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Stützverbände bei Frakturen: Leitlinie (AWMF/DGU)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Zirkuläre, rigide Verbände sind bei frischen Frakturen und drohendem Kompartmentsyndrom primär kontraindiziert.
  • Bei frischen Verletzungen und postoperativ müssen zirkuläre Verbände vollständig gespalten werden ("bis auf die letzte Faser").
  • Eine ärztliche Gipskontrolle sollte in der Regel nach 24 Stunden erfolgen.
  • Schmerzangaben des Patienten unter dem Stützverband sind immer ernst zu nehmen ("Der Patient hat immer Recht").
  • Knochenvorsprünge und Nervendruckpunkte (z.B. N. peroneus) erfordern besondere Polsterung.
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Hintergrund

Stützverbände, Gipse und Orthesen kommen bei der konservativen und perioperativen Therapie von Frakturen und Weichteilverletzungen zum Einsatz. Die Ruhigstellung lindert Schmerzen, schützt die Wundheilung und sichert das Repositionsergebnis. Die Behandlungsprinzipien folgen den "Drei R": Reposition, Retention und Rehabilitation.

Indikationen und Kontraindikationen

Die Indikation zur Anlage eines fixierenden Verbandes muss individuell gestellt werden. Geschlossene rigide zirkuläre Verbände bergen in der Akutphase erhebliche Risiken.

Indikation (Auswahl)Kontraindikation für primäre geschlossene zirkuläre Verbände
Konservative FrakturbehandlungDrohendes oder manifestes Kompartmentsyndrom
Gelenkdistorsionen und LuxationenAkuter Gefäßverschluss
Postoperative ProtektionFrische Fraktur mit lokaler Schwellung
Ruhigstellung bei bakteriellen InfektenAkute bakterielle Infektion
Funktionelle SchienungBewusstseinseingeschränkte Patienten

Anlage und Technik

Bei der Anlage von Stützverbänden sind grundlegende technische und anatomische Prinzipien zu beachten:

  • Reposition: Erfolgt unter adäquater Analgesie. Wiederholte Repositionsmanöver sind zu vermeiden.
  • Polsterung: Prominente Stellen, Knochenvorsprünge und Nervendruckpunkte erfordern eine segmentale punktuelle Polsterung. Auf unrasierter Haut dürfen keine klebenden Materialien verwendet werden.
  • Gelenkstellung: Die Ruhigstellung erfolgt in der optimalen Funktionsstellung für die jeweilige Verletzung.
  • Ausmaß: Es dürfen nicht mehr Gelenke ruhiggestellt werden, als für die Behandlung erforderlich ist. Nicht ruhiggestellte Gelenke müssen aktiv bewegt werden.

Komplikationsvermeidung und Gipskontrolle

Die Risiken der immobilisierenden Behandlung werden häufig unterschätzt. Die Leitlinienkommission formuliert hierzu klare Kernaussagen:

  • Gipsspaltung: Bei frischen Verletzungen, postoperativ oder bei jeder anderen Gefahr der Weichteilschwellung gilt: "Spalten bis auf die letzte Faser". Alle zirkulären Verbandsschichten müssen vollständig gespalten werden.
  • Gipskontrolle: In der Regel sollten Stützverbände nach 24 Stunden ärztlich kontrolliert werden.
  • Patientenbeschwerden: Schmerzangaben sind ein Warnsignal. Es gilt der Merksatz: "Der Patient mit Stützverband hat immer Recht, bis zum Beweis des Gegenteils."

Risiken und Komplikationen

Die Ruhigstellung kann zu lokalen und systemischen Komplikationen führen, die eine engmaschige Überwachung erfordern.

Regionale KomplikationenAllgemeine Komplikationen
KompartmentsyndromThrombose und Embolie
Drucknekrosen und KontaktallergienMuskelatrophie
Nervenausfälle (z.B. N. peroneus, N. ulnaris)Knochenentkalkung
Chronisches Regionales Schmerzsyndrom (CRPS)Allergie
Gelenksteife und MuskelkontrakturÜberlastungsreaktionen (z.B. durch Gehstützen)

Verhaltensregeln für Patienten

Patienten müssen umfassend über Warnsignale (z.B. zunehmende Schmerzen, Taubheit, Blauverfärbung) aufgeklärt werden. Die betroffene Extremität sollte regelmäßig hochgelagert werden. Wichtig für den Alltag: Mit immobilisierenden Stützverbänden oder Orthesen ist das Führen eines Fahrzeuges grundsätzlich nicht angezeigt.

💡Praxis-Tipp

Spalten Sie zirkuläre Verbände bei frischen Verletzungen oder postoperativ immer vollständig ('bis auf die letzte Faser'), um ein Kompartmentsyndrom zu vermeiden. Nehmen Sie Schmerzangaben des Patienten unter dem Gips stets ernst.

Häufig gestellte Fragen

Bei frischen Verletzungen, postoperativ oder bei jeder Gefahr einer Weichteilschwellung müssen alle zirkulären Schichten vollständig ('bis auf die letzte Faser') gespalten werden.
In der Regel sollte ein Stützverband nach 24 Stunden ärztlich kontrolliert werden.
Das Führen eines Fahrzeugs ist mit immobilisierenden Stützverbänden oder Orthesen grundsätzlich nicht angezeigt.
Ein drohendes Kompartmentsyndrom, akute Gefäßverschlüsse, frische Frakturen mit Schwellung sowie akute bakterielle Infektionen.

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