Handhygiene im Alltag: Neue WHO-Leitlinie (2025)
📋Auf einen Blick
- •Die WHO empfiehlt für den Alltag primär Wasser und einfache Seife; alkoholbasierte Desinfektion (ABHR) ist eine Alternative bei nicht sichtbar verschmutzten Händen.
- •Antimikrobielle Seifen, chlorhaltige Antiseptika sowie Sand oder Asche werden für den Standardgebrauch ausdrücklich nicht empfohlen.
- •Es gelten 5 Schlüsselmomente für die Handhygiene im Alltag, darunter vor der Essenszubereitung und nach dem Toilettengang.
- •Regierungen tragen die Hauptverantwortung für die Bereitstellung der Kernanforderungen (Materialien, Informationen, förderliches Umfeld).
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie (2025) adressiert die Handhygiene in sogenannten "Community Settings" (Gemeinschaftseinrichtungen, öffentliche Räume, Haushalte). Ziel ist die Reduktion von Durchfallerkrankungen und akuten Atemwegsinfektionen. Regierungen stehen in der Pflicht, durch politische, rechtliche und finanzielle Maßnahmen die Handhygiene als kritische Public-Health-Intervention zu fördern (Starke Empfehlung, moderate Evidenz).
Unterschiede: Gesundheitswesen vs. Alltag
Die Anforderungen an die Handhygiene unterscheiden sich je nach Setting deutlich:
| Merkmal | Gesundheitswesen | Alltag (Community Settings) |
|---|---|---|
| Zielgruppe | Gesundheitspersonal, Patienten, Besucher | Allgemeinbevölkerung (gemischtes Alter/Gesundheitsstatus) |
| Exposition | Direkter/indirekter Kontakt mit Patienten, Körperflüssigkeiten | Geringere Frequenz direkter Pathogenexposition, Atemwege, fäkal-oral |
| Schlüsselmomente | "My 5 Moments" (am Point of Care) | 5 Alltags-Schlüsselmomente (z.B. vor dem Essen, nach Toilette) |
| Material der Wahl | Alkoholbasierte Händedesinfektion (ABHR) | Wasser und einfache Seife (ABHR als Alternative) |
Empfohlene Materialien zur Handhygiene
Die WHO spricht eine starke Empfehlung für die Nutzung von einfacher Seife und Wasser aus.
- Einfache Seife: Flüssig-, Stück- oder Pulverseife. Antimikrobielle Seifen werden wegen möglicher Gesundheits- und Umweltrisiken (z.B. durch Triclosan) nicht empfohlen.
- Wasser: Fließendes oder gegossenes Wasser. Bei unbekannter Wasserqualität ist das Waschen mit Seife dennoch effektiv.
- Alkoholbasierte Händedesinfektion (ABHR): Eine effektive Alternative (mind. 60% Alkohol), wenn die Hände nicht sichtbar verschmutzt sind oder Wasser/Seife fehlen.
- Nicht empfohlen: Sand, Asche, chlorhaltige Antiseptika oder antimikrobielle Feuchttücher (außer als letztes Mittel in absoluten Notfällen ohne Alternativen).
- Trocknung: Saubere Einmalpapierhandtücher oder Lufttrocknung. Das Trocknen an der eigenen Kleidung wird nicht empfohlen, da es zur Rekontamination führt.
Die 5 Schlüsselmomente der Handhygiene
Im Alltag sollte die Handhygiene routinemäßig zu folgenden Zeiten durchgeführt werden (Starke Empfehlung, niedrige Evidenz für die Zeitpunkte):
- Vor der Zubereitung von Lebensmitteln
- Vor dem Essen oder dem Füttern/Stillen anderer
- Nach der Toilettennutzung oder dem Umgang mit Fäkalien
- Nach dem Husten, Niesen oder Naseputzen
- Wenn die Hände sichtbar verschmutzt sind
Kernanforderungen für erfolgreiche Handhygiene
Um Handhygiene nachhaltig zu etablieren und Verhaltensänderungen herbeizuführen, müssen drei Kernanforderungen erfüllt sein (Starke Empfehlung):
| Anforderung | Beschreibung |
|---|---|
| 1. Minimale materielle Bedürfnisse | Zuverlässiger, gerechter Zugang zu ausreichend fließendem Wasser und Seife (oder ABHR) sowie eine sichere Abwasserentsorgung. |
| 2. Informationen | Aufklärung über das Warum (Wichtigkeit), Wann (Schlüsselmomente) und Wie (Technik der Handhygiene). |
| 3. Förderliches Umfeld | Physisch (bequeme, attraktive, leicht nutzbare Einrichtungen) und sozial (Etablierung von sozialen Normen, Vorbildern und positiver Verstärkung). |
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei der Patientenaufklärung die klare Unterscheidung der WHO: Im Krankenhaus ist die alkoholische Händedesinfektion der Standard, im häuslichen Umfeld reicht einfache Seife und Wasser völlig aus. Raten Sie Patienten aktiv von antimikrobiellen Seifen für den Hausgebrauch ab.