Adipositas bei GI- und Lebererkrankungen: Therapie
Hintergrund
Die gemeinsame Leitlinie der ESPEN und UEG (2023) befasst sich mit dem Management von Adipositas bei Patienten mit chronischen gastrointestinalen und hepatologischen Erkrankungen. Hierzu zählen chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED), Reizdarmsyndrom (RDS), Zöliakie, gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD), Pankreatitis und chronische Lebererkrankungen (CLD) wie die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD).
Ein zentrales Ziel der Adipositastherapie in diesem Kollektiv ist die Reduktion der Fettmasse bei gleichzeitigem Erhalt der Muskelmasse. Die Leitlinie betont die hohe klinische Relevanz der sarkopenischen Adipositas, welche insbesondere bei Leberzirrhose und CED häufig auftritt und mit einer schlechteren Prognose assoziiert ist.
Die Empfehlungen richten sich an Ärzte in der Allgemeinmedizin, Gastroenterologie und Chirurgie sowie an Ernährungsfachkräfte. Sie umfassen das Screening, die konservative Therapie, den Einsatz von Anti-Adipositas-Medikamenten und die Indikationsstellung zur bariatrischen Chirurgie.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Praxisaspekt der Leitlinie ist die eingeschränkte Aussagekraft des konventionellen Ultraschalls bei Patienten mit einer Adipositas Grad II oder III. Es wird darauf hingewiesen, dass eine Steatosis hepatis in dieser Patientengruppe sonografisch oft übersehen wird. Daher sollten alternative Verfahren wie MRI-PDFF oder CAP herangezogen werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird bei Patienten mit GERD und Adipositas der Roux-en-Y-Magenbypass (RYGB) als bevorzugtes bariatrisches Verfahren empfohlen. Dieser Eingriff zeigt die beste Wirkung hinsichtlich der Reduktion von Refluxsymptomen.
Ja, eine bariatrische Operation ist bei entsprechender Indikation möglich. Die Leitlinie empfiehlt jedoch, auf malabsorptive Verfahren zu verzichten und stattdessen darmsparende Operationen wie den Schlauchmagen (Sleeve Gastrectomy) zu bevorzugen.
Es wird eine Proteinzufuhr von 1,2 g/kg des angepassten Körpergewichts (ABW) pro Tag empfohlen. Befindet sich der Patient in einem Gewichtsreduktionsprogramm, sollte die Zufuhr laut Leitlinie auf 1,2 bis 1,5 g/kg ABW gesteigert werden, um einem Muskelabbau vorzubeugen.
Die Leitlinie empfiehlt GLP-1-Rezeptoragonisten wie Liraglutid oder Semaglutid als Anti-Adipositas-Medikamente der ersten Wahl bei NASH. Voraussetzung ist, dass keine dekompensierte Lebererkrankung vorliegt.
Zur Prävention einer Gallensteinbildung während der rapiden Gewichtsabnahme wird die prophylaktische Gabe von Ursodeoxycholsäure (UDCA) empfohlen. Die Leitlinie stuft dies als starke Empfehlung ein.
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Quelle: ESPEN/UEG Practical Guideline: Obesity Care in Patients with Gastrointestinal and Liver Diseases (ESPEN/UEG (European Society for Clinical Nutrition / United European Gastroenterology), 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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