CochraneIa2023

Angehörigenanwesenheit bei Reanimation: Stress & PTSD

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Patientinnen, Patienten und ihre Angehörigen erwarten zunehmend, in Behandlungsentscheidungen einbezogen zu werden. Auch während einer Wiederbelebung oder akutmedizinischen Versorgung besteht oft der Wunsch nach der Anwesenheit von Familienmitgliedern.

Es bestehen jedoch Bedenken, dass dies bei Angehörigen zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) führen könnte. Zudem wird diskutiert, ob die Anwesenheit die Arbeit der Gesundheitsfachkräfte negativ beeinflusst oder die Privatsphäre der behandelten Person gefährdet.

Der vorliegende Cochrane Review (2023) untersucht die Evidenz zu den Auswirkungen der Anwesenheit von Familienangehörigen während einer Wiederbelebung. Dabei werden psychologische Folgen für Angehörige, die Belastung des medizinischen Personals sowie die Patientenmortalität beleuchtet.

Empfehlungen

Der Review fasst die Ergebnisse aus zwei randomisiert kontrollierten Studien mit insgesamt 595 Teilnehmenden zusammen. Aufgrund der sehr niedrigen Vertrauenswürdigkeit der Evidenz können laut den Autoren keine eindeutigen Schlussfolgerungen gezogen werden.

Psychologische Auswirkungen auf Angehörige

Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die Anwesenheit während der Reanimation psychologische Vorteile haben könnte. Es zeigten sich folgende Tendenzen:

  • Eine mögliche Verringerung von PTSD-bezogenen Symptomen.

  • Eine potenzielle Abnahme von Angstzuständen und Depressionen.

  • Ein möglicherweise reduziertes Auftreten von komplizierter Trauer.

Der Review betont jedoch, dass diese Effekte aufgrund des hohen Verzerrungsrisikos (Risk of Bias) der eingeschlossenen Studien sehr unsicher sind.

Auswirkungen auf Patienten und Personal

Die Anwesenheit der Familie zeigte in den untersuchten Studien keine negativen Auswirkungen auf die medizinischen Maßnahmen. Ein Vergleich der Endpunkte zeigt folgende Resultate:

Untersuchte VariableEffekt durch Anwesenheit (FPDR)Evidenzgrad (GRADE)
PTSD bei AngehörigenMögliche VerringerungSehr niedrig
Angst und DepressionMögliche VerringerungSehr niedrig
Überleben der PatientenKein statistischer UnterschiedSehr niedrig
Dauer der ReanimationKein statistischer UnterschiedNiedrig
Stress des PersonalsKein statistischer UnterschiedSehr niedrig

Belastung des medizinischen Personals

Ein häufig geäußerter Kritikpunkt ist die mögliche Stressbelastung für das Behandlungsteam. In einer der eingeschlossenen Studien wurde die persönliche Belastung der Gesundheitsfachkräfte mittels visueller Analogskala gemessen.

Dabei wurde kein statistischer Unterschied in der Stressintensität zwischen Reanimationen mit und ohne anwesende Angehörige festgestellt.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Review weist darauf hin, dass die Evidenzbasis zur Anwesenheit von Angehörigen bei Reanimationen aktuell sehr schwach ist. Es wird hervorgehoben, dass in der Praxis oft eine Diskrepanz zwischen dem Wunsch der Angehörigen nach Anwesenheit und den Bedenken des medizinischen Personals besteht. Eine klare, standardisierte Kommunikation im Team wird als essenziell erachtet, um in Akutsituationen den Umgang mit Angehörigen zu strukturieren.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Review gibt es Hinweise darauf, dass die Anwesenheit von Angehörigen das Risiko für eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) sogar verringern könnte. Die Evidenz hierfür wird jedoch als sehr unsicher eingestuft.

Die ausgewerteten Daten zeigen keinen negativen Einfluss auf die Dauer der Reanimation oder die Überlebensrate der behandelten Personen. Auch die Stressbelastung des medizinischen Personals war in den untersuchten Studien nicht signifikant erhöht.

Der Review zitiert internationale Fachgesellschaften wie den European Resuscitation Council, der anrät, Angehörigen die Anwesenheit anzubieten. Die Autoren des Reviews betonen jedoch, dass die wissenschaftliche Evidenz für eine feste Empfehlung derzeit noch unzureichend ist.

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Quelle: Cochrane Review: Family presence during resuscitation (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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