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Allergieprävention: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ausschließliches Stillen in den ersten 4-6 Monaten wird empfohlen; diätetische Restriktionen in Schwangerschaft und Stillzeit sind obsolet.
  • Die Beikosteinführung sollte zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat erfolgen, inklusive durcherhitztem Hühnerei.
  • Prä- und Probiotika sowie Vitamin-D-Supplemente (über die Rachitisprophylaxe hinaus) haben keinen präventiven Nutzen.
  • Familien mit erhöhtem Allergierisiko sollten keine neue Katze anschaffen; Hunde sind hingegen unbedenklich.
  • Aktive und passive Tabakrauchexposition erhöht das Asthmarisiko signifikant und muss vermieden werden.
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Hintergrund

Die S3-Leitlinie zur Allergieprävention richtet sich an medizinisches Fachpersonal und bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Primärprävention atopischer Erkrankungen (atopisches Ekzem, Nahrungsmittelallergie, allergische Rhinokonjunktivitis, Asthma). Zielgruppen sind sowohl die Allgemeinbevölkerung als auch Familien mit genetischer Vorbelastung.

Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit

Eine ausgewogene Ernährung ist essenziell. Diätetische Restriktionen zur Allergieprävention sind obsolet.

  • Empfehlungsgrad A: Diätetische Restriktionen (Meidung potenter Nahrungsmittelallergene) während der Schwangerschaft oder Stillzeit sollen nicht erfolgen.
  • Empfehlungsgrad A: Für den Zeitraum der ersten vier bis sechs Monate soll nach Möglichkeit ausschließlich gestillt werden. Auch mit Einführung von Beikost soll weitergestillt werden.
  • Empfehlungsgrad B: Ein Zufüttern von kuhmilchbasierter Formulanahrung in den ersten Lebenstagen sollte bei Stillwunsch vermieden werden.
  • Empfehlungsgrad A: Übergewicht und Adipositas bei Frauen vor und in der Schwangerschaft sollen vermieden werden.

Säuglingsernährung und Beikost

Wenn nicht gestillt wird, kommen Ersatznahrungen zum Einsatz. Die Beikost sollte vielfältig sein.

Maßnahme / NahrungsmittelEmpfehlungEmpfehlungsgrad
SäuglingsanfangsnahrungBei Risikokindern prüfen, ob Nahrung mit nachgewiesener präventiver Wirksamkeit verfügbar ist.B
Soja-basierte NahrungZur Allergieprävention ungeeignet, soll nicht gegeben werden.A
Tiermilch / GetreidedrinksZiegen-, Schafs-, Stutenmilch oder Getreidedrinks sollen nicht zur Prävention gegeben werden.B
BeikosteinführungFrühestens ab Beginn des 5., spätestens ab Beginn des 7. Lebensmonats.B
HühnereiDurcherhitztes (z.B. hartgekochtes), aber kein rohes/weiches Ei regelmäßig mit Beikost geben.B
ErdnussBei Säuglingen mit atopischer Dermatitis (AD) in Familien mit Erdnusskonsum erwägen. Vorher Allergie ausschließen!C (bzw. A für Ausschluss)

Nahrungsergänzungsmittel

Die Leitlinie spricht sich klar gegen den präventiven Einsatz der meisten Supplemente aus.

SupplementEmpfehlung zur AllergiepräventionEmpfehlungsgrad
Prä- und ProbiotikaSollen weder Schwangeren noch Säuglingen verabreicht werden.A
Vitamin DKeine zusätzliche Gabe zur Allergieprävention (Standard-Rachitisprophylaxe bleibt unberührt).A
Vitamine (A, C, E, K)Keine Supplementierung zur Allergieprävention. Folsäure nach Standardempfehlung beibehalten.A
Omega-3-FettsäurenKeine abschließende Empfehlung möglich (Datenlage heterogen).-

Umweltfaktoren und Lebensstil

Die häusliche Umgebung und Schadstoffe spielen eine zentrale Rolle in der Primärprävention.

FaktorEmpfehlungEmpfehlungsgrad
HundeKeine Einschränkung für Nicht-Risikopersonen (A). Auch bei erhöhtem Risiko wird nicht abgeraten (B).A / B
KatzenRisikofamilien oder Kinder mit bestehender AD sollten keine Katze neu anschaffen.B
TabakrauchAktive und passive Exposition strikt vermeiden (bereits in der Schwangerschaft).A
Schimmel / FeuchtigkeitInnenraumklima, das Schimmel begünstigt, vermeiden.B
LuftschadstoffeExposition gegenüber KFZ-Emissionen (NOx, Ozon, PM 2,5) gering halten.B

Spezifische Interventionen

  • Milben: Maßnahmen zur Milbenallergenreduktion (z.B. Encasings) sollten nicht zur Primärprävention erfolgen (B). Bei bestehender Allergie (Tertiärprävention) sind sie indiziert (A).
  • Hautpflege: Eine tägliche Rückfettung der gesunden Säuglingshaut zur Primärprävention wird nicht empfohlen. Sichtbar trockene Haut sollte jedoch gepflegt werden.
  • Impfungen: Alle Kinder sollen nach STIKO geimpft werden; Impfungen erhöhen das Allergierisiko nicht.
  • Kaiserschnitt: Ein elektiver Kaiserschnitt geht mit einem gering erhöhten Asthmarisiko einher; dies sollte bei der Beratung berücksichtigt werden.

💡Praxis-Tipp

Raten Sie Eltern von restriktiven Diäten in der Schwangerschaft und Stillzeit ab. Die aktive Einführung potenter Allergene wie durcherhitztes Hühnerei in der Beikost ist präventiv sinnvoller als deren Vermeidung.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Diätetische Restriktionen während der Schwangerschaft oder Stillzeit sollen aus Gründen der Allergieprävention nicht erfolgen.
Die Evidenz reicht für eine klare Empfehlung nicht mehr aus. Bei Risikokindern sollte geprüft werden, ob eine Säuglingsnahrung mit in Studien nachgewiesener Wirksamkeit verfügbar ist.
Von der Hundehaltung wird nicht abgeraten. Familien mit erhöhtem Allergierisiko oder Kindern mit atopischem Ekzem sollten jedoch keine Katze neu anschaffen.
Nein. Präbiotika und Probiotika sollen zu Zwecken der Allergieprävention weder Schwangeren noch Säuglingen verabreicht werden.
Zur Prävention der Hühnereiallergie sollte durcherhitztes (z.B. hartgekochtes oder verbackenes) Hühnerei mit der Beikost eingeführt und regelmäßig gegeben werden. Rohes Ei oder Rührei wird nicht empfohlen.

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