Hämaturie bei Kindern: Bildgebung (AWMF-Leitlinie)
📋Auf einen Blick
- •Die Sonografie (inklusive Farbdoppler) ist das primäre bildgebende Verfahren bei Hämaturie im Kindesalter.
- •Der gesamte Harntrakt muss sonografisch untersucht werden, auch wenn Harnleiter oft gasbedingt schwer einsehbar sind.
- •Eine MRT ist bei unschlüssigen Ultraschallbefunden und zwingend bei Tumorverdacht indiziert.
- •Die Computertomografie (low-dose CT) bleibt ausgewählten Einzelfällen vorbehalten, etwa zur Steindetektion oder Interventionsplanung.
Hintergrund
Die Hämaturie bei Kindern und Jugendlichen ist definiert als schmerzlose oder schmerzhafte Beimengung von Blut oder Erythrozyten zum Urin. Dabei wird zwischen der mit bloßem Auge sichtbaren Makrohämaturie und der nur mikroskopisch nachweisbaren Mikrohämaturie unterschieden.
Klinische und laborchemische Untersuchungen ergeben oft bereits eine Verdachtsdiagnose. Für den weiteren diagnostischen Ablauf bei Erkrankungen der Nieren und Harnwege ist die Sonografie (US) bei pädiatrischen Patienten das entscheidende Basisverfahren. Hierbei ist stets der gesamte Harntrakt zu untersuchen.
Bildgebende Modalitäten im Überblick
- Sonografie (US): Primäres Basisverfahren. Harnleiter sind infolge von Gasüberlagerungen oft nur unvollständig zu beurteilen.
- MRT und MR-Urografie: Ergänzende Diagnostik bei unschlüssigem Sonografiebefund.
- Computertomografie (CT): Kommt nur in ausgewählten Einzelfällen bei direkter Therapierelevanz zum Einsatz.
Bildgebung bei Nierenerkrankungen
| Fragestellung / Erkrankung | Primäre Bildgebung | Ergänzende Diagnostik / Kommentar |
|---|---|---|
| Nephrolithiasis | US + FKDS | Ggf. low-dose CT; Röntgen vor Lithotripsie |
| Nierentrauma (Polytrauma) | US + FKDS | Ggf. MRT/CT; Beurteilung von Hohlraumverletzungen |
| Niereninfarkt | US + FKDS | Ggf. CEUS (off-label), ggf. MRT |
| Nierenvenenthrombose | US + FKDS | - |
| Nierenparenchymerkrankungen | US + FKDS | Bestimmung Nierenvolumen (Perzentilenabgleich); ggf. CEUS |
| Nierenzysten | US | Weiterführend MRT |
| Nierentumor (z.B. Wilms) | US + FKDS (Nierenvenen/V. cava inf.) | MRT zwingend erforderlich (Tumor-Leitlinien beachten) |
| Pyelonephritis | US + FKDS | Ggf. CEUS |
| Nierenabszess | US | Ggf. CEUS; MRT inkl. DWI und Kontrastmittel |
Bildgebung bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege
Ureteren (Harnleiter)
| Fragestellung | Primäre Bildgebung | Ergänzende Diagnostik / Kommentar |
|---|---|---|
| Harnleiterstein | US + FKDS | Ggf. low-dose CT; Röntgen vor Lithotripsie |
| Tumor | US + FKDS | MRT (Tumor-Leitlinien beachten) |
Harnblase
| Fragestellung | Primäre Bildgebung | Ergänzende Diagnostik / Kommentar |
|---|---|---|
| Fremdkörper | US | Ggf. Röntgen |
| Blasenstein | US | Ggf. Röntgen vor Therapie |
| Blasentumor | US | MRT (Tumor-Leitlinien beachten) |
| Zystitis | Ggf. US | Ggf. Miktionszysturethrografie (MCU) |
| Blasendivertikel | US | Ggf. Miktionsurosonographie (MUS) |
Urethra (Harnröhre)
| Fragestellung | Primäre Bildgebung | Ergänzende Diagnostik / Kommentar |
|---|---|---|
| Urethra-Fremdkörper | Ggf. US | - |
| Urethritis | Keine | - |
| Urethradivertikel | MCU / ggf. MUS | US |
| Urethra-Trauma (Beckenverletzung) | CT | MCU / ggf. MUS |
Kernaussagen und Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert zwei zentrale Empfehlungen mit starkem Konsens (9/10):
- Empfehlung 1 (Steindetektion): Die low-dose CT kann zur Steindetektion in sonografisch nicht einsehbaren Harnleiterabschnitten eingesetzt werden. Zudem ist sie bei komplexen Steinkonfigurationen ergänzend zur Interventionsplanung nutzbar.
- Empfehlung 2 (Tumorverdacht): Ein sonografisch tumorverdächtiger Befund soll mittels MRT weiter untersucht werden. Hierbei sind die spezifischen Tumor-Leitlinien (z.B. Protokolle der GPOH) zu beachten.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie die Sonografie als primäres Diagnostikum und untersuchen Sie stets den gesamten Harntrakt. Bei einem sonografischen Tumorverdacht ist die MRT die zwingende Methode der Wahl zur weiteren Abklärung.