WHO2019

Antimicrobial Stewardship (AMS): Leitfaden & Maßnahmen

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie von 2019 bietet ein praxisnahes Toolkit zur Etablierung von Antimicrobial Stewardship (AMS) in Gesundheitseinrichtungen. Ziel ist es, den Einsatz von Antibiotika zu optimieren und der zunehmenden antimikrobiellen Resistenz (AMR) entgegenzuwirken.

AMS bildet zusammen mit der Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) sowie der Patientensicherheit eine zentrale Säule zur Stärkung von Gesundheitssystemen. Die Leitlinie richtet sich insbesondere an Einrichtungen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMIC).

Durch strukturierte AMS-Programme sollen das Verschreibungsverhalten von Ärzten nachhaltig verbessert, Behandlungsergebnisse optimiert und unnötige Gesundheitskosten reduziert werden.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den Aufbau und die Umsetzung von AMS-Programmen:

Strukturelle Voraussetzungen

Die Leitlinie empfiehlt die Etablierung eines multidisziplinären AMS-Teams in der Gesundheitseinrichtung. Dieses sollte idealerweise aus einem Arzt, einem Apotheker, einer Pflegekraft und einem Mikrobiologen bestehen.

Zudem wird die Unterstützung durch die Klinikleitung als essenziell erachtet. Es wird empfohlen, klare Verantwortlichkeiten zu definieren und finanzielle sowie personelle Ressourcen für das AMS-Programm bereitzustellen.

Planung und Bedarfsanalyse

Vor der Implementierung von Interventionen wird eine systematische Situations- oder SWOT-Analyse empfohlen. Diese dient dazu, vorhandene Strukturen zu erfassen und Prioritäten für kurz- und mittelfristige Maßnahmen festzulegen.

Laut Leitlinie sollten lokale Behandlungsrichtlinien für häufige Infektionen sowie für die chirurgische Antibiotikaprophylaxe entwickelt und regelmäßig aktualisiert werden.

AMS-Interventionen

Die Leitlinie formuliert verschiedene evidenzbasierte Interventionen zur Verbesserung der Antibiotikaverschreibung:

  • Audit und Feedback: Prospektive oder retrospektive Überprüfung der Verschreibungen mit direkter Rückmeldung an die behandelnden Ärzte.

  • Deeskalation: Anpassung der empirischen Therapie an mikrobiologische Testergebnisse nach 48 bis 72 Stunden.

  • IV-zu-Oral-Switch: Frühzeitige Umstellung von intravenöser auf orale Antibiotikagabe, sobald es der klinische Zustand zulässt.

  • Restriktive Maßnahmen: Vorabgenehmigungspflicht für bestimmte Breitbandantibiotika.

AWaRe-Klassifikation

Es wird empfohlen, die WHO-AWaRe-Klassifikation in lokale Formulare und Leitlinien zu integrieren. Die Leitlinie teilt Antibiotika in folgende Gruppen ein:

AWaRe-GruppeBeschreibungBeispiele (laut Leitlinie)
ACCESSMittel der ersten oder zweiten Wahl für häufige Infektionen, geringeres ResistenzpotenzialAmoxicillin, Cefazolin, Gentamicin
WATCHHöheres Resistenzpotenzial, primäres Ziel für AMS-ÜberwachungCiprofloxacin, Ceftriaxon, Meropenem
RESERVELetzte Reserve für multiresistente Erreger, streng zu überwachenColistin, Linezolid, Polymyxin B

Ziel ist es laut Leitlinie, den Einsatz von ACCESS-Antibiotika zu fördern und WATCH- sowie RESERVE-Antibiotika gezielt zu überwachen.

Überwachung und Evaluation

Zur Erfolgsmessung des AMS-Programms empfiehlt die Leitlinie die Erhebung von Struktur-, Prozess- und Ergebnisindikatoren.

Der Antibiotikaverbrauch sollte regelmäßig gemessen werden, vorzugsweise in definierten Tagesdosen (DDD) pro 100 oder 1000 Patiententagen. Die Ergebnisse sind laut Leitlinie an die Verschreiber zurückzumelden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die unnötig lange Fortführung der chirurgischen Antibiotikaprophylaxe. Die Leitlinie betont, dass eine Prophylaxe über 24 Stunden nach der Operation hinaus nicht empfohlen wird, da die Evidenz für einen zusätzlichen Nutzen fehlt. Ein automatischer Stopp der Verordnung (Automatic Stop Order) nach einer Einzeldosis wird als effektive und einfache AMS-Intervention hervorgehoben.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie besteht ein optimales multidisziplinäres AMS-Team aus einem Arzt (idealerweise Infektiologe), einem Apotheker, einer Pflegekraft und einem Mikrobiologen. In kleineren Einrichtungen kann auch ein einzelner AMS-Champion (z. B. Arzt oder Apotheker) mit Zugang zu externer Expertise diese Rolle übernehmen.

Die Leitlinie empfiehlt die Nutzung von definierten Tagesdosen (DDD) pro 100 oder 1000 Patiententagen als Standardmetrik. Diese Daten können oft aus den Abgabedaten der Krankenhausapotheke generiert werden, ohne dass patientenindividuelle Daten erforderlich sind.

Die AWaRe-Klassifikation teilt Antibiotika in die Gruppen ACCESS (Mittel der ersten Wahl), WATCH (höheres Resistenzpotenzial) und RESERVE (letzte Reserve) ein. Es wird empfohlen, diese Einteilung zu nutzen, um den Einsatz von Breitbandantibiotika zu überwachen und zu steuern.

Ein IV-zu-Oral-Switch wird empfohlen, sobald der klinische Zustand des Patienten stabil ist und die gastrointestinale Absorption nicht beeinträchtigt ist. Dies reduziert laut Leitlinie die Liegedauer und das Risiko katheterassoziierter Infektionen.

Bei dieser Methode überprüfen geschulte AMS-Teammitglieder (z. B. während einer Visite) die aktuelle Antibiotikatherapie in Echtzeit. Sie geben dem verschreibenden Arzt direkt mündliche oder schriftliche Empfehlungen zur Optimierung, beispielsweise zur Deeskalation oder Dosisanpassung.

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Quelle: Antimicrobial stewardship programmes in health-care facilities in low-and middle-income countries: a WHO practical toolkit (WHO, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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