Malaria-Interventionen: WHO-Leitlinie zur Priorisierung
📋Auf einen Blick
- •Frühe Diagnostik und effektive Therapie haben oberste Priorität und dürfen bei Ressourcenmangel niemals reduziert werden.
- •Die intermittierende präventive Therapie für Schwangere (IPTp) muss zwingend beibehalten werden.
- •Bei der Vektorkontrolle sind insektizidbehandelte Netze (ITNs) und Innenraumbesprühung (IRS) nicht parallel einzusetzen (kein Co-Deployment).
- •In Gebieten mit Pyrethroid-Resistenz sind Pyrethroid-Chlorfenapyr-ITNs die erste Wahl.
- •Neue Chemopräventionsstrategien dürfen nicht zulasten der Basisversorgung (Case Management und Vektorkontrolle) priorisiert werden.
Hintergrund
Die WHO empfiehlt ein subnationales Tailoring (SNT), um bei begrenzten finanziellen Mitteln die wirkungsvollsten Malaria-Interventionen für spezifische Populationen auszuwählen. Die Priorisierung erfordert genaue Kenntnisse der lokalen Transmissionsintensität und der historischen Krankheitslast.
Die WHO definiert die Malaria-Transmissionslevel wie folgt:
| Level | Fälle pro 1.000 Einwohner/Jahr | Prävalenzrate (PR) |
|---|---|---|
| Hoch | > 450 | P. falciparum PR > 35% |
| Moderat | 250–450 | P. falciparum/P. vivax PR 10–35% |
| Niedrig | 100–250 | P. falciparum/P. vivax PR 1–10% |
| Sehr niedrig | < 100 | P. falciparum/P. vivax PR > 0 und < 1% |
Grundprinzipien der Priorisierung
Bei Ressourcenmangel gelten folgende eiserne Regeln für das Management und die Prävention:
- Oberstes Ziel: Vermeidung von Todesfällen. Der Zugang zu früher Diagnostik und effektiver Behandlung muss für alle garantiert sein und darf unter keinen Umständen reduziert werden.
- Surveillance: Investitionen in epidemiologische und entomologische Überwachung sowie in die Kompetenz des Gesundheitspersonals dürfen nicht gekürzt werden.
- Schwangere: Die intermittierende präventive Therapie (IPTp) in der Schwangerenvorsorge hat höchste Priorität und darf nicht eingeschränkt werden.
- Gemeindeebene: Der Ausbau des Case Managements für akute fieberhafte Erkrankungen in abgelegenen Gebieten ist in allen Transmissionssettings zu priorisieren.
Vektorkontrolle (ITN und IRS)
Die WHO empfiehlt insektizidbehandelte Netze (ITNs) und Innenraumbesprühung (IRS) für den großflächigen Einsatz. Ein Co-Deployment (gleichzeitige Anwendung von ITN und IRS) wird nicht empfohlen.
Insektizidbehandelte Netze (ITNs)
- Zielgruppen: Schwangere und Kinder unter 5 Jahren haben bei der Netzverteilung absolute Priorität.
- Ausschlusskriterien: Gebiete mit sehr niedriger Transmission (< 1% PR, meist urbane Gebiete) können von ITN-Kampagnen ausgeschlossen werden. Ausnahme: Es liegt ein Vorkommen von Anopheles stephensi vor. In urbanen Gebieten ist stattdessen Larvizidierung zu erwägen.
Bei Vorliegen einer Pyrethroid-Resistenz der Vektoren gilt folgendes Stufenschema für die Beschaffung:
| Priorität | ITN-Typ | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1 | Pyrethroid-Chlorfenapyr | Höchste Priorität für maximalen Impact |
| 2 | Pyrethroid-Piperonylbutoxid (PBO) | Zweite Wahl |
| 3 | Pyrethroid-Pyriproxyfen | Dritte Wahl |
| Nicht empfohlen | Reine Pyrethroid-Netze | Sollten idealerweise vermieden werden |
Innenraumbesprühung (IRS)
IRS ist pro geschützter Person teurer als ITNs. Bei Ressourcenmangel sollte kein Scale-up von IRS erfolgen. IRS sollte primär für die Epidemie-Vorsorge beibehalten werden. In Gebieten mit stabiler Transmission und Pyrethroid-Resistenz sollte ein Wechsel von IRS zu ITNs erwogen werden, falls IRS-Kampagnen nicht flächendeckend aufrechterhalten werden können.
Impfungen und Chemoprävention
- Impfstoffe: Die WHO empfiehlt die Impfstoffe RTS,S/AS01 und R21-Matrix M für Kinder in Gebieten mit moderater bis hoher Transmission.
- Saisonale Malaria-Chemoprävention (SMC): Sollte möglichst nicht reduziert werden. Falls unvermeidbar, sind nach dem Prinzip des "geringsten Schadens" jene Gebiete zu de-priorisieren, die vor Einführung der SMC die niedrigste Inzidenz aufwiesen.
- Neue Strategien: Neue Chemopräventionsansätze (z.B. für Schulkinder, nach Krankenhausentlassung oder perennierende Chemoprävention) dürfen nicht zulasten der Basisversorgung (Case Management und Vektorkontrolle) implementiert werden.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie auf den gleichzeitigen Einsatz von insektizidbehandelten Netzen (ITNs) und Innenraumbesprühung (IRS) in derselben Region. Setzen Sie bei nachgewiesener Pyrethroid-Resistenz primär auf Pyrethroid-Chlorfenapyr-Netze.