Händehygiene im Gesundheitswesen: CDC-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Alkoholbasierte Einreibepräparate sind wirksamer als antimikrobielle Seifen zur Reduktion der Bakterienzahl auf den Händen.
- •Händewaschen mit Wasser und Seife ist zwingend erforderlich, wenn die Hände sichtbar verschmutzt sind oder Kontakt mit Sporenbildnern bestand.
- •Alkohole wirken hervorragend gegen Bakterien (inkl. MRSA/VRE) und behüllte Viren, jedoch nicht gegen Sporen wie Clostridium difficile.
- •Häufiges Waschen mit Seife verursacht mehr Hautirritationen als die Nutzung alkoholbasierter Präparate mit Pflegezusätzen.
- •Die transiente Hautflora ist maßgeblich für nosokomiale Infektionen verantwortlich und lässt sich durch Händehygiene gut entfernen.
Hintergrund
Die Händehygiene ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vermeidung nosokomialer Infektionen. Die Hautflora wird in zwei Kategorien unterteilt: Die residente Flora (tieferliegend, seltener pathogen) und die transiente Flora (oberflächlich, durch Patientenkontakt erworben und Hauptursache für Kreuzinfektionen).
Wirksamkeit von Händehygiene-Präparaten
Die Leitlinie vergleicht verschiedene Wirkstoffe zur Händehygiene. Alkoholbasierte Präparate zeigen dabei die höchste Wirksamkeit bei der Reduktion bakterieller Erreger.
| Wirkstoff | Wirkspektrum | Remanenzwirkung (Langzeit) | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Alkohole (60-95%) | Sehr gut (Bakterien, behüllte Viren) | Keine | Mittel der Wahl bei nicht sichtbar verschmutzten Händen |
| Chlorhexidin (CHG) | Gut (v.a. grampositiv) | Sehr gut | Oft in Kombination mit Alkohol genutzt |
| Iodophore (Povidon-Iod) | Gut | Mäßig | Verursacht häufiger Hautirritationen |
| Triclosan | Befriedigend | Gut | Wirkt eher bakteriostatisch |
| Einfache Seife | Minimal (mechanische Entfernung) | Keine | Nur bei sichtbarer Verschmutzung empfohlen |
Alkoholbasierte Händedesinfektion
Alkohole (Ethanol, Isopropanol, n-Propanol) wirken durch die Denaturierung von Proteinen. Sie sind hochwirksam gegen grampositive und gramnegative Bakterien (inkl. MRSA und VRE) sowie behüllte Viren (z.B. HIV, RSV).
- Einschränkung: Alkohole wirken nicht gegen Sporen (z.B. Clostridium difficile oder Bacillus anthracis). In diesen Fällen ist das Waschen mit Wasser und Seife zur mechanischen Entfernung indiziert.
- Anwendung: Nur auf trockenen, nicht sichtbar verschmutzten Händen anwenden. Bei sichtbarer Kontamination mit Blut oder Proteinen muss Seife verwendet werden.
Chirurgische Händeantisepsis
Ziel der chirurgischen Händeantisepsis ist die Elimination der transienten und die Reduktion der residenten Hautflora, um Wundinfektionen bei Handschuhperforationen zu vermeiden.
| Methode | Dauer | Bemerkung |
|---|---|---|
| Traditioneller Scrub | 2-5 Minuten | Mit antimikrobieller Seife (z.B. CHG, Iodophor) |
| Alkohol-Rub | Nach kurzem Waschen | Oft wirksamer und hautschonender als hartes Bürsten |
Kernaussage: Ein 5-minütiger Scrub ist genauso effektiv wie ein 10-minütiger. Der Verzicht auf harte Bürsten reduziert Hautschäden und das Shedding von Bakterien.
Hautirritationen und Kontaktdermatitis
Häufiges Händewaschen mit Seife und Wasser ist die Hauptursache für irritative Kontaktdermatitis bei medizinischem Personal. Detergenzien schädigen die Haut durch Denaturierung von Proteinen und Auswaschen von Lipiden.
- Prävention: Alkoholbasierte Präparate, denen Emollientien (Pflegezusätze) zugesetzt sind, verursachen signifikant weniger Hautirritationen und Trockenheit als das Waschen mit antimikrobiellen Seifen.
💡Praxis-Tipp
Verwenden Sie im Klinikalltag primär alkoholbasierte Händedesinfektionsmittel mit Hautpflegezusätzen. Waschen Sie die Hände nur bei sichtbarer Verschmutzung oder nach Kontakt mit Sporenbildnern (z.B. C. difficile) mit Wasser und Seife.