Infektionsprävention (IPC): WHO-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Weltweit ist durchschnittlich 1 von 10 Patienten von nosokomialen Infektionen (HAI) betroffen.
- •Effektive Programme zur Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) können HAI-Raten um über 30 % senken.
- •Mangelnde Händehygiene betrifft durchschnittlich 61 % des medizinischen Personals.
- •Patienten mit MRSA-Infektionen haben eine um 50 % höhere Sterblichkeit.
- •Klinische Überwachung (Surveillance) trägt zu einer Reduktion von HAI um 25 bis 57 % bei.
Hintergrund
Nosokomiale Infektionen (Health care-associated infections, HAI) betreffen weltweit jährlich hunderte Millionen Menschen. Eine HAI ist eine Infektion, die während der Behandlung in einem Krankenhaus oder einer anderen Gesundheitseinrichtung erworben wird und bei Aufnahme weder vorhanden noch in der Inkubationsphase war.
Die Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) ist ein evidenzbasierter Ansatz, um Patienten und medizinisches Personal vor diesen vermeidbaren Infektionen zu schützen.
Globale Daten und Fakten
Die Belastung durch nosokomiale Infektionen ist weltweit hoch:
- Allgemeine Häufigkeit: Weltweit ist durchschnittlich 1 von 10 Patienten von einer HAI betroffen. In Akutkrankenhäusern erwerben 7 von 100 Patienten in Industrieländern und 15 von 100 in Entwicklungsländern mindestens eine HAI.
- Intensivmedizin: In einkommensstarken Ländern sind bis zu 30 % der Intensivpatienten betroffen; in Entwicklungsländern ist die Rate 2- bis 3-mal höher.
- Händehygiene: Durchschnittlich 61 % des medizinischen Personals halten sich nicht an die empfohlenen Händehygiene-Praktiken.
- Antimikrobielle Resistenzen (AMR): Patienten mit MRSA-Infektionen haben eine um 50 % höhere Wahrscheinlichkeit zu sterben als solche mit nicht-resistenten Stämmen.
- Neonatologie: Bei im Krankenhaus geborenen Säuglingen sind Infektionen für 4 % bis 56 % aller Todesfälle in der Neonatalperiode verantwortlich.
Determinanten nosokomialer Infektionen
Die Ursachen für HAIs variieren je nach den verfügbaren Ressourcen der Gesundheitseinrichtung:
| Setting | Hauptrisikofaktoren |
|---|---|
| Alle Einrichtungen | Unangemessener Einsatz von invasiven Devices und Antibiotika, Hochrisiko-Eingriffe, Immunsuppression, mangelhafte Umsetzung von IPC-Maßnahmen |
| Ressourcenarme Settings | Schlechte Wasser- und Sanitärversorgung, unzureichendes Equipment, Personalmangel und Überbelegung, fehlende IPC-Leitlinien |
Evidenz zur Wirksamkeit von IPC
Die Implementierung von Best Practices in der Infektionsprävention führt zu einer signifikanten Reduktion von Patientenleid und Infektionsraten:
| Maßnahme / Programm | Nachgewiesener Effekt |
|---|---|
| Effektive IPC-Programme | > 30 % Reduktion der HAI-Raten |
| Surveillance (Überwachung) | 25 - 57 % Reduktion von HAI |
| Verbesserung der Händehygiene | 50 % Reduktion der Erregerübertragung |
| Starke IPC-Pläne (USA 2008-2014) | ZVK-Infektionen -50 %, SSI (chirurgische Wundinfektionen) -17 %, MRSA-Bakteriämie -13 % |
| Sicherheitsprogramme (Afrika) | SSI-Risiko -44 % |
WHO-Initiativen
Die WHO unterstützt die globale Infektionsprävention unter anderem durch die Kampagne "SAVE LIVES: Clean Your Hands". Diese hat maßgeblich dazu beigetragen, die Händehygiene weltweit zu verbessern und die lokale Produktion von alkoholbasierter Händedesinfektion in über 30 Ländern zu etablieren.
💡Praxis-Tipp
Etablieren Sie eine konsequente Surveillance und fördern Sie die Händehygiene auf Station: Allein durch verbesserte Händehygiene lässt sich die Erregerübertragung um 50 % reduzieren.