Bildgebung Atemwege Kinder: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Routinemäßige Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen sind bei Atemwegsinfektionen nicht indiziert.
- •Bei nicht schwerer ambulant erworbener Pneumonie soll auf ein Röntgenbild in der Regel verzichtet werden.
- •Verlaufskontrollen mittels Röntgen sind nur bei therapeutischer Konsequenz empfohlen.
- •Bei mildem COVID-19 ohne Risikofaktoren ist keine Röntgenuntersuchung indiziert.
- •Nach Stammzelltransplantation ist bei Infektionsverdacht primär eine Niedrigdosis-CT empfohlen.
Hintergrund
Die Abklärung von Atemwegserkrankungen bei Kindern basiert primär auf klinischen Befunden und einer genauen Anamnese zur anatomischen Lokalisierung. Steht eine bildgebende Diagnostik an, ist das konventionelle Röntgenbild des Thorax in einer Ebene (p.a. oder a.p.) das Verfahren der ersten Wahl.
Schnittbildverfahren und Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen sind speziellen Fragestellungen vorbehalten. Bei der Computertomographie (CT) muss die Dosis strikt nach dem ALARA-Prinzip an Alter und Fragestellung angepasst werden. Die Magnetresonanztomographie (MRT) der Lunge zeigt erfolgversprechende Ergebnisse, erfordert jedoch spezielle technische Voraussetzungen und Expertise.
Kernaussagen und Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende zentrale Empfehlungen (alle mit Starkem Konsens):
- Röntgen in 2 Ebenen: Eine routinemäßige Untersuchung in zwei Ebenen soll bei Atemwegsinfektionen nicht durchgeführt werden.
- Ambulant erworbene Pneumonie (CAP): Bei nicht schwerer CAP soll ein Röntgen-Thorax nur in begründeten Ausnahmen (z. B. relevante Vorerkrankungen) erfolgen.
- Verlaufskontrollen: Eine Röntgenkontrolle bei CAP sollte nur erfolgen, wenn sich daraus eine therapeutische Konsequenz ableitet.
- COVID-19: Bei milden Symptomen soll keine Röntgenuntersuchung erfolgen, außer es liegen Risikofaktoren für eine Erkrankungsprogression vor.
- Stammzelltransplantation (SZT): Bei hinreichendem Verdacht auf Atemwegs- oder Lungeninfektionen nach SZT sollte primär eine Niedrigdosis-CT durchgeführt werden.
- MRT als Alternative: Die MRT kann bei bestimmten Fragestellungen alternativ zur CT eingesetzt werden, sofern apparative Ausstattung, Sequenztechnik und Expertise vorhanden sind.
Indikationen zur Bildgebung nach Krankheitsbild
Die folgende Tabelle fasst die empfohlenen bildgebenden Verfahren für wichtige Differenzialdiagnosen zusammen:
| Krankheitsbild | Empfohlene Bildgebung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Pneumothorax | Röntgen | In der Neonatologie primär Ultraschall (US) möglich; CT präoperativ oder bei Rezidiv. |
| Bronchitis | Keine | |
| Croup-Syndrom / Epiglottitis | Keine | |
| Nicht schwere CAP | In der Regel keine | |
| Abszedierende Pneumonie / Tumor | Röntgen (primär) | Ggf. 2. Ebene, CT oder MRT mit Kontrastmittel. |
| Fremdkörperaspiration | Röntgen | Ein negativer Röntgenbefund schließt eine Aspiration nicht aus! Bei klarer Klinik direkt Endoskopie. |
| Asthma | Röntgen | Nur zur Diagnosestellung (Ausschluss Tumor/Fehlbildung) oder bei Komplikationen. |
| Cystische Fibrose | Röntgen, MRT/CT | Einsatz abhängig von Fragestellung und Alter. |
| Atemnotsyndrom (Neonatologie) | Röntgen | Nach Indikation; Ultraschall als Option. |
| Rezidivierende Pneumonie | Röntgen | Ggf. CT/MRT zur weiteren Differenzierung. |
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei unkomplizierten, ambulant erworbenen Pneumonien und akuter Bronchitis auf routinemäßige Röntgenaufnahmen. Bei Verdacht auf Fremdkörperaspiration gilt: Ein unauffälliges Röntgenbild schließt den Fremdkörper nicht aus – bei klarer Anamnese ist die direkte Endoskopie indiziert.