Expositionsdauer.
  • Intervalle: Mindestens 10 Minuten Pause zwischen den Stufen zur Erkennung von Sofortreaktionen.
  • Dauer: Gesamtexpositionsdauer gewöhnlich 30-60 Minuten (maximal 120 Minuten).
  • Abbruch: Bei Erreichen der Positivkriterien, extrapulmonalen Reaktionen oder auf Patientenwunsch.

Positivkriterien und Auswertung

Die Beurteilung erfolgt synoptisch. Ein Abfall der Vitalkapazität (FVC) allein durch nachlassende Mitarbeit oder Reizhusten darf nicht als positiver Test gewertet werden.

ParameterPositivkriteriumBemerkung
SpirometrieFEV1-Abfall ≥ 20 %FVC muss weitgehend konstant bleiben
BodyplethysmographiesRtot verdoppelt UND ≥ 2 kPa*sSensitiver, aber weniger spezifisch als FEV1
FeNOAnstieg um ca. 15 ppbMessung 24h nach AIT
EAA (Alveolitis)VC-Abfall ≥ 20 %, DLCO-Abfall ≥ 15 %Plus systemische Symptome (Fieber, Leukozyten ↑)

Bei allergisierenden Arbeitsstoffen sollte zusätzlich eine nasale Reaktion (z.B. Rhinomanometrie, Symptomscore) erfasst werden.

💡Praxis-Tipp

Setzen Sie atemwegswirksame Medikamente vor dem AIT rechtzeitig ab und halten Sie bei jeder Testung eine vollständige Notfallausrüstung (inklusive Adrenalin) zur Behandlung schwerer Asthmaanfälle oder Anaphylaxien bereit.

Häufig gestellte Fragen

Bei unklaren arbeitsplatzbezogenen Atembeschwerden oder Verdacht auf Berufskrankheiten (BK 4301, 1315, 4201), wenn andere Methoden keine eindeutige Diagnose erlauben.
Eine höhergradige Atemwegsobstruktion mit einem FEV1 < 70 % des Sollmittelwertes stellt eine relative Kontraindikation dar.
Bei einem Abfall des FEV1 um mindestens 20 % (bei konstanter FVC) oder einer Verdopplung des spezifischen Atemwegswiderstands auf mindestens 2 kPa*s.
Die Gesamtexpositionsdauer mit dem Arbeitsstoff sollte gewöhnlich 30 bis 60 Minuten betragen und 120 Minuten nicht überschreiten.

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