Zellulitis und Erysipel: Antibiose und Dosierung
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG141 befasst sich mit der antimikrobiellen Verschreibungspraxis bei Zellulitis (Phlegmone) und Erysipel. Diese bakteriellen Infektionen des subkutanen Gewebes werden meist durch Streptococcus pyogenes oder Staphylococcus aureus verursacht.
Vor dem Beginn einer antibiotischen Therapie wird empfohlen, andere Ursachen für Hautrötungen auszuschließen. Dazu zählen entzündliche Reaktionen auf Insektenstiche oder Impfungen sowie nicht-infektiöse Ursachen wie eine chronisch venöse Insuffizienz.
Zudem betont die Leitlinie die Wichtigkeit der Behandlung von Grunderkrankungen, die eine Zellulitis oder ein Erysipel begünstigen können. Hierzu gehören unter anderem Diabetes mellitus, venöse Insuffizienz, Ekzeme oder medikamentös bedingte Ödeme.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management von Zellulitis und Erysipel:
Diagnostik und Beurteilung
Laut Leitlinie wird ein mikrobiologischer Abstrich nur empfohlen, wenn die Haut verletzt ist und zusätzliche Risikofaktoren vorliegen. Zu diesen Faktoren zählen penetrierende Verletzungen, Kontakt mit wasserbürtigen Erregern oder im Ausland erworbene Infektionen.
Vor Behandlungsbeginn sollte die Ausdehnung der Infektion mit einem chirurgischen Einweg-Markierungsstift umrandet werden, um den Verlauf zu kontrollieren. Die Leitlinie weist darauf hin, dass Rötungen bei dunkleren Hauttönen schwerer erkennbar sein können.
Antibiotische Therapie
Es wird empfohlen, primär orale Antibiotika einzusetzen, sofern die betroffene Person diese einnehmen kann und der Schweregrad keine intravenöse Gabe erfordert. Bei einer intravenösen Therapie sollte nach 48 Stunden eine Überprüfung stattfinden, um wenn möglich auf eine orale Gabe umzustellen.
Die Auswahl des Antibiotikums richtet sich nach:
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Dem Schweregrad der Symptome
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Dem Infektionsort (z. B. Nähe zu Augen oder Nase)
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Dem Risiko für ungewöhnliche Erreger oder MRSA
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Vorherigen mikrobiologischen Befunden
Reevaluation und Überweisung
Eine erneute ärztliche Beurteilung wird empfohlen, wenn sich die Symptome rasch verschlechtern, nach 2 bis 3 Tagen keine Besserung eintritt oder systemische Beschwerden auftreten.
Eine sofortige Krankenhauseinweisung wird bei Anzeichen für schwerwiegende Komplikationen empfohlen. Hierzu zählen laut Leitlinie orbitale Zellulitis, Osteomyelitis, septische Arthritis, nekrotisierende Fasziitis oder Sepsis.
Prophylaxe
Die Leitlinie rät von einer routinemäßigen Antibiotikaprophylaxe zur Verhinderung rezidivierender Episoden ab.
Spezialisten können eine prophylaktische Therapie bei Erwachsenen erwägen, die in den vergangenen 12 Monaten mindestens zwei separate, im Krankenhaus oder fachärztlich behandelte Episoden hatten. Diese Prophylaxe sollte mindestens alle 6 Monate überprüft werden.
Dosierung
Die Leitlinie empfiehlt folgende Dosierungen für Erwachsene (ab 18 Jahren):
| Indikation | Medikament | Dosierung | Dauer |
|---|---|---|---|
| Erste Wahl (Standard) | Flucloxacillin | 500 mg bis 1 g 4x täglich oral (oder 1-2 g 4x tgl. i.v.) | 5-7 Tage |
| Penicillinallergie | Clarithromycin | 500 mg 2x täglich oral oder i.v. | 5-7 Tage |
| Schwangerschaft (Penicillinallergie) | Erythromycin | 500 mg 4x täglich oral | 5-7 Tage |
| Alternative bei Penicillinallergie | Doxycyclin | Tag 1: 200 mg, dann 100 mg 1x täglich oral | 5-7 Tage |
| Infektion nahe Augen/Nase | Amoxicillin/Clavulansäure | 500/125 mg 3x täglich oral (oder 1,2 g 3x tgl. i.v.) | 7 Tage |
| Augen/Nase + Penicillinallergie | Clarithromycin + Metronidazol | Clarithromycin 500 mg 2x tgl. + Metronidazol 400 mg 3x tgl. oral | 7 Tage |
| Prophylaxe (Erwachsene) | Phenoxymethylpenicillin | 250 mg 2x täglich oral | Fortlaufend |
| Prophylaxe (Penicillinallergie) | Erythromycin | 250 mg 2x täglich oral | Fortlaufend |
Für Kinder ab 1 Monat bis unter 18 Jahren gelten folgende Dosierungen für die erste Wahl (Flucloxacillin oral):
| Alter | Medikament | Dosierung (oral) | Dauer |
|---|---|---|---|
| 1 Monat bis 1 Jahr | Flucloxacillin | 62,5 mg bis 125 mg 4x täglich | 5-7 Tage |
| 2 bis 9 Jahre | Flucloxacillin | 125 mg bis 250 mg 4x täglich | 5-7 Tage |
| 10 bis 17 Jahre | Flucloxacillin | 250 mg bis 500 mg 4x täglich | 5-7 Tage |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Warnhinweise und Kontraindikationen für die eingesetzten Antibiotika:
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Tetracycline (z. B. Doxycyclin): Dürfen nicht bei schwangeren oder stillenden Frauen eingesetzt werden. Bei Kindern unter 12 Jahren sind sie kontraindiziert oder nur bei lebensbedrohlichen Infektionen ohne Alternativen anzuwenden, da sie zu Zahnverfärbungen und Zahnschmelzhypoplasie führen können.
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Makrolide: Sollen bei Personen mit einer Prädisposition für eine QT-Intervall-Verlängerung mit Vorsicht angewendet werden.
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Flucloxacillin und Amoxicillin/Clavulansäure: Es besteht das Risiko eines cholestatischen Ikterus. Bei Flucloxacillin steigt das Risiko mit zunehmendem Alter und einer Anwendungsdauer von über 14 Tagen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist darauf hin, dass sich die Rötung zu Beginn der antibiotischen Therapie zunächst weiter ausbreiten kann und die Haut auch nach Abschluss einer erfolgreichen Behandlung Zeit benötigt, um sich vollständig zu normalisieren. Es wird empfohlen, die Betroffenen darüber aufzuklären, um unnötige Therapieeskalationen zu vermeiden. Zudem wird betont, dass Rötungen bei dunkleren Hauttönen klinisch schwerer zu beurteilen sein können.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt in den meisten Fällen eine Behandlungsdauer von 5 bis 7 Tagen. Bei unzureichendem Ansprechen kann die Dauer nach klinischer Beurteilung auf bis zu 14 Tage verlängert werden.
Als Mittel der ersten Wahl wird laut Leitlinie orales Flucloxacillin empfohlen. Bei einer Penicillinallergie gelten Clarithromycin oder Doxycyclin als geeignete Alternativen.
Ein mikrobiologischer Abstrich wird nur empfohlen, wenn die Haut verletzt ist und besondere Umstände vorliegen. Dazu gehören laut Leitlinie penetrierende Verletzungen, Kontakt mit verunreinigtem Wasser oder Infektionen, die im Ausland erworben wurden.
Bei Infektionen in der Nähe von Augen oder Nase wird Amoxicillin/Clavulansäure als erste Wahl empfohlen, da hier ein höheres Risiko für intrakranielle Komplikationen besteht. Bei einer Penicillinallergie wird eine Kombination aus Clarithromycin und Metronidazol empfohlen.
Eine routinemäßige Prophylaxe wird nicht empfohlen. Spezialisten können sie jedoch bei Erwachsenen erwägen, die innerhalb von 12 Monaten mindestens zwei schwere, im Krankenhaus oder fachärztlich behandelte Episoden erlitten haben.
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Quelle: NG141: Suicidal thoughts and behaviour: assessment, treatment and management (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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