Klimaresiliente Gesundheitseinrichtungen: WHO-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Gesundheitseinrichtungen müssen sich an klimabedingte Schocks anpassen und gleichzeitig ihre eigenen Umweltauswirkungen minimieren.
- •Vier Grundvoraussetzungen sind essenziell: Gesundheitspersonal, Wasser/Sanitärversorgung (WASH), Energie sowie Infrastruktur und Technologien.
- •Extreme Wetterereignisse gefährden die Infrastruktur, unterbrechen Lieferketten und erhöhen das Aufkommen klimasensibler Krankheiten.
- •Umweltfreundliche Maßnahmen umfassen die Reduktion von Treibhausgasen, nachhaltige Beschaffung und sicheres Abfallmanagement.
- •Die Umsetzung erfordert ein multisektorales Team zur Bewertung der Ausgangslage und Identifikation von Schwachstellen durch Stresstests.
Hintergrund
Gesundheitseinrichtungen sind zunehmend durch den Klimawandel bedroht und tragen gleichzeitig durch Treibhausgasemissionen und Abfallproduktion selbst zur Umweltbelastung bei. Die WHO-Leitlinie zielt darauf ab, Einrichtungen klimaresilient und ökologisch nachhaltig zu gestalten. Klimaresilienz bedeutet die Fähigkeit, klimabedingte Schocks und Stressfaktoren zu antizipieren, darauf zu reagieren und sich anzupassen. Ökologische Nachhaltigkeit erfordert die Optimierung des Ressourcenverbrauchs und die Minimierung von Umweltbelastungen.
Vier Grundvoraussetzungen für sichere Versorgung
Die Leitlinie definiert vier Kernbereiche, die für die Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung unter klimatischen Belastungen essenziell sind:
| Bereich | Beschreibung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Gesundheitspersonal | Ausreichend qualifiziertes Personal mit sicheren Arbeitsbedingungen. | Muss über Umweltrisiken informiert und handlungsfähig sein. |
| WASH & Abfallmanagement | Nachhaltiges Management von Wasser, Sanitäranlagen und medizinischen Abfällen. | Essenziell für Infektionsprävention und Ausbruchskontrolle. |
| Energie | Zuverlässige und nachhaltige Energiedienstleistungen. | Notwendig für Kühlung, Sterilisation und medizinische Geräte. |
| Infrastruktur & Technologie | Angemessene Gebäude, Technologien, Produkte und Prozesse. | Umfasst auch nachhaltige Lieferketten und Bauweisen. |
Klimabedingte Risiken für Gesundheitseinrichtungen
Extreme Wetterereignisse und schleichende Klimaveränderungen haben direkte und indirekte Auswirkungen auf den Klinikbetrieb:
| Klimaeffekt | Gesundheitsrisiko | Konsequenzen für die Einrichtung |
|---|---|---|
| Hitzewellen & Dürren | Hitzschlag, Exazerbation kardiovaskulärer Erkrankungen. | Erhöhter Energie- und Wasserbedarf, Überlastung der Kapazitäten. |
| Starkregen & Überschwemmungen | Wasser- und lebensmittelübertragene Krankheiten (z. B. Cholera). | Ausfall der Wasserversorgung, Schäden an Infrastruktur und Geräten. |
| Veränderte Vektorenverbreitung | Zunahme von vektorübertragenen Krankheiten (z. B. Malaria, Dengue). | Unerwartete Ausbrüche, erhöhter Bedarf an Überwachungssystemen. |
Umweltauswirkungen durch den Klinikbetrieb
Einrichtungen müssen ihre eigenen negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der Gemeinschaft reduzieren:
| Umweltaspekt | Risiko | Auswirkungen auf die Einrichtung |
|---|---|---|
| Wasser | Übermäßiger Verbrauch und ineffiziente Nutzung führen zu Wasserknappheit. | Einschränkung von Hygienemaßnahmen und medizinischen Prozeduren. |
| Medizinischer Abfall & Chemikalien | Unzureichend behandelter Abfall, Exposition gegenüber gefährlichen Chemikalien. | Erhöhtes Risiko für Infektionen, Vergiftungen und Verletzungen beim Personal. |
| Energie & Emissionen | Nutzung fossiler Brennstoffe führt zu Luftverschmutzung und Treibhausgasen. | Langfristige Gesundheitsschäden beim Personal und in der Bevölkerung. |
| Beschaffung | Unsichere und nicht nachhaltige Lieferketten. | Erhöhtes Abfallaufkommen und Umweltverschmutzung. |
Instrumente und Umsetzung
Um die Klimaresilienz zu stärken, empfiehlt die WHO verschiedene Instrumente:
- Stresstests: Szenariobasierte Simulationen (z. B. für Überschwemmungen), um Schwachstellen der Einrichtung zu identifizieren.
- Hospital Safety Index (HSI): Ein schnelles und kostengünstiges Diagnosetool zur Bewertung der strukturellen und funktionalen Sicherheit eines Krankenhauses bei Notfällen.
- WASH FIT: Ein Instrument zur Verbesserung von Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene, um Einrichtungen sicherer und umweltfreundlicher zu machen.
Schritte zur Implementierung:
- Multisektorales Team bilden: Einbindung von Klinikmanagement, Personal und externen Akteuren (z. B. Kommunalverwaltung).
- Ausgangslage ermitteln (Baseline): Bewertung der aktuellen Klimaresilienz und ökologischen Nachhaltigkeit der Einrichtung.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie regelmäßige Stresstests für extreme Wetterereignisse (z. B. Hitzewellen oder Stromausfälle) durch und nutzen Sie den Hospital Safety Index (HSI), um die strukturelle und funktionale Sicherheit Ihres Krankenhauses kostengünstig zu bewerten.