NICEA2005Psychiatrie

Zwangsstörungen (OCD) & BDD: Diagnostik und Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2005 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2005)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Zwangsstörungen (OCD) und die körperdysmorphe Störung (BDD) sind oft mit starker Scham und erheblichen Einschränkungen im Alltag verbunden. Die NICE-Leitlinie bietet einen strukturierten Stufenplan (Stepped-Care-Modell) für die Erkennung, Beurteilung und Behandlung dieser Erkrankungen.

Die Leitlinie richtet sich an Fachkräfte, die Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 8 Jahren behandeln. Ein besonderer Fokus liegt auf der Aufklärung über die unfreiwillige Natur der Symptome und der Einbeziehung von Angehörigen in den therapeutischen Prozess.

Es wird betont, dass die Übergänge zwischen den Versorgungsstufen und Altersgruppen nahtlos gestaltet werden sollten. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Primär- und Sekundärversorgung wird für den langfristigen Behandlungserfolg als essenziell erachtet.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen nach dem Stepped-Care-Modell:

Screening und Diagnostik

Bei Risikogruppen wie Personen mit Depressionen, Ängsten, Substanzmissbrauch oder in dermatologischer Behandlung wird ein aktives Screening auf Zwangsstörungen (OCD) und körperdysmorphe Störungen (BDD) empfohlen.

Für BDD wird empfohlen, spezifisch nach der Sorge um das Aussehen und dem täglichen Zeitaufwand zu fragen. Ein gedanklicher Aufwand von mehr als 1 Stunde pro Tag gilt als exzessiv.

Es wird eine sorgfältige Risikobeurteilung bezüglich Selbstverletzung und Suizidalität empfohlen. Dies gilt insbesondere bei komorbider Depression.

Therapie bei Erwachsenen

Die Leitlinie empfiehlt, die Therapieintensität an den Schweregrad der funktionalen Einschränkung anzupassen:

  • Bei leichter Ausprägung werden psychologische Interventionen geringer Intensität empfohlen (z. B. kurze kognitive Verhaltenstherapie [KVT] mit Exposition und Reaktionsverhinderung [ERP]).

  • Bei mittelschwerer Ausprägung wird die Wahl zwischen einem SSRI oder einer intensiveren KVT (über 10 Therapiestunden) empfohlen.

  • Bei schwerer Ausprägung wird eine Kombinationstherapie aus SSRI und KVT (inklusive ERP) empfohlen.

Als initiale SSRI bei OCD werden Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin oder Citalopram empfohlen. Bei BDD wird primär Fluoxetin empfohlen.

Therapie bei Kindern und Jugendlichen

Als Therapie der ersten Wahl bei Kindern und Jugendlichen mit OCD oder BDD wird eine altersgerechte KVT (inklusive ERP) unter Einbeziehung der Familie empfohlen.

Eine medikamentöse Therapie mit SSRI wird laut Leitlinie nur nach fachärztlicher Beurteilung und primär in Kombination mit einer KVT empfohlen.

Es wird eine engmaschige Überwachung auf Suizidgedanken und Feindseligkeit empfohlen. SSRIs sind bei jüngeren Patienten in der Frühphase der Therapie mit diesen Risiken assoziiert.

Therapieresistenz und Nachsorge

Bei unzureichendem Ansprechen auf SSRI und KVT nach 12 Wochen wird eine multidisziplinäre Fallbesprechung empfohlen. Als medikamentöse Alternative nach erfolglosem SSRI-Versuch wird Clomipramin empfohlen.

Nach Erreichen einer Remission wird eine regelmäßige Überwachung für 12 Monate empfohlen, bevor eine Rücküberweisung in die Primärversorgung erfolgt.

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät vom routinemäßigen Einsatz folgender Medikamente als Monotherapie bei OCD oder BDD ohne Komorbiditäten ab:

  • Trizyklische Antidepressiva (mit Ausnahme von Clomipramin)

  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) wie Venlafaxin

  • Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer)

  • Anxiolytika (außer zur kurzzeitigen Überbrückung einer initialen SSRI-Aktivierung)

Zudem wird von der Verwendung von Antipsychotika als Monotherapie zur Behandlung von OCD oder BDD abgeraten.

ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, intrusive sexuelle, aggressive oder todesbezogene Gedanken bei OCD-Patienten fälschlicherweise als akutes Gefährdungsrisiko zu interpretieren. Diese Themen sind häufig und erfordern bei Unsicherheit die Konsultation eines erfahrenen Spezialisten. Zudem wird eine besonders engmaschige Überwachung von jungen Erwachsenen (unter 30 Jahren) bei Beginn einer SSRI-Therapie empfohlen, da ein erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und Agitation (Akathisie) bestehen kann.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt als initiale medikamentöse Therapie einen SSRI wie Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin oder Citalopram. Bei unzureichendem Ansprechen kann im weiteren Verlauf auf Clomipramin gewechselt werden.

Es wird empfohlen, die SSRI-Therapie bei Erwachsenen nach Erreichen einer Remission für mindestens 12 Monate fortzusetzen. Bei Kindern und Jugendlichen wird eine Fortführung für mindestens 6 Monate nach Remission empfohlen.

Als Erstlinientherapie wird eine altersadaptierte kognitive Verhaltenstherapie (KVT) mit Exposition und Reaktionsverhinderung (ERP) unter Einbeziehung der Familie empfohlen. Medikamente sollten nur bei moderater bis schwerer Ausprägung und unzureichendem Ansprechen auf KVT erwogen werden.

Es wird empfohlen, gezielt nach der Sorge um das Aussehen und dem täglichen Zeitaufwand dafür zu fragen. Ein gedanklicher Aufwand von mehr als einer Stunde pro Tag gilt laut Leitlinie als exzessiv und hinweisend auf BDD.

Die Leitlinie rät von der routinemäßigen Anwendung von Antipsychotika als Monotherapie bei OCD oder BDD ab. Sie können jedoch nach multidisziplinärer Prüfung als Augmentationsstrategie zu einem SSRI in Betracht gezogen werden.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: NICE Guideline on OCD (NICE, 2005). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.