Achtsamkeitsbasierte Therapie bei Sucht: Wirksamkeit
Hintergrund
Substanzgebrauchsstörungen (SUDs) sind weltweit stark verbreitet und gehen mit einer erheblichen gesundheitlichen Belastung einher. Obwohl evidenzbasierte Therapien existieren, verbleiben viele Betroffene symptomatisch und Rückfälle sind häufig.
Achtsamkeitsbasierte Interventionen (MBIs) rücken zunehmend als ergänzende Behandlungsoption in den Fokus. Diese Ansätze umfassen ein strukturiertes Training in Achtsamkeitsmeditation, um den Umgang mit Suchtdruck (Craving) und negativen Emotionen zu verbessern.
Dieser Artikel fasst die Ergebnisse eines systematischen Cochrane Reviews (2021) zusammen. Die Meta-Analyse untersucht die Wirksamkeit von MBIs im Vergleich zu keiner Behandlung oder anderen etablierten Therapien bei Erwachsenen mit Substanzgebrauchsstörungen (exklusive Tabak).
Empfehlungen
Der systematische Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse folgende Kernaussagen zur Wirksamkeit:
Vergleich mit keiner Behandlung
Beim Vergleich von achtsamkeitsbasierten Interventionen mit unbehandelten Kontrollgruppen zeigt die Evidenz eine hohe Unsicherheit. Laut Meta-Analyse lassen sich keine eindeutigen Effekte für folgende Endpunkte belegen (sehr niedrige Evidenz):
-
Kontinuierliche Abstinenzrate
-
Prozentualer Anteil der Tage mit Substanzkonsum
-
Konsumierte Menge an Substanzen
-
Intensität des Suchtdrucks (Craving)
Vergleich mit anderen Therapien
Im Vergleich zu anderen Behandlungen (wie kognitiver Verhaltenstherapie oder Standardversorgung) zeigen MBIs potenziell leichte Vorteile. Der Review legt nahe, dass MBIs den prozentualen Anteil der Tage mit Substanzkonsum nach der Behandlung und im Follow-up (4 bis 10 Monate) geringfügig reduzieren können (niedrige Evidenz).
Für andere suchtbezogene Endpunkte wie die kontinuierliche Abstinenz oder die konsumierte Menge bleibt die Evidenzlage im Vergleich zu anderen Therapien sehr ungewiss.
Die folgende Tabelle fasst die Evidenzgrade (GRADE) für die wichtigsten klinischen Endpunkte beim Vergleich von MBIs mit anderen Behandlungen zusammen:
| Klinischer Endpunkt | Effekt durch MBI (vs. andere Therapie) | Evidenzgrad (GRADE) |
|---|---|---|
| Tage mit Substanzkonsum | Geringfügige Reduktion | Niedrig |
| Therapieabbruchrate | Kein relevanter Unterschied | Hoch |
| Kontinuierliche Abstinenz | Ungewisser Effekt | Sehr niedrig |
| Konsumierte Menge | Ungewisser Effekt | Sehr niedrig |
| Craving-Intensität | Ungewisser Effekt | Sehr niedrig |
Therapieakzeptanz und Sicherheit
Ein zentrales Ergebnis der Meta-Analyse betrifft die Akzeptanz der Behandlung. Es wird belegt, dass MBIs im Vergleich zu keiner Behandlung oder anderen Therapien zu keiner oder nur einer minimalen Erhöhung der Abbruchraten führen (hohe Evidenz).
Hinsichtlich der Sicherheit wurden in den eingeschlossenen Studien nur selten unerwünschte Ereignisse systematisch erfasst. Die verfügbaren Daten deuten jedoch nicht darauf hin, dass MBIs zu schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen führen.
💡Praxis-Tipp
Achtsamkeitsbasierte Interventionen eignen sich laut Evidenzlage derzeit nicht als alleiniger Ersatz für etablierte Standardtherapien, da die Überlegenheit bei harten Endpunkten wie der Abstinenzrate ungewiss ist. Sie stellen jedoch eine sichere und gut akzeptierte Ergänzung dar, die den Anteil der Konsumtage geringfügig reduzieren kann, ohne die Therapieabbruchrate zu erhöhen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist die Evidenz bezüglich der Reduktion von Craving durch achtsamkeitsbasierte Interventionen sehr ungewiss. Die eingeschlossenen Studien zeigten stark heterogene Ergebnisse, sodass keine verlässliche Aussage getroffen werden kann.
Nein, die Meta-Analyse belegt mit hoher Evidenz, dass achtsamkeitsbasierte Interventionen im Vergleich zu Standardtherapien oder keiner Behandlung nicht zu vermehrten Therapieabbrüchen führen. Die Akzeptanz der Methode bei den Betroffenen ist demnach gut.
Eine generelle Überlegenheit lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Es gibt lediglich Hinweise von niedriger Evidenz, dass MBIs die Anzahl der Tage mit Substanzkonsum im Vergleich zu anderen Therapien geringfügig stärker reduzieren könnten.
In den analysierten Studien wurden unerwünschte Ereignisse nur selten systematisch berichtet. Die wenigen verfügbaren Daten zeigen jedoch keine Hinweise auf schwerwiegende unerwünschte Wirkungen durch die Interventionen.
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Quelle: Cochrane Review: Mindfulness-based interventions for substance use disorders (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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