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Hämaturie bei Kindern: Bildgebung (AWMF-Leitlinie)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Sonografie (inklusive Farbdoppler) ist das primäre bildgebende Verfahren bei Hämaturie im Kindesalter.
  • Der gesamte Harntrakt muss sonografisch untersucht werden, auch wenn Harnleiter oft gasbedingt schwer einsehbar sind.
  • Eine MRT ist bei unschlüssigen Ultraschallbefunden und zwingend bei Tumorverdacht indiziert.
  • Die Computertomografie (low-dose CT) bleibt ausgewählten Einzelfällen vorbehalten, etwa zur Steindetektion oder Interventionsplanung.
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Hintergrund

Die Hämaturie bei Kindern und Jugendlichen ist definiert als schmerzlose oder schmerzhafte Beimengung von Blut oder Erythrozyten zum Urin. Dabei wird zwischen der mit bloßem Auge sichtbaren Makrohämaturie und der nur mikroskopisch nachweisbaren Mikrohämaturie unterschieden.

Klinische und laborchemische Untersuchungen ergeben oft bereits eine Verdachtsdiagnose. Für den weiteren diagnostischen Ablauf bei Erkrankungen der Nieren und Harnwege ist die Sonografie (US) bei pädiatrischen Patienten das entscheidende Basisverfahren. Hierbei ist stets der gesamte Harntrakt zu untersuchen.

Bildgebende Modalitäten im Überblick

  • Sonografie (US): Primäres Basisverfahren. Harnleiter sind infolge von Gasüberlagerungen oft nur unvollständig zu beurteilen.
  • MRT und MR-Urografie: Ergänzende Diagnostik bei unschlüssigem Sonografiebefund.
  • Computertomografie (CT): Kommt nur in ausgewählten Einzelfällen bei direkter Therapierelevanz zum Einsatz.

Bildgebung bei Nierenerkrankungen

Fragestellung / ErkrankungPrimäre BildgebungErgänzende Diagnostik / Kommentar
NephrolithiasisUS + FKDSGgf. low-dose CT; Röntgen vor Lithotripsie
Nierentrauma (Polytrauma)US + FKDSGgf. MRT/CT; Beurteilung von Hohlraumverletzungen
NiereninfarktUS + FKDSGgf. CEUS (off-label), ggf. MRT
NierenvenenthromboseUS + FKDS-
NierenparenchymerkrankungenUS + FKDSBestimmung Nierenvolumen (Perzentilenabgleich); ggf. CEUS
NierenzystenUSWeiterführend MRT
Nierentumor (z.B. Wilms)US + FKDS (Nierenvenen/V. cava inf.)MRT zwingend erforderlich (Tumor-Leitlinien beachten)
PyelonephritisUS + FKDSGgf. CEUS
NierenabszessUSGgf. CEUS; MRT inkl. DWI und Kontrastmittel

Bildgebung bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege

Ureteren (Harnleiter)

FragestellungPrimäre BildgebungErgänzende Diagnostik / Kommentar
HarnleitersteinUS + FKDSGgf. low-dose CT; Röntgen vor Lithotripsie
TumorUS + FKDSMRT (Tumor-Leitlinien beachten)

Harnblase

FragestellungPrimäre BildgebungErgänzende Diagnostik / Kommentar
FremdkörperUSGgf. Röntgen
BlasensteinUSGgf. Röntgen vor Therapie
BlasentumorUSMRT (Tumor-Leitlinien beachten)
ZystitisGgf. USGgf. Miktionszysturethrografie (MCU)
BlasendivertikelUSGgf. Miktionsurosonographie (MUS)

Urethra (Harnröhre)

FragestellungPrimäre BildgebungErgänzende Diagnostik / Kommentar
Urethra-FremdkörperGgf. US-
UrethritisKeine-
UrethradivertikelMCU / ggf. MUSUS
Urethra-Trauma (Beckenverletzung)CTMCU / ggf. MUS

Kernaussagen und Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert zwei zentrale Empfehlungen mit starkem Konsens (9/10):

  • Empfehlung 1 (Steindetektion): Die low-dose CT kann zur Steindetektion in sonografisch nicht einsehbaren Harnleiterabschnitten eingesetzt werden. Zudem ist sie bei komplexen Steinkonfigurationen ergänzend zur Interventionsplanung nutzbar.
  • Empfehlung 2 (Tumorverdacht): Ein sonografisch tumorverdächtiger Befund soll mittels MRT weiter untersucht werden. Hierbei sind die spezifischen Tumor-Leitlinien (z.B. Protokolle der GPOH) zu beachten.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie die Sonografie als primäres Diagnostikum und untersuchen Sie stets den gesamten Harntrakt. Bei einem sonografischen Tumorverdacht ist die MRT die zwingende Methode der Wahl zur weiteren Abklärung.

Häufig gestellte Fragen

Die Sonografie (Ultraschall) ist das primäre bildgebende Verfahren. Es muss stets der gesamte Harntrakt untersucht werden.
Ein CT wird nur in ausgewählten Einzelfällen durchgeführt, beispielsweise als low-dose CT zur Steindetektion in nicht einsehbaren Harnleiterabschnitten oder zur Interventionsplanung bei komplexen Steinen.
Ein sonografisch tumorverdächtiger Befund soll laut Leitlinie zwingend mittels MRT weiter untersucht werden (Starker Konsens).
Laut Leitlinie ist bei einer Urethritis primär keine Bildgebung erforderlich.

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