Antidepressiva bei GAD: Wirksamkeit und Verträglichkeit
Hintergrund
Die generalisierte Angststörung (GAS) ist eine häufige psychische Erkrankung, die durch übermäßige Ängste und ständige Sorgen gekennzeichnet ist. Sie betrifft Frauen im Allgemeinen doppelt so häufig wie Männer und geht oft mit einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität einher.
Zur medikamentösen Behandlung werden häufig Antidepressiva eingesetzt, insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Ein aktueller Cochrane Review aus dem Jahr 2025 untersucht die Evidenz dieser Wirkstoffgruppen im Vergleich zu Placebo.
Ziel der Meta-Analyse war es, die Wirksamkeit, Akzeptanz und Verträglichkeit verschiedener Antidepressiva bei Erwachsenen mit primärer GAS zu bewerten. Personen mit schweren medizinischen Begleiterkrankungen wurden aus den analysierten Studien ausgeschlossen.
Empfehlungen
Der Cochrane Review liefert folgende zentrale Erkenntnisse zur Behandlung der generalisierten Angststörung:
Wirksamkeit und Ansprechen
Laut Review sind Antidepressiva bei der Reduktion von Angstsymptomen wirksamer als Placebo (Evidenzgrad Hoch). Die Auswertung zeigt einen deutlichen klinischen Nutzen:
-
Die Ansprechrate (Reduktion der Symptome um mindestens 50 Prozent auf der HAM-A-Skala) ist unter Antidepressiva signifikant höher.
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Auch die Remissionsraten fallen unter der medikamentösen Therapie signifikant besser aus.
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Diese positiven Effekte wurden gleichermaßen für SSRI, SNRI und andere untersuchte Antidepressiva nachgewiesen.
Vergleich der klinischen Endpunkte
Die Meta-Analyse quantifiziert den Nutzen und die Risiken der Antidepressiva-Therapie im Vergleich zu Placebo wie folgt:
| Klinischer Endpunkt | Effekt (Relatives Risiko) | Klinische Relevanz |
|---|---|---|
| Klinisches Ansprechen (HAM-A) | Erhöht (RR 1,41) | NNTB = 7 |
| Therapieabbruch (Gesamt) | Kein Unterschied (RR 1,03) | Neutral |
| Abbruch wegen mangelnder Wirksamkeit | Verringert (RR 0,41) | NNTB = 27 |
| Abbruch wegen Nebenwirkungen | Erhöht (RR 2,18) | NNTH = 17 |
Akzeptanz und Therapieabbrüche
Die allgemeine Akzeptanz der Therapie unterscheidet sich laut Analyse nicht signifikant von Placebo. Es zeigen sich jedoch Unterschiede bei den spezifischen Abbruchgründen.
Unter Antidepressiva brechen signifikant weniger Personen die Therapie wegen mangelnder Wirksamkeit ab. Gleichzeitig kommt es unter Verum häufiger zu Therapieabbrüchen aufgrund von unerwünschten Nebenwirkungen (Evidenzgrad Hoch).
Nebenwirkungen und Lebensqualität
Der Review dokumentiert ein erhöhtes Risiko für spezifische unerwünschte Ereignisse unter der medikamentösen Therapie. Insbesondere Schläfrigkeit und Benommenheit treten unter Antidepressiva häufiger auf als unter Placebo.
Hinsichtlich schwerwiegender Ereignisse wie Suizidgedanken oder -versuchen sowie bei Agitation und Angst zeigt die Auswertung keinen signifikanten Unterschied zu Placebo. Zudem weisen die Daten auf eine verbesserte Lebensqualität unter der Antidepressiva-Therapie hin.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Review ist bei der Aufklärung über Antidepressiva bei generalisierter Angststörung besonders auf das erhöhte Risiko für Therapieabbrüche durch Nebenwirkungen hinzuweisen. Obwohl die Medikamente hochwirksam sind, beendet einer von 17 Behandelten die Therapie vorzeitig aufgrund von unerwünschten Wirkungen wie Schläfrigkeit. Es wird nahegelegt, dieses Nutzen-Risiko-Verhältnis individuell abzuwägen.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review bestätigt die Wirksamkeit von SSRI, SNRI sowie weiteren Antidepressiva (wie Agomelatin oder Vilazodon) im Vergleich zu Placebo. Für alle untersuchten Klassen konnte eine signifikant höhere Ansprechrate nachgewiesen werden.
Laut der Meta-Analyse liegt die NNTB für ein klinisches Ansprechen (Reduktion der Symptome um mindestens 50 Prozent) bei 7. Das bedeutet, dass sieben Personen behandelt werden müssen, um bei einer zusätzlichen Person ein Ansprechen zu erreichen.
Die Gesamtabbruchrate unterscheidet sich laut Auswertung nicht von Placebo. Allerdings brechen unter Antidepressiva weniger Personen wegen mangelnder Wirksamkeit ab, dafür aber signifikant mehr aufgrund von Nebenwirkungen.
Die vorliegenden Daten des Reviews zeigen keinen signifikanten Unterschied zwischen Antidepressiva und Placebo hinsichtlich Suizidwünschen, -gesten oder -versuchen. Die Evidenz für diesen spezifischen Endpunkt ist jedoch begrenzt.
Die Analyse hebt hervor, dass insbesondere Schläfrigkeit und Benommenheit unter der Therapie mit Antidepressiva signifikant häufiger berichtet werden als unter Placebo.
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Quelle: Cochrane Review: Antidepressants versus placebo for generalised anxiety disorder (GAD) (Cochrane, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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