Zystische Fibrose (CF): Evidenz für Atemmuskeltraining
Hintergrund
Zystische Fibrose (Mukoviszidose) ist die häufigste autosomal-rezessive Erkrankung in der weißen Bevölkerung. Sie führt bei den meisten Betroffenen zu einer fortschreitenden Einschränkung der Lungenfunktion und zu respiratorischen Komplikationen.
Ein Training der Atemmuskulatur (inspiratorisch oder exspiratorisch) wird in der Praxis häufig eingesetzt, um die Lungenfunktion und die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Trainingsmethoden umfassen unter anderem das Training mit Widerstand oder die normokapnische Hyperpnoe.
Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2020 evaluiert die Wirksamkeit dieses Trainings. Es wurden zehn randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 238 Teilnehmenden eingeschlossen, die eine große methodische Heterogenität aufwiesen.
Empfehlungen
Der Cochrane Review fasst die aktuelle Evidenzlage zum Atemmuskeltraining bei Zystischer Fibrose zusammen. Aufgrund der sehr niedrigen Studienqualität können keine definitiven Schlüsse zur Wirksamkeit gezogen werden.
Lungenfunktion und körperliche Belastbarkeit
Laut Review ergaben die Analysen der primären Endpunkte folgendes Bild:
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Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen der Trainings- und der Kontrollgruppe hinsichtlich der Lungenfunktion (FEV1 und FVC).
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Die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) und die Gehstrecke im Sechs-Minuten-Gehtest blieben unverändert.
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Eine einzelne Studie berichtete über eine zehnprozentige Verbesserung der Belastungsdauer bei einem Training mit 60 % der maximalen Anstrengung (sehr niedrige Evidenzqualität).
Lebensqualität und Atemmuskelfunktion
Bei den sekundären Endpunkten zeigten sich in einzelnen Studien isolierte Effekte:
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Eine Studie zeigte Verbesserungen in den Bereichen "Mastery" und "Emotion" der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei einem Training mit 80 % der maximalen Anstrengung.
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Zwei Studien berichteten über eine Verbesserung der maximalen inspiratorischen Druckwerte (PImax) nach dem Training.
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Eine weitere Studie verzeichnete eine signifikant verlängerte Ausdauer der Atemmuskulatur in der Trainingsgruppe.
Klinische Implikationen
Da die Evidenz nicht ausreicht, um den Nutzen der Intervention abschließend zu beurteilen, formulieren die Autoren keine generelle Empfehlung. Es wird stattdessen angeraten, den Einsatz eines Atemmuskeltrainings bei Personen mit Zystischer Fibrose im Einzelfall abzuwägen.
Für zukünftige Forschungen wird die Verwendung standardisierter Messmethoden und eine höhere methodische Qualität gefordert. Dabei sollten Endpunkte wie Atemmuskelfunktion, Lungenfunktion, körperliche Belastbarkeit und Exazerbationsraten im Fokus stehen.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Cochrane Review gibt es derzeit keine belastbare Evidenz, die einen routinemäßigen Einsatz des Atemmuskeltrainings bei allen Betroffenen mit Zystischer Fibrose rechtfertigt. Die Entscheidung für oder gegen diese Therapieform sollte daher stets individuell und fallbasiert getroffen werden. Dabei ist zu beachten, dass die bisherigen Studien eine sehr hohe methodische Heterogenität bezüglich der Trainingsintensität und -dauer aufweisen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review konnte in den bisherigen Studien kein signifikanter Unterschied in der Lungenfunktion (FEV1 und FVC) durch das Training nachgewiesen werden. Die Evidenzqualität für diesen Endpunkt wird von den Autoren als sehr niedrig eingestuft.
Die Datenlage hierzu ist uneinheitlich. Eine einzelne Studie im Review berichtete über Verbesserungen in bestimmten Bereichen der Lebensqualität, wenn mit hoher Intensität trainiert wurde, jedoch ist auch hier die Evidenzqualität sehr gering.
Die Autoren des Reviews betonen, dass die aktuelle Datenlage keine generelle Empfehlung für oder gegen das Training zulässt. Es wird angeraten, die Anwendung auf individueller Basis von Fall zu Fall zu entscheiden.
Die eingeschlossenen Studien weisen eine extreme Bandbreite an Trainingsmethoden auf. Die Intensität variierte in den Untersuchungen zwischen 20 % und 80 % der maximalen Anstrengung bei unterschiedlichsten Frequenzen und Dauern.
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Quelle: Cochrane Review: Respiratory muscle training for cystic fibrosis (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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