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Mediastinitis nach Herz-OP: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Poststernotomie-Mediastinitis (PSM) betrifft 1-3 % der herzchirurgischen Patienten und geht mit einer signifikant erhöhten Letalität einher.
  • Klinische Hauptzeichen sind lokale Entzündungszeichen und eine Sternuminstabilität (Krepitation).
  • Als bildgebendes Verfahren der Wahl gilt die kontrastmittelgestützte CT des Thorax.
  • Die mikrobiologische Diagnostik soll über mindestens 3 intraoperative Gewebeproben erfolgen; Abstriche sind zu vermeiden.
  • Die empirische Antibiose besteht standardmäßig aus Piperacillin/Tazobactam und Vancomycin.
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Hintergrund

Die Poststernotomie-Mediastinitis (PSM) ist eine seltene (Inzidenz 1-3 %), aber lebensbedrohliche Komplikation nach herzchirurgischen Eingriffen. Sie ist mit einer signifikant erhöhten Letalität (17,3 % vs. 3,0 %) und einer verlängerten Krankenhausverweildauer assoziiert. Gemäß CDC-Kriterien tritt die Infektion typischerweise innerhalb der ersten 30 Tage (bzw. 1 Jahr bei Vorhandensein von Implantaten) auf und geht mit purulentem Exsudat, positivem Erregernachweis oder Abszessbildung einher.

Risikofaktoren

Die Entstehung einer PSM ist multifaktoriell. Die Risikofaktoren werden in drei Phasen unterteilt:

PhaseRisikofaktoren
PräoperativDiabetes mellitus, pAVK, Adipositas (BMI > 30), Herzinsuffizienz (NYHA III/IV), Alter > 75 Jahre, Immunsuppression, Niereninsuffizienz, COPD
IntraoperativVerwendung beider Aa. thoracicae internae (BIMA), HLM-Zeit > 300 Minuten, Transfusionsbedarf > 5 EK, Querfrakturen des Sternums, Knochenwachs
PostoperativNachblutung, Revisionsoperation, Durchgangssyndrom

Klassifikation

Für therapeutische Entscheidungen ist die Einteilung nach Sternumstabilität und Knochenbeschaffenheit essenziell. Es wird eine Klassifikation in Anlehnung an die AMSTERDAM-Klassifikation empfohlen (Expertenkonsens):

StadiumSternumstabilitätKnochenbeschaffenheit
IStabilminimaler Substanzdefekt
IIStabilausreichend
IIIInstabilgut bis ausreichend
IVInstabilNekrosen

Diagnostik

Die frühzeitige Diagnosestellung ist entscheidend, um schwerwiegende Verläufe und mehrfache Revisionsoperationen zu vermeiden.

  • Klinische Untersuchung: Gezielte Prüfung auf lokale Entzündungszeichen (Calor, Rubor, Dolor, Tumor) und Sternuminstabilität/Krepitation. Die Untersuchung soll bei jedem Verbandswechsel erfolgen.
  • Bildgebung: Bei Verdacht auf PSM sollte eine kontrastmittelgestützte CT des Thorax durchgeführt werden (Expertenkonsens).
  • Labordiagnostik: Differentialblutbild und CRP. Der Procalcitonin-Spiegel (PCT) kann seriell bestimmt werden, um systemische Infektionen abzugrenzen.
  • Mikrobiologie: Blutkulturen bei systemischer Beteiligung. Bei operativen Eingriffen sollen mindestens 3 Gewebeproben entnommen werden. Wundabstriche sollen nur in Ausnahmefällen erfolgen (Expertenkonsens).

Therapie

Die Behandlung stützt sich auf die chirurgische Sanierung (z. B. primäre Reverdrahtung mit Spülung oder Negative Pressure Wound Therapy [NPWT]) und eine gezielte antiinfektive Therapie.

Kalkulierte Antibiose

Bis zum Vorliegen des Antibiogramms soll eine empirische Therapie eingeleitet werden (Expertenkonsens):

WirkstoffIndikationBemerkung
Piperacillin/Tazobactam + VancomycinStandard-Empirie bei Verdacht auf PSMBreitspektrum-Abdeckung inkl. grampositiver und gramnegativer Erreger
Ciprofloxacin + VancomycinBei Penicillinallergie/-unverträglichkeitAlternative Kombination

Nach mikrobiologischem Keimnachweis mit Resistogramm muss die antimikrobielle Therapie gezielt angepasst werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei der mikrobiologischen Diagnostik auf einfache Wundabstriche. Entnehmen Sie stattdessen intraoperativ mindestens drei Gewebeproben aus verschiedenen Bereichen, um die Sensitivität und Spezifität des Erregernachweises zu maximieren.

Häufig gestellte Fragen

Die Symptome treten typischerweise in den ersten vier Wochen nach der Sternotomie auf, durchschnittlich zwischen dem 7. und 14. postoperativen Tag.
Es wird eine kontrastmittelgestützte Computertomografie (CT) des Thorax empfohlen, um Flüssigkeitsansammlungen, Dehiszenzen und die Ausdehnung der Infektion zu beurteilen.
Die Leitlinie empfiehlt als empirische Therapie die Kombination aus Piperacillin/Tazobactam und Vancomycin. Bei Penicillinallergie sollte auf Ciprofloxacin und Vancomycin ausgewichen werden.
PCT kann seriell (Verlaufskontrollen über 12-24 Stunden) bestimmt werden. Ein kontinuierlicher Anstieg spricht für eine postoperative Infektion, Einzelwerte sind jedoch oft nicht aussagekräftig.

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