Nationale Anpassungspläne Gesundheit (HNAP): WHO-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Das Gesundheitsministerium sollte die Entwicklung des Health National Adaptation Plan (HNAP) federführend leiten.
- •Grundlage des HNAP ist ein evidenzbasiertes Vulnerabilitäts- und Anpassungs-Assessment (V&A).
- •Klimasensible Gesundheitsrisiken müssen systematisch erfasst und länderspezifisch priorisiert werden.
- •Die sektorübergreifende Koordination (z.B. mit Wasser-, Agrar- und Energiesektor) ist essenziell für den Erfolg.
- •Der Plan erfordert eine konkrete Ressourcenkalkulation und eine Strategie zur Mittelbeschaffung.
- •Eine regelmäßige Überarbeitung und Evaluation des HNAP wird in einem Fünf-Jahres-Zyklus empfohlen.
Hintergrund
Ein Health National Adaptation Plan (HNAP) ist ein vom Gesundheitsministerium entwickelter Plan im Rahmen des nationalen Anpassungsprozesses (NAP) an den Klimawandel. Ziel ist es, ein klimaresilientes Gesundheitssystem aufzubauen, das die Bevölkerung vor den gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels schützt und gleichzeitig die Bewältigung anderer Gesundheitsbedrohungen verbessert. Die WHO hat sechs zentrale Qualitätskriterien für die Erstellung und Implementierung definiert.
Die 6 Qualitätskriterien für HNAPs
Die Entwicklung eines effektiven HNAP sollte sich an folgenden Kernbereichen orientieren:
- Führung und Rahmenbedingungen: Federführung durch das Gesundheitsministerium, offizielle Regierungsbestätigung und Integration in die bestehende nationale Gesundheitsplanung.
- Sektorübergreifende Koordination: Zusammenarbeit mit gesundheitsbestimmenden Sektoren (z.B. Wasser, Landwirtschaft, Energie, Stadtplanung).
- Umfassende Abdeckung klimasensibler Gesundheitsrisiken: Basierend auf Evidenz und Vulnerabilitätsanalysen (V&A).
- Umfassende Anpassungsoptionen: Berücksichtigung von Vulnerabilitätsfaktoren und Priorisierung der Maßnahmen für kurz-, mittel- und langfristige Zeiträume.
- Ressourcenplanung: Kostenschätzung und Strategie zur Ressourcenmobilisierung (z.B. über den Green Climate Fund).
- Monitoring, Evaluation und Berichterstattung (M,E&R): Festlegung von Indikatoren und Mechanismen für regelmäßige Iterationen des Plans.
Klimasensible Gesundheitsrisiken
Eine umfassende Vulnerabilitäts- und Anpassungsbewertung (V&A) ist die Grundlage des HNAP. Folgende Risiken sollten länderspezifisch bewertet werden:
| Kategorie | Beispiele für gesundheitliche Auswirkungen |
|---|---|
| Extreme Wetterereignisse | Verletzungen, Tod, Hitzschlag, Hitzeerschöpfung |
| Atemwegserkrankungen | Infektionen, Asthma, Folgen von Luftverschmutzung |
| Wassergebundene Krankheiten | Cholera, Schistosomiasis, Leptospirose, Algenblüten |
| Vektorübertragene Krankheiten | Malaria, Dengue-Fieber, Zika, Chikungunya, Lyme-Borreliose |
| Zoonosen | Tollwut |
| Mangelernährung & Lebensmittelsicherheit | Untergewicht, Mikronährstoffmangel, lebensmittelbedingte Diarrhö |
| Nicht übertragbare Krankheiten (NCDs) | Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs |
| Psychische Gesundheit | Depressionen, Angstzustände, posttraumatische Belastungsstörungen |
| Auswirkungen auf Gesundheitssysteme | Zerstörung von Infrastruktur, Unterbrechung von Lieferketten und Services |
Vulnerabilitätsfaktoren
Die Auswirkungen des Klimawandels treffen Bevölkerungsgruppen unterschiedlich. Bei der Planung von Anpassungsmaßnahmen müssen folgende Faktoren zwingend berücksichtigt werden, um gezielte Interventionen zu ermöglichen:
- Demografisch: Alter (Kinder, Senioren), Geschlecht, Migrations- und Fluchtdynamiken.
- Biologisch & Gesundheitsstatus: Schwangere, Immunsupprimierte, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderungen.
- Geografisch: Überschwemmungs- oder Dürregebiete, Küstenregionen, städtische vs. ländliche Räume.
- Sozioökonomisch: Armut, Bildungsstand, Zugang zu Gesundheitsversorgung, sicheres Wasser und Sanitäranlagen.
- Soziopolitisch: Politische Instabilität, Konflikte, Zivilrechte.
Implementierung und Monitoring
Für die erfolgreiche Umsetzung fordert die WHO eine Ressourcenmobilisierungsstrategie, da nationale Budgets oft nicht ausreichen. Ein strukturiertes Monitoring- und Evaluationssystem (M,E&R) muss Indikatoren für Prozesse, Ergebnisse und Auswirkungen definieren.
Es wird empfohlen, den HNAP in einem Fünf-Jahres-Zyklus zu überarbeiten, um auf neue klimatische Entwicklungen, Unsicherheiten und technologische Fortschritte reagieren zu können.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie vor der Erstellung des HNAP zwingend ein Vulnerabilitäts- und Anpassungs-Assessment (V&A) durch, um Maßnahmen evidenzbasiert zu priorisieren. Binden Sie zudem frühzeitig andere Sektoren (z.B. Wasserwirtschaft, Landwirtschaft) ein, da viele klimasensible Gesundheitsrisiken außerhalb des direkten Einflussbereichs der Klinik entstehen.