Wachstumsstörung Kind: Bildgebung und Knochenalter

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die AWMF-Leitlinie "Wachstumsstörung bei Kindern - Bildgebende Diagnostik" definiert Wachstumsstörungen als ein Abweichen der Körperlänge unter die 3. Perzentile beziehungsweise über die 97. Perzentile. Auch ein dysproportionales Wachstumsverhältnis von Extremitäten und Körperstamm fällt unter diese Definition.

Die Leitlinie dient als Orientierungshilfe zur Auswahl und Durchführung geeigneter bildgebender Verfahren bei entsprechenden klinischen Symptomen und Fragestellungen. Sie wurde von der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie im Rahmen eines Delphi-Prozesses konsentiert.

Klinischer Kontext

Wachstumsstörungen gehören zu den häufigsten Vorstellungsgründen in der kinderärztlichen Praxis. Etwa zwei bis drei Prozent der pädiatrischen Population weisen ein Längenwachstum unterhalb der 3. oder oberhalb der 97. Perzentile auf, was als Klein- beziehungsweise Großwuchs definiert wird.

Die Pathophysiologie ist äußerst vielgestaltig und reicht von familiären Normvarianten über konstitutionelle Entwicklungsverzögerungen bis hin zu endokrinen, genetischen oder chronisch-systemischen Erkrankungen. Das Knochenalter spiegelt dabei die biologische Reifung des Skelettsystems wider und kann vom chronologischen Alter abweichen.

Eine frühzeitige klinische Einordnung ist essenziell, um behandelbare Grunderkrankungen wie einen Wachstumshormonmangel oder eine Hypothyreose rechtzeitig zu erkennen. Die bildgebende Diagnostik nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein, da sie eine objektive Beurteilung der Skelettreife sowie die Identifikation pathologischer Knochenveränderungen ermöglicht.

Der diagnostische Goldstandard zur Bestimmung des Knochenalters ist die Röntgenaufnahme der linken Hand. Anhand der Ossifikationszentren wird die Skelettreife mit Referenzatlanten verglichen, was eine Prognose der zu erwartenden Erwachsenenendlänge erlaubt.

Wissenswertes

Standardmäßig wird eine Röntgenaufnahme der linken Hand inklusive des Handgelenks angefertigt. Dies dient dem standardisierten Abgleich mit etablierten Referenzatlanten, die historisch auf Aufnahmen der linken Hand basieren.

Im Säuglings- und frühen Kleinkindalter ist die Handröntgenaufnahme oft wenig aussagekräftig, da noch kaum Ossifikationszentren ausgebildet sind. Ab dem zweiten bis dritten Lebensjahr liefert die linke Hand zuverlässigere Ergebnisse zur Beurteilung der Skelettreife.

Die am häufigsten verwendeten Methoden sind die Atlasmethode nach Greulich und Pyle sowie das komplexere Punktesystem nach Tanner und Whitehouse. Beide Verfahren vergleichen die Verknöcherung der Handwurzelknochen und Phalangen mit altersentsprechenden Standards.

Eine Abweichung der Körperhöhe unter die 3. oder über die 97. Perzentile sowie ein deutlicher Knick in der individuellen Wachstumskurve gelten als abklärungsbedürftig. Auch eine starke Diskrepanz zwischen chronologischem und biologischem Alter ist ein wichtiger Indikator für eine mögliche Pathologie.

Die Magnetresonanztomografie wird vor allem zur Abklärung endokriner Ursachen eingesetzt, beispielsweise um eine Hypophysenfehlbildung bei nachgewiesenem Wachstumshormonmangel auszuschließen. Für die reine Knochenalterbestimmung ist das MRT im klinischen Alltag noch kein flächendeckender Standard, wird aber in der Forschung zunehmend evaluiert.

Die Prognose der zu erwartenden Erwachsenengröße basiert auf dem aktuellen chronologischen Alter, der aktuellen Körperhöhe und dem radiologisch ermittelten Knochenalter. Hierfür werden etablierte mathematische Modelle und Tabellenwerke wie die nach Bayley und Pinneau herangezogen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Es wird darauf hingewiesen, dass eine Abschätzung der prospektiven Endgröße nach Bailey-Pinneau erst ab einem Knochenalter von etwa 7 Jahren sinnvoll ist. Bei Säuglingen unter 6 Monaten sollte primär keine Röntgenaufnahme der Hand, sondern eine Aufnahme des Unterschenkels mit Fußwurzel oder eine Sonografie der Kniegelenks-Epiphysenkerne erfolgen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt eine Röntgenaufnahme der linken Hand im dorso-volaren Strahlengang ab dem 6. Lebensmonat als primäres bildgebendes Verfahren.

Es wird primär die Atlasmethode nach Greulich & Pyle empfohlen. Alternativ können die Methoden nach Tanner/Whitehouse oder Thiemann/Nitz sowie validierte KI-Produkte genutzt werden.

Bei Neugeborenen und Säuglingen wird eine Röntgenaufnahme des Unterschenkels inklusive Fußwurzel im seitlichen Strahlengang empfohlen. Alternativ kann eine Sonografie der Epiphysenkerne am Kniegelenk erfolgen.

Laut Leitlinie ist bei einem Dünnschicht-MRT der Hypophyse eine T1-Wichtung obligat, um die Lage der Neurohypophyse beurteilen zu können.

Die Leitlinie gibt an, dass eine Abschätzung der prospektiven Endgröße nach Bailey-Pinneau erst ab einem Knochenalter von circa 7 Jahren möglich ist.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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