Mpox & Massenveranstaltungen: WHO-Leitlinie 2024
📋Auf einen Blick
- •Entscheidungen über Veranstaltungen erfordern einen risikobasierten Ansatz aus Bewertung, Minderung und Kommunikation.
- •Gesundheitsbehörden sollen auf reisebeschränkende Maßnahmen wie Temperaturkontrollen oder Testpflichten bei der Einreise verzichten.
- •Veranstalter müssen Reaktionsprotokolle für Verdachtsfälle entwickeln und Hygienemaßnahmen wie Handwaschstationen sicherstellen.
- •Symptomatische Personen müssen Veranstaltungen fernbleiben; nach einer Infektion wird 12 Wochen lang Kondomnutzung empfohlen.
Hintergrund
Mpox wird durch das Affenpockenvirus (MPXV) verursacht, von dem zwei Kladen (I und II) existieren. Während der Ausbruch 2022–2023 vor allem Männer betraf, die Sex mit Männern haben (Klade IIb), zeigt der Ausbruch 2024 in Afrika (Klade Ib) ein anderes Bild: Hier sind häufig Sexarbeiter, heterosexuelle Partner, Kinder sowie Personen in beengten Verhältnissen (z. B. Gefängnisse, Flüchtlingslager, Schulen) betroffen. Am 14. August 2024 rief die WHO eine gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite (PHEIC) aus.
Risikobasierter Ansatz für Veranstaltungen
Die WHO empfiehlt, Entscheidungen über die Durchführung, Anpassung oder Absage von Veranstaltungen nicht pauschal zu treffen, sondern einen risikobasierten Ansatz zu verfolgen, der regelmäßig neu bewertet wird:
| Schritt | Maßnahme | Ziel |
|---|---|---|
| Risikobewertung | Identifikation des Basisrisikos | Analyse basierend auf Veranstaltungstyp, Epidemiologie und Teilnehmerprofil |
| Risikominderung | Implementierung von Vorsichtsmaßnahmen | Reduktion der identifizierten Übertragungsrisiken (z. B. Anpassung der Dauer oder Interaktionsart) |
| Risikokommunikation | Informationsaustausch | Aufklärung über Maßnahmen und individuellen Gesundheitsschutz |
Empfehlungen für Gesundheitsbehörden
Behörden müssen die nationalen Kapazitäten zur Mpox-Reaktion stärken. Zu den Kernaufgaben gehören:
- Keine Reisebeschränkungen: Vermeidung unnötiger Störungen von Reise- und Handelsverkehr. Kein spezifisches Temperatur-Screening und keine Test- oder Impfpflicht für die Einreise.
- Schulung: Training von Klinikpersonal und Ersthelfern bezüglich Symptomen, Falldefinitionen, Diagnostik und klinischem Management.
- Überwachung: Integration von Mpox in nationale Überwachungssysteme und Sicherstellung der Diagnostik (inkl. Genomsequenzierung).
- Impfung: Impfungen werden nur für Risikogruppen (z. B. enge Kontakte) empfohlen, nicht für die Allgemeinbevölkerung.
Maßnahmen für Veranstalter
Veranstalter müssen eng mit den Gesundheitsbehörden kooperieren und ein Reaktionsprotokoll für Verdachtsfälle etablieren.
| Bereich | Konkrete Maßnahmen |
|---|---|
| Infrastruktur | Bereitstellung von Handwaschstationen (Wasser/Seife) oder alkoholbasierten Desinfektionsmitteln an Ein-/Ausgängen, Toiletten und Essbereichen. |
| Reaktionsprotokoll | Erkennung von Symptomen, Isolationsbereiche vor Ort, Meldung an Behörden und medizinische Überweisung. |
| Kommunikation | Aufklärung von Personal und Teilnehmern über Symptome, Übertragungswege und Hygienemaßnahmen (z. B. via Social Media, Flyer, Durchsagen). |
| Kontaktverfolgung | Bereitstellung von Teilnehmerlisten und Kooperation mit Behörden bei der Identifikation von Kontaktpersonen. |
Empfehlungen für Teilnehmer
Für Personen, die an Veranstaltungen teilnehmen, gelten spezifische Verhaltensregeln zur Minimierung des Infektionsrisikos:
- Hochrisikogruppen sollten vorab ärztlichen Rat zu Präventivmaßnahmen (inkl. Impfung) einholen.
- Personen mit Mpox-Symptomen (Ausschlag, Fieber, geschwollene Lymphknoten, Halsschmerzen) müssen Veranstaltungen fernbleiben und medizinische Hilfe suchen.
- Enger Kontakt (einschließlich sexueller Kontakte) zu symptomatischen Personen ist strikt zu meiden.
- Treten Symptome nach einer Veranstaltung auf, muss die medizinische Einrichtung vorab informiert und auf den Veranstaltungsbesuch hingewiesen werden.
- Nach einer Genesung wird empfohlen, für 12 Wochen Kondome beim Geschlechtsverkehr zu verwenden.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei der Einreise- und Zugangskontrolle auf spezifische Temperatur- oder Test-Screenings für Mpox, da die WHO dies explizit nicht empfiehlt. Fokussieren Sie sich stattdessen auf Aufklärung und leicht zugängliche Handhygiene.