WASH in Gesundheitseinrichtungen: Leitlinie (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Weltweit fehlt in jeder vierten Gesundheitseinrichtung eine grundlegende Wasserversorgung.
- •Die WHO definiert 8 praktische Schritte zur Erreichung einer universellen WASH-Versorgung bis 2030.
- •WASH-Maßnahmen sind essenziell zur Prävention von maternaler und neonataler Sepsis, Cholera und antimikrobieller Resistenz (AMR).
- •Alkoholbasierte Händedesinfektion (ABHR) ist lebensrettend, ersetzt aber keine sichere Wasserversorgung.
Hintergrund
Eine angemessene Versorgung mit Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene (WASH) in Gesundheitseinrichtungen ist eine Grundvoraussetzung für eine qualitativ hochwertige, sichere und würdevolle Patientenversorgung. Ein Mangel an WASH-Infrastruktur begünstigt gesundheitsassoziierte Infektionen (HCAI), die Ausbreitung von antimikrobieller Resistenz (AMR) und gefährdet die Sicherheit von Müttern und Neugeborenen.
Laut dem Joint Monitoring Programme (JMP) von WHO und UNICEF weisen Gesundheitseinrichtungen weltweit erhebliche Defizite auf:
| Bereich | Fehlende Basisversorgung | Betroffene Menschen |
|---|---|---|
| Wasserversorgung | 1 von 4 Einrichtungen | 896 Millionen |
| Sanitäranlagen | 1 von 5 Einrichtungen | 1,5 Milliarden |
Nicht-Krankenhäuser (z. B. primäre Versorgungszentren) sind im Vergleich zu Krankenhäusern doppelt so häufig von fehlender Wasser- oder Sanitärversorgung betroffen.
Globale Ziele für WASH
Die WHO und UNICEF haben klare Zielvorgaben definiert, um eine universelle Basisversorgung in allen Gesundheitseinrichtungen (primär, sekundär und tertiär) zu erreichen:
| Jahr | Zielvorgabe (Basis-WASH-Versorgung) |
|---|---|
| 2022 | 60 % aller Gesundheitseinrichtungen weltweit |
| 2025 | 80 % aller Gesundheitseinrichtungen weltweit |
| 2030 | 100 % aller Gesundheitseinrichtungen weltweit |
Die 8 praktischen Schritte zur Umsetzung
Um diese Ziele zu erreichen und WASH-Dienste nachhaltig zu verbessern, empfiehlt die Leitlinie ein systematisches Vorgehen in acht Schritten:
| Schritt | Maßnahme | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1 | Situationsanalyse & Bewertung | Erfassung von Richtlinien, Finanzierung und aktuellem WASH-Status als Basis für die Planung. |
| 2 | Ziele setzen & Roadmap definieren | Entwicklung eines nationalen Plans durch eine intersektorale Taskforce (Gesundheit, Wasser, Finanzen). |
| 3 | Nationale Standards etablieren | Integration von WASH in Qualitätsrichtlinien und Infektionspräventions-Strategien (IPC). |
| 4 | Infrastruktur verbessern & warten | Bereitstellung von Budgets für Bau, Betrieb und Instandhaltung (inkl. Abfallmanagement). |
| 5 | Daten überwachen & überprüfen | Integration von WASH-Indikatoren in routinemäßige Gesundheitsinformationssysteme. |
| 6 | Gesundheitspersonal entwickeln | Regelmäßige Schulungen zu WASH und IPC für klinisches und nicht-klinisches Personal (z. B. Reinigungskräfte). |
| 7 | Gemeinschaften einbinden | Einbezug der Bevölkerung in die Gestaltung und Bewertung der Einrichtungen. |
| 8 | Forschung & Wissensaustausch | Testen und Skalieren innovativer Ansätze sowie Evaluierung der Maßnahmen. |
Klinische Relevanz und Interventionen
Selbst in ressourcenschwachen Umgebungen können kostengünstige Interventionen (wie tragbare Handwaschstationen oder einfache Trinkwasserspender) die Ausbreitung von Infektionen schnell reduzieren.
Ein wichtiger Baustein ist die alkoholbasierte Händedesinfektion (ABHR). Sie ist eine lebensrettende Technologie und besonders in Einrichtungen ohne funktionierende Waschbecken effektiv. Die Leitlinie betont jedoch ausdrücklich: ABHR ist kein Ersatz für eine sichere, zuverlässige Wasserversorgung. Bei Geburten oder nach der Toilettennutzung ist die Verwendung von Wasser und Seife zwingend erforderlich.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie alkoholbasierte Händedesinfektionsmittel (ABHR) als wichtige Sofortmaßnahme zur Infektionsprävention, beachten Sie jedoch, dass diese eine funktionierende Wasserversorgung (z. B. bei Geburten oder nach Toilettengängen) nicht ersetzen können.